Facettensyndrom: Gezielt behandeln – Infiltration und Radiofrequenzablation in Zürich

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026

Kurz beantwortet

Beim Facettensyndrom verursachen arthrotisch veränderte Wirbelgelenke (Facettengelenke) chronische Rückenschmerzen. Die IRZ behandelt es in zwei Schritten: Zuerst wird unter CT- oder Fluoroskopie-Kontrolle ein Medikament gezielt in die Gelenke oder an die versorgenden Nervenfasern injiziert. Wirkt diese Infiltration gut, lässt der Effekt aber nach, schaltet die Radiofrequenzablation (RFA) die Nervenfasern mit Wärme gezielt aus.

Rückenschmerzen, die sich beim Rückwärtsbeugen und beim Drehen verschlimmern. Schmerzen, die ins Gesäss oder die Oberschenkel ausstrahlen, aber selten unter das Knie. Morgensteifigkeit, die sich nach dem Anlaufen etwas bessert. Diese Konstellation kann auf ein Facettensyndrom hindeuten.

Das Facettensyndrom wird von vielen Patienten jahrelang als «einfacher Rücken» abgetan.

Dabei ist es eine der häufigsten chronischen Rückenschmerzursachen – und eine, die sich nach sorgfältiger Abklärung oft gezielt behandeln lässt.

Auf einen Blick

Verfahren

Zweistufig: diagnostische Facetteninfiltration, bei guter Wirkung Radiofrequenzablation (RFA) unter CT- oder Fluoroskopie-Kontrolle

Betäubung

Örtliche Betäubung, keine Vollnarkose

Dauer

Infiltration 15–30 Minuten, RFA 30–60 Minuten

Aufenthalt

Oftmals ambulant; Begleitperson empfohlen

Erholung

24–48 Stunden leichte Schonung; kein Autofahren am Behandlungstag; Wirkung nach 3–7 Tagen

Was ist das Facettensyndrom?

Arthrose der kleinen Wirbelgelenke

Die Wirbelgelenke (Facettengelenke oder Zygapophysialgelenke) verbinden die einzelnen Wirbelkörper miteinander und ermöglichen Dreh- und Gleitbewegungen der Wirbelsäule. Wie jedes andere Gelenk können sie von Arthrose befallen werden (Spondylarthrose) – mit den typischen Folgen: Entzündung, Schmerz und eingeschränkte Beweglichkeit.

Das Facettensyndrom ist je nach Studie für etwa 15–45 % der chronischen Kreuzschmerzen verantwortlich, betrifft häufig die Lendenwirbelsäule (LWS), kann aber auch die Halswirbelsäule (HWS) oder Brustwirbelsäule (BWS) betreffen.

Wie wird das Facettensyndrom behandelt?

Zweistufiges Konzept: Infiltration, dann Ablation

Wir folgen einem zweistufigen Konzept:

Diagnostische Facetteninfiltration

Unter CT- oder Fluoroskopie-Kontrolle wird ein entzündungshemmendes Medikament (Kortison und Lokalanästhetikum) gezielt in die betroffenen Facettengelenke oder an die versorgenden Nervenfasern (Rami mediales) injiziert. Dieser Eingriff hat eine doppelte Funktion:

  • Therapeutisch: Bei einem Teil der Patienten rasche, meist vorübergehende Schmerzlinderung durch lokale Entzündungshemmung
  • Diagnostisch: Wenn die Infiltration Ihre Beschwerden deutlich bessert, spricht das stark dafür, dass die Facettengelenke die Schmerzquelle sind
Radiofrequenzablation (RFA)

Wenn die Infiltration gut wirkt, der Effekt aber nach Wochen wieder nachlässt, ist die Radiofrequenzablation der nächste Schritt. Dabei werden die kleinen Nervenfasern, die die Facettengelenke versorgen (Rami mediales), durch Radiofrequenz-Wärme (ca. 80 °C) gezielt ausgeschaltet. Die Schmerzleitung aus den betroffenen Gelenken wird für längere Zeit unterbrochen – in Studien meist für einige Monate bis etwa ein Jahr, bei manchen Patienten auch länger.

Wie laufen Infiltration und Radiofrequenzablation ab?

Ablauf beider Verfahren

Vor dem Eingriff

MRI der Wirbelsäule. Blutverdünner werden in Absprache pausiert. Eine Begleitperson wird empfohlen.

Der Eingriff

Oftmals ambulant, in örtlicher Betäubung und unter Bildkontrolle. Eine Vollnarkose ist nicht nötig.

Dauer

Infiltration: 15–30 Minuten. RFA: 30–60 Minuten.

Nach dem Eingriff

24–48 Stunden leichte Schonung. Kein Autofahren am Behandlungstag. Die Wirkung tritt nach 3–7 Tagen ein.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Für wen sind Infiltration und RFA geeignet?

Und für wen nicht

Geeignet
  • Chronische Rückenschmerzen mit klinischem Verdacht auf ein Facettensyndrom
  • Positive diagnostische Facetteninfiltration als Voraussetzung für die RFA
Nicht oder eingeschränkt geeignet
  • Radikulopathie als Hauptsymptom (hier ist die PRT zu bevorzugen)
  • Spinalkanalstenose mit Claudicatio spinalis (andere Behandlung)

Häufige Fragen zum Facettensyndrom

FAQ

Bei einer Facettengelenkarthrose ist eine Wirbelsäulenversteifung (Spondylodese) erst in therapierefraktären Fällen indiziert. Die Radiofrequenz-Denervation (Thermokoagulation der medialen Äste) gilt als Standardeingriff, wenn konservative Massnahmen nicht ausreichen: Sie unterbricht die Schmerzleitung am Facettengelenk gezielt, ohne die Wirbelsäule zu versteifen. Der Effekt hält typischerweise mehrere Monate bis etwa ein Jahr an; der Eingriff kann bei Bedarf wiederholt werden.

Das hängt davon ab, ob das Facettensyndrom tatsächlich die Hauptursache Ihrer Beschwerden ist. Bei klarer klinischer Diagnose und sorgfältiger Indikationsstellung spricht ein Teil der Patienten gut auf die diagnostische Blockade an – genau dafür wird sie durchgeführt. Wenn Sie von der Infiltration profitieren, ist die Erfolgswahrscheinlichkeit der anschliessenden RFA sehr hoch.

Wenn weder die Infiltration noch die RFA eine ausreichende Wirkung zeigt, gibt es zwei mögliche Erklärungen: Erstens könnte eine andere Struktur – etwa das Iliosakralgelenk oder eine Bandscheibe – die eigentliche Schmerzquelle sein, die wir dann gezielt abklären. Zweitens kann bei sehr lange bestehenden chronischen Schmerzen eine sogenannte Schmerzchronifizierung vorliegen, bei der das Schmerzsystem selbst verändert ist. Dann sollte eine Schmerztherapeutin oder ein Schmerztherapeut hinzugezogen werden.

Die Wirkung der Radiofrequenzablation hält in Studien meist einige Monate bis etwa ein Jahr an, bei manchen Patienten auch länger. Die Nervenfasern regenerieren sich dann langsam, was ein Wiederkehren der Schmerzen ankündigen kann. In diesem Fall kann die RFA wiederholt werden – wer beim ersten Mal gut angesprochen hat, profitiert meist ähnlich gut.

Ja, die RFA kann gleichzeitig an mehreren Wirbelsäulenetagen durchgeführt werden. Wenn viele Etagen betroffen sind, entscheiden wir gemeinsam, ob wir alle in einer Sitzung behandeln oder schrittweise vorgehen, um das Ansprechen besser beurteilen zu können.

Nach der Facetteninfiltration oder RFA kann der Rücken für 2–5 Tage vorübergehend mehr schmerzen als vorher. Das ist eine normale Entzündungsreaktion an der behandelten Stelle (Reaktionsschmerz). Auch ein leichtes Taubheitsgefühl im Bein für Stunden ist normal.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

  • Fieber über 38,5 °C kombiniert mit starken Rückenschmerzen (Anzeichen einer Infektion)
  • Neu aufgetretener Lähmung oder deutlichem Taubheitsgefühl, das nicht abklingt
  • Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle (sofortiger Notfall)
  • Starken Kopfschmerzen in aufrechter Position
Wissenschaftliche Referenzen
  1. Prospektive Studie Dreyfuss P, Halbrook B, Pauza K, et al. Efficacy and validity of radiofrequency neurotomy for chronic lumbar zygapophysial joint pain. Spine (Phila Pa 1976). 2000;25(10):1270–1277. PubMed ↗
  2. Systematische Übersicht Manchikanti L, Kaye AD, Boswell MV, et al. A systematic review and best evidence synthesis of effectiveness of therapeutic facet joint interventions in managing chronic spinal pain. Pain Physician. 2015;18(4):E535–E582. PubMed ↗
  3. Übersichtsarbeit Cohen SP, Huang JHY, Brummett C. Facet joint pain – advances in patient selection and treatment. Nat Rev Rheumatol. 2013;9(2):101–116. PubMed ↗
  4. Übersichtsarbeit Perolat R, Kastler A, Nicot B, et al. Facet joint syndrome: from diagnosis to interventional management. Insights Imaging. 2018;9(5):773–789. PubMed ↗

Literatur geprüft im Oktober 2026

Ihr Weg zu uns

In vier Schritten

Anfrage

Online, per Telefon oder über Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wir melden uns innert eines Werktages.

Abklärung & Beratung

Wir sichten Ihre Befunde und Bilder und besprechen mit Ihnen, welche Behandlung passt.

Eingriff

Ambulant am INURAD oder stationär an der Klinik Hirslanden – je nach Eingriff.

Nachsorge

Kontrolltermine und ein Bericht an Ihre zuweisende Ärztin oder Ihren zuweisenden Arzt.

Möchten Sie wissen, ob dieser Eingriff für Sie geeignet ist?

Wir beraten Sie persönlich, diskret und unverbindlich. Vereinbaren Sie jetzt Ihr Beratungsgespräch.

+41 44 387 25 84 · irz@hirslanden.ch

Für zuweisende Ärztinnen und Ärzte

Hier behandeln wir Sie

Standorte & Öffnungszeiten

INURAD

Sprechstunde & ambulante Eingriffe

Hohlstrasse 532
8048 Zürich

Mo–Fr 07:30–20:00

Klinik Hirslanden

Stationäre Eingriffe

Witellikerstrasse 40
8032 Zürich

Mo–Fr 08:30–16:00

Verwandte Behandlungen

Das könnte Sie auch interessieren

ISG-Syndrom

Kreuzschmerzen aus dem Iliosakralgelenk: ISG-Infiltration und Radiofrequenzablation

Bandscheibenvorfall

Bandscheibenvorfall mit Ischias: gezielte Infiltration an der Nervenwurzel (PRT)

Osteoporotischer Wirbelbruch

Osteoporotischen Wirbelbruch stabilisieren: Vertebroplastie