Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026
Kurz beantwortet
Bei einem osteoporotischen Wirbelbruch bricht ein durch Osteoporose geschwächter Wirbelkörper ein; das kann schon ohne grosse Gewalteinwirkung geschehen. Bei der Vertebroplastie wird der Wirbel unter Röntgenkontrolle über eine Nadel mit Knochenzement stabilisiert. Viele Patienten berichten bereits am Tag nach dem Eingriff über eine deutliche Schmerzreduktion.
Ein Sturz, ein falsches Heben, manchmal sogar eine ungeschickte Bewegung – und plötzlich dieser stechende, atemraubende Schmerz im Rücken. Ein osteoporotischer Wirbelbruch kann ohne grosse Gewalteinwirkung entstehen, weil der durch Osteoporose geschwächte Knochen die Last des Körpergewichts nicht mehr trägt. Die Folge: starke Schmerzen, eingeschränkte Mobilität und im Verlauf eine zunehmende Verkrümmung der Wirbelsäule.
Die Vertebroplastie bietet eine gezielte, minimal-invasive Behandlung – mit einer Schmerzlinderung, die oft bereits am Tag nach dem Eingriff einsetzt.
Auf einen Blick
Was ist ein osteoporotischer Wirbelbruch?
Ursachen und Folgen
Osteoporose schwächt die Knochen, indem sie ihre innere Struktur ausdünnt. Wirbelkörper – besonders im Bereich der Brustwirbelsäule und der oberen Lendenwirbelsäule – können dadurch unter normaler Belastung einbrechen (sogenannte Kompressions- oder Sinterungsfraktur). Der Wirbel verliert an Höhe und kann sich keilförmig verformen, was zu einer Rundrücken-Haltung (Kyphose) führt.
Neben osteoporotischen Frakturen können auch Knochenmetastasen, Myelomherde oder sonstige tumorbedingte Schwächungen Wirbelbrüche verursachen. Auch diese können mit demselben Verfahren stabilisiert werden.
Vertebroplastie oder Kyphoplastie: Was ist der Unterschied?
Zwei Verfahren im Vergleich
Welches Verfahren geeignet ist, hängt vom Alter der Fraktur, dem Ausmass der Kyphose und dem Allgemeinzustand ab. Beide Eingriffe erzielen sehr gute Schmerzergebnisse. An der IRZ führen wir die Vertebroplastie durch.
Wie läuft die Vertebroplastie ab?
Schritt für Schritt
Für wen ist die Vertebroplastie geeignet?
Und für wen nicht
- Frische osteoporotische Wirbelkompressionsfraktur mit starken Schmerzen (das MRI bestätigt Frischemerkmale)
- Unzureichende Schmerzlinderung durch Bettruhe und Schmerzmittel
- Wirbelkörperfrakturen durch Knochenmetastasen oder Plasmozytom
- Alte, konsolidierte Frakturen (älter als 3–6 Monate, das MRI zeigt keine Frischemerkmale mehr)
- Frakturen mit schwerer neurologischer Beteiligung (Querschnittslähmung – chirurgische Dekompression bevorzugt)
- Aktive Infektion im Behandlungsbereich (Spondylodiszitis)
Häufige Fragen zu Wirbelbruch und Vertebroplastie
FAQ
Eine konservative Therapie (Schmerzmedikamente, Mieder, Physiotherapie) reicht bei vielen Wirbelbrüchen aus. Bei starken, anhaltenden Schmerzen nach 2 Wochen und fehlender Besserung ist die Vertebroplastie eine bewährte Option: Knochenzement stabilisiert den gebrochenen Wirbelkörper und lindert den Schmerz oft bereits am Tag nach dem Eingriff.
Bei osteoporotischen Wirbelbrüchen – der häufigsten Ursache – ist eine Spondylodese in der Regel nicht indiziert. Die Vertebroplastie ist minimal-invasiv (Nadel statt Schnitt), dauert 30–60 Minuten und stabilisiert den Wirbel von innen. Eine Spondylodese kommt nur bei instabilen Frakturen oder neurologischen Defiziten in Betracht.
Nein. Wir injizieren Knochenzement nur in den gebrochenen Wirbelkörper selbst – kein Gelenk wird versteift, keine benachbarten Wirbel werden verbunden. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule bleibt vollständig erhalten.
Direkt nach dem Eingriff. Es gibt keine Belastungseinschränkung durch den Zement, der innerhalb von Minuten aushärtet. Wir empfehlen dennoch 3–5 Tage allgemeine körperliche Schonung, damit der behandelte Bereich zur Ruhe kommen kann. Leichte Bewegung und kurze Spaziergänge sind ab dem Folgetag ausdrücklich erwünscht – zu langes Liegen sollte vermieden werden.
Nein. Der Zement stabilisiert ausschliesslich den behandelten Wirbelkörper lokal. Wenn ein angrenzender Wirbelkörper nach dem Eingriff brechen sollte, dann deshalb, weil auch er durch die Osteoporose geschwächt ist und dieser Bruch früher oder später ohnehin eingetreten wäre. Die Zement-Injektion verursacht diesen Bruch nicht.
Viele Patienten berichten bereits am Tag nach dem Eingriff oder innerhalb der ersten 48 Stunden über eine deutliche Schmerzreduktion. Die maximale Wirkung ist nach einigen Tagen erreicht, wenn das umliegende Gewebe vollständig verheilt ist.
Nein. Wichtiger ist, dass Sie Ihre Osteoporose konsequent behandeln lassen (Vitamin D, Calcium, gegebenenfalls spezifische Osteoporose-Medikamente), um weitere Frakturen zu verhindern.
Mehrere Wirbelkörper können – wenn klinisch indiziert – in derselben Sitzung behandelt werden. Wir beurteilen gemeinsam mit Ihnen die Bildgebung und priorisieren die Frakturen, die am ehesten Ihre Beschwerden verursachen.
Nach der Vertebroplastie sind leichte lokale Rückenschmerzen an der Behandlungsstelle für einige Tage normal. Viele Patienten berichten innerhalb von 24–48 Stunden über deutliche Schmerzlinderung.
Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:
- Neu aufgetretener Lähmung der Beine oder Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle (sehr selten, z. B. durch austretenden Zement – sofortiger Notfall)
- Starken Atembeschwerden oder Brustschmerzen (sehr selten: Zement, der über die Venen in die Lunge gelangt – sofortiger Notfall)
- Fieber über 38,5 °C kombiniert mit stark zunehmenden Rückenschmerzen (Infektionszeichen)
- Starker Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle
Wissenschaftliche Referenzen
- Randomisierte Studie Boonen S, Van Meirhaeghe J, Bastian L, et al. Balloon kyphoplasty for the treatment of acute vertebral compression fractures: 2-year results from a randomized trial. J Bone Miner Res. 2011;26(7):1627–1637. PubMed ↗
- Randomisierte Studie Wardlaw D, Cummings SR, Van Meirhaeghe J, et al. Efficacy and safety of balloon kyphoplasty compared with non-surgical care for vertebral compression fracture (FREE): a randomised controlled trial. Lancet. 2009;373(9668):1016–1024. PubMed ↗
- Systematische Übersicht Buchbinder R, Johnston RV, Rischin KJ, et al. Percutaneous vertebroplasty for osteoporotic vertebral compression fracture. Cochrane Database Syst Rev. 2018;11(11):CD006349. DOI ↗
- Randomisierte Studie Dohm MP, Black CM, Dacre A, et al. A randomized trial comparing balloon kyphoplasty and vertebroplasty for vertebral compression fractures due to osteoporosis. AJNR Am J Neuroradiol. 2014;35(12):2227–2236. PubMed ↗
- Randomisierte Studie Klazen CAH, Lohle PNM, de Vries J, et al. Vertebroplasty versus conservative treatment in acute osteoporotic vertebral compression fractures (Vertos II): an open-label randomised trial. Lancet. 2010;376(9746):1085–1092. PubMed ↗
Literatur geprüft im Oktober 2026
Ihr Weg zu uns
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Anfrage
Online, per Telefon oder über Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wir melden uns innert eines Werktages.
Abklärung & Beratung
Wir sichten Ihre Befunde und Bilder und besprechen mit Ihnen, welche Behandlung passt.
Eingriff
Ambulant am INURAD oder stationär an der Klinik Hirslanden – je nach Eingriff.
Nachsorge
Kontrolltermine und ein Bericht an Ihre zuweisende Ärztin oder Ihren zuweisenden Arzt.
Möchten Sie wissen, ob dieser Eingriff für Sie geeignet ist?
Wir beraten Sie persönlich, diskret und unverbindlich. Vereinbaren Sie jetzt Ihr Beratungsgespräch.
Indikation
Frische osteoporotische Wirbelkompressionsfraktur mit starken Schmerzen und unzureichender Linderung durch Bettruhe und Schmerzmittel; Wirbelkörperfrakturen bei Knochenmetastasen oder Plasmozytom.
Hilfreiche Unterlagen
Aktuelles MRI der Wirbelsäule (Frischemerkmale der Fraktur), weitere Bildgebung und Vorbefunde; Angaben zu blutverdünnenden Medikamenten.
So weisen Sie zu
Zuweisungsformular per E-Mail an irz@hirslanden.ch oder Anruf unter +41 44 387 25 84. Wir melden uns innert eines Werktages und senden Ihnen nach dem Eingriff einen Bericht.
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