Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026
Kurz beantwortet
Beim ISG-Syndrom gehen die Kreuzschmerzen vom Iliosakralgelenk aus, das Kreuzbein und Becken verbindet. Der Goldstandard der Diagnose ist die Blockade des Gelenks oder seiner Nerven unter Bildkontrolle: Kortison und Lokalanästhetikum werden CT- oder Fluoroskopie-gesteuert injiziert. Bringt dies nur kurzfristig Linderung, folgt die Radiofrequenzablation (RFA) der versorgenden Nerven mit längerfristigem Effekt.
Schmerzen tief im Kreuz, die ins Gesäss und manchmal in die Leiste oder den Oberschenkel ausstrahlen. Schmerzen beim Aufstehen vom Sitzen, beim Treppensteigen, beim Einbeinstand. Und oft eine jahrelange Suche nach der Ursache.
Das Iliosakralgelenk (ISG) wird im klinischen Alltag noch immer häufig übersehen.
Dabei ist es Schätzungen zufolge für etwa 15–30 % der chronischen Kreuzschmerzen verantwortlich.
Auf einen Blick
Was ist das ISG-Syndrom?
Ursachen und Diagnose
Das Iliosakralgelenk (ISG) verbindet auf beiden Seiten das Kreuzbein (Sakrum) mit dem Beckenknochen (Ilium). Es ist ein stark belastetes, wenig bewegliches Gelenk, das durch Bänder und Muskeln stabilisiert wird. Folgende Faktoren können zu chronischen Schmerzen führen:
Degenerative Veränderungen
Entzündungen
Fehlbelastungen, z. B. nach Schwangerschaften oder nach Stürzen
Eine Beinlängendifferenz
Das ISG-Syndrom ist klinisch schwierig zu diagnostizieren, weil die Beschwerden denen anderer Rückenerkrankungen ähneln. Der Goldstandard der Diagnose ist deshalb die diagnostische Blockade des ISG oder seiner versorgenden Nerven unter Bildkontrolle.
Wie wird das ISG-Syndrom behandelt?
Zweistufiges Konzept: Infiltration, dann Ablation
Wie laufen ISG-Infiltration und Radiofrequenzablation ab?
Ablauf beider Verfahren
Für wen ist die ISG-Behandlung geeignet?
Und für wen nicht
- Kreuzschmerzen mit ISG als Verdachtsdiagnose (klinische Tests positiv)
- Positive diagnostische Blockade als Voraussetzung für die RFA
- Entzündliche Sakroiliitis (z. B. bei Morbus Bechterew – medikamentöse Therapie bevorzugt)
- Radikulopathie als Hauptsymptom
Häufige Fragen zum ISG-Syndrom
FAQ
Die ISG-Infiltration (diagnostisch und therapeutisch) ist der erste Schritt. Bringt sie Linderung, spricht dies stark für die Diagnose. Bei kurzfristiger Wirkung folgt die Radiofrequenzablation der ISG-versorgenden Nerven – mit längerfristigem Effekt (12–24 Monate). Eine ISG-Fusion (operative Versteifung) kommt erst bei therapieresistenten Fällen nach Ausschöpfung aller minimal-invasiven Optionen in Betracht.
Bei korrekter Diagnose (positiver diagnostischer Block) und sorgfältiger Selektion zeigen 60–80 % der Patienten eine deutliche Verbesserung durch die RFA. Entscheidend ist, dass die diagnostische Blockade vorangeht: Lassen die Schmerzen danach deutlich nach, spricht das stark dafür, dass das ISG tatsächlich die Schmerzquelle ist.
Wenn ISG-Infiltration und RFA keine ausreichende Wirkung zeigen, gibt es zwei mögliche Erklärungen: Entweder ist eine andere Struktur die eigentliche Schmerzquelle (z. B. Facettengelenke, Bandscheibe, Piriformis-Syndrom); diese können wir dann gezielt abklären und behandeln. Oder die Schmerzen sind bereits so weit chronifiziert, dass eine Schmerzspezialistin oder ein Schmerzspezialist hinzugezogen werden sollte.
Beide können sehr ähnliche Beschwerden verursachen, was die klinische Unterscheidung schwierig macht. Beim ISG-Syndrom sind die Schmerzen tiefer im Kreuz lokalisiert, häufig einseitig, und können in die Leiste ausstrahlen. Die diagnostische Blockade ist der zuverlässigste Weg zur Unterscheidung. Nicht selten bestehen beide Erkrankungen gleichzeitig.
Typischerweise 12–24 Monate. Die posterioren Nervenäste regenerieren sich dann langsam. Wenn Schmerzen zurückkehren, kann die RFA wiederholt werden.
Nach der ISG-Infiltration oder RFA kann der Kreuzbereich für 2–5 Tage etwas schmerzhafter sein als zuvor. Das ist normal. Ein leichtes Taubheitsgefühl im Gesäss oder Oberschenkel für Stunden nach der Behandlung ist ebenfalls normal.
Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:
- Fieber über 38,5 °C kombiniert mit stark zunehmenden Kreuzschmerzen
- Neu aufgetretener Schwäche oder Taubheit im Bein, die nicht abklingt
- Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle
Wissenschaftliche Referenzen
- Prospektive Studie Fortin JD, Dwyer AP, West S, et al. Sacroiliac joint: pain referral maps upon applying a new injection/arthrography technique. Part I: Asymptomatic volunteers. Spine (Phila Pa 1976). 1994;19(13):1475–1482. PubMed ↗
- Prospektive Studie Schwarzer AC, Aprill CN, Bogduk N. The sacroiliac joint in chronic low back pain. Spine (Phila Pa 1976). 1995;20(1):31–37. PubMed ↗
- Übersichtsarbeit Cohen SP, Chen Y, Neufeld NJ. Sacroiliac joint pain: a comprehensive review of epidemiology, diagnosis and treatment. Expert Rev Neurother. 2013;13(1):99–116. PubMed ↗
- Randomisierte Studie Patel N, Gross A, Brown L, et al. A randomized, placebo-controlled study to assess the efficacy of lateral branch neurotomy for chronic sacroiliac joint pain. Pain Med. 2012;13(3):383–398. PubMed ↗
- Randomisierte Studie Cohen SP, Hurley RW, Buckenmaier CC, et al. Randomized placebo-controlled study evaluating lateral branch radiofrequency denervation for sacroiliac joint pain. Anesthesiology. 2008;109(2):279–288. PubMed ↗
Literatur geprüft im Oktober 2026
Ihr Weg zu uns
In vier Schritten
Anfrage
Online, per Telefon oder über Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wir melden uns innert eines Werktages.
Abklärung & Beratung
Wir sichten Ihre Befunde und Bilder und besprechen mit Ihnen, welche Behandlung passt.
Eingriff
Ambulant am INURAD oder stationär an der Klinik Hirslanden – je nach Eingriff.
Nachsorge
Kontrolltermine und ein Bericht an Ihre zuweisende Ärztin oder Ihren zuweisenden Arzt.
Möchten Sie wissen, ob dieser Eingriff für Sie geeignet ist?
Wir beraten Sie persönlich, diskret und unverbindlich. Vereinbaren Sie jetzt Ihr Beratungsgespräch.
Indikation
Kreuzschmerzen mit Verdacht auf ein ISG-Syndrom (klinische Tests positiv); Radiofrequenzablation nach positiver diagnostischer Blockade.
Hilfreiche Unterlagen
MRI des Beckens bzw. der Lendenwirbelsäule, Vorbefunde und bisherige Therapien; Angaben zu blutverdünnenden Medikamenten.
So weisen Sie zu
Zuweisungsformular per E-Mail an irz@hirslanden.ch oder Anruf unter +41 44 387 25 84. Wir melden uns innert eines Werktages und senden Ihnen nach dem Eingriff einen Bericht.
Hier behandeln wir Sie
Standorte & Öffnungszeiten
Verwandte Behandlungen
Das könnte Sie auch interessieren
Facettensyndrom
Wirbelgelenkschmerzen gezielt behandeln: Facetteninfiltration und Radiofrequenzablation
Bandscheibenvorfall
Bandscheibenvorfall mit Ischias: gezielte Infiltration an der Nervenwurzel (PRT)
Osteoporotischer Wirbelbruch
Osteoporotischen Wirbelbruch stabilisieren: Vertebroplastie