ISG-Syndrom: Kreuzschmerzen gezielt behandeln – ISG-Infiltration und RFA in Zürich

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026

Kurz beantwortet

Beim ISG-Syndrom gehen die Kreuzschmerzen vom Iliosakralgelenk aus, das Kreuzbein und Becken verbindet. Der Goldstandard der Diagnose ist die Blockade des Gelenks oder seiner Nerven unter Bildkontrolle: Kortison und Lokalanästhetikum werden CT- oder Fluoroskopie-gesteuert injiziert. Bringt dies nur kurzfristig Linderung, folgt die Radiofrequenzablation (RFA) der versorgenden Nerven mit längerfristigem Effekt.

Schmerzen tief im Kreuz, die ins Gesäss und manchmal in die Leiste oder den Oberschenkel ausstrahlen. Schmerzen beim Aufstehen vom Sitzen, beim Treppensteigen, beim Einbeinstand. Und oft eine jahrelange Suche nach der Ursache.

Das Iliosakralgelenk (ISG) wird im klinischen Alltag noch immer häufig übersehen.

Dabei ist es Schätzungen zufolge für etwa 15–30 % der chronischen Kreuzschmerzen verantwortlich.

Auf einen Blick

Verfahren

Zweistufig: diagnostische ISG-Infiltration, bei nachlassender Wirkung Radiofrequenzablation (RFA) der ISG-Nerven

Betäubung

Örtliche Betäubung und Dämmerschlaf (Analgosedation)

Dauer

Infiltration 20–30 Minuten, RFA 30–45 Minuten

Aufenthalt

Ambulant; Begleitperson empfohlen

Erholung

24–48 Stunden leichte Schonung; Wirkung nach 3–7 Tagen

Was ist das ISG-Syndrom?

Ursachen und Diagnose

Das Iliosakralgelenk (ISG) verbindet auf beiden Seiten das Kreuzbein (Sakrum) mit dem Beckenknochen (Ilium). Es ist ein stark belastetes, wenig bewegliches Gelenk, das durch Bänder und Muskeln stabilisiert wird. Folgende Faktoren können zu chronischen Schmerzen führen:

Degenerative Veränderungen

Entzündungen

Fehlbelastungen, z. B. nach Schwangerschaften oder nach Stürzen

Eine Beinlängendifferenz

Das ISG-Syndrom ist klinisch schwierig zu diagnostizieren, weil die Beschwerden denen anderer Rückenerkrankungen ähneln. Der Goldstandard der Diagnose ist deshalb die diagnostische Blockade des ISG oder seiner versorgenden Nerven unter Bildkontrolle.

Wie wird das ISG-Syndrom behandelt?

Zweistufiges Konzept: Infiltration, dann Ablation

Diagnostische ISG-Infiltration

Unter CT- oder Fluoroskopie-Kontrolle werden Kortison und ein Lokalanästhetikum gezielt in das ISG oder an die versorgenden Nervenäste (posteriore sakrale Rami) injiziert. Wenn Ihre Schmerzen daraufhin deutlich nachlassen, spricht das stark für die Diagnose «ISG-Syndrom».

Radiofrequenzablation (RFA) der ISG-Nerven

Wenn die Infiltration gut wirkt, aber der Effekt nachlässt, schaltet die Radiofrequenzablation der posterioren sakralen Nervenäste die Schmerzleitung aus dem ISG langfristig aus. Die Wirkung hält 12–24 Monate oder länger.

Wie laufen ISG-Infiltration und Radiofrequenzablation ab?

Ablauf beider Verfahren

Vor dem Eingriff

MRI des Beckens bzw. der Lendenwirbelsäule. Da der Eingriff in Dämmerschlaf erfolgt, kommen Sie bitte nüchtern (mindestens 6 Stunden). Blutverdünner werden in Absprache angepasst. Eine Begleitperson wird empfohlen.

Der Eingriff

Örtliche Betäubung und Dämmerschlaf (Analgosedation), CT- oder Fluoroskopie-Kontrolle.

Dauer

Infiltration: 20–30 Minuten. RFA: 30–45 Minuten.

Nachsorge

24–48 Stunden leichte Schonung. Die Wirkung tritt nach 3–7 Tagen ein.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Für wen ist die ISG-Behandlung geeignet?

Und für wen nicht

Geeignet
  • Kreuzschmerzen mit ISG als Verdachtsdiagnose (klinische Tests positiv)
  • Positive diagnostische Blockade als Voraussetzung für die RFA
Nicht oder eingeschränkt geeignet
  • Entzündliche Sakroiliitis (z. B. bei Morbus Bechterew – medikamentöse Therapie bevorzugt)
  • Radikulopathie als Hauptsymptom

Häufige Fragen zum ISG-Syndrom

FAQ

Die ISG-Infiltration (diagnostisch und therapeutisch) ist der erste Schritt. Bringt sie Linderung, spricht dies stark für die Diagnose. Bei kurzfristiger Wirkung folgt die Radiofrequenzablation der ISG-versorgenden Nerven – mit längerfristigem Effekt (12–24 Monate). Eine ISG-Fusion (operative Versteifung) kommt erst bei therapieresistenten Fällen nach Ausschöpfung aller minimal-invasiven Optionen in Betracht.

Bei korrekter Diagnose (positiver diagnostischer Block) und sorgfältiger Selektion zeigen 60–80 % der Patienten eine deutliche Verbesserung durch die RFA. Entscheidend ist, dass die diagnostische Blockade vorangeht: Lassen die Schmerzen danach deutlich nach, spricht das stark dafür, dass das ISG tatsächlich die Schmerzquelle ist.

Wenn ISG-Infiltration und RFA keine ausreichende Wirkung zeigen, gibt es zwei mögliche Erklärungen: Entweder ist eine andere Struktur die eigentliche Schmerzquelle (z. B. Facettengelenke, Bandscheibe, Piriformis-Syndrom); diese können wir dann gezielt abklären und behandeln. Oder die Schmerzen sind bereits so weit chronifiziert, dass eine Schmerzspezialistin oder ein Schmerzspezialist hinzugezogen werden sollte.

Beide können sehr ähnliche Beschwerden verursachen, was die klinische Unterscheidung schwierig macht. Beim ISG-Syndrom sind die Schmerzen tiefer im Kreuz lokalisiert, häufig einseitig, und können in die Leiste ausstrahlen. Die diagnostische Blockade ist der zuverlässigste Weg zur Unterscheidung. Nicht selten bestehen beide Erkrankungen gleichzeitig.

Typischerweise 12–24 Monate. Die posterioren Nervenäste regenerieren sich dann langsam. Wenn Schmerzen zurückkehren, kann die RFA wiederholt werden.

Nach der ISG-Infiltration oder RFA kann der Kreuzbereich für 2–5 Tage etwas schmerzhafter sein als zuvor. Das ist normal. Ein leichtes Taubheitsgefühl im Gesäss oder Oberschenkel für Stunden nach der Behandlung ist ebenfalls normal.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

  • Fieber über 38,5 °C kombiniert mit stark zunehmenden Kreuzschmerzen
  • Neu aufgetretener Schwäche oder Taubheit im Bein, die nicht abklingt
  • Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle
Wissenschaftliche Referenzen
  1. Prospektive Studie Fortin JD, Dwyer AP, West S, et al. Sacroiliac joint: pain referral maps upon applying a new injection/arthrography technique. Part I: Asymptomatic volunteers. Spine (Phila Pa 1976). 1994;19(13):1475–1482. PubMed ↗
  2. Prospektive Studie Schwarzer AC, Aprill CN, Bogduk N. The sacroiliac joint in chronic low back pain. Spine (Phila Pa 1976). 1995;20(1):31–37. PubMed ↗
  3. Übersichtsarbeit Cohen SP, Chen Y, Neufeld NJ. Sacroiliac joint pain: a comprehensive review of epidemiology, diagnosis and treatment. Expert Rev Neurother. 2013;13(1):99–116. PubMed ↗
  4. Randomisierte Studie Patel N, Gross A, Brown L, et al. A randomized, placebo-controlled study to assess the efficacy of lateral branch neurotomy for chronic sacroiliac joint pain. Pain Med. 2012;13(3):383–398. PubMed ↗
  5. Randomisierte Studie Cohen SP, Hurley RW, Buckenmaier CC, et al. Randomized placebo-controlled study evaluating lateral branch radiofrequency denervation for sacroiliac joint pain. Anesthesiology. 2008;109(2):279–288. PubMed ↗

Literatur geprüft im Oktober 2026

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