Tumorschmerzen: Schmerzblockade direkt am Ursprung – Zöliakalplexusblockade in Zürich

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026

Kurz beantwortet

Die Zöliakalplexusblockade kann starke Tumorschmerzen im Oberbauch lindern, etwa bei Bauchspeicheldrüsenkrebs. Unter CT-Kontrolle wird eine feine Nadel meist von der Rückenseite an das Nervengeflecht vor der Aorta geführt; ein Lokalanästhetikum und/oder Alkohol unterbricht dort die Schmerzleitung aus dem Oberbauch. Der Eingriff erfolgt ambulant oder mit einer kurzen Hospitalisation.

Schmerzen durch Bauchspeicheldrüsenkrebs oder andere Oberbauchtumoren können zu den stärksten und quälendsten Schmerzen überhaupt gehören. Wenn Morphin und andere Opioide nicht mehr ausreichen oder zu starke Nebenwirkungen verursachen, bietet die Zöliakalplexusblockade eine gezielte Ergänzung.

Schmerzblockade direkt am Ursprung: am Nervengeflecht des Oberbauchs.

Auf einen Blick

Verfahren

CT-gesteuerte Injektion an das Nervengeflecht vor der Aorta, meist von der Rückenseite

Betäubung

Örtliche Betäubung und Dämmerschlaf (Analgosedation)

Dauer

20–40 Minuten

Aufenthalt

Ambulant oder kurze Hospitalisation

Wirkung

Spürbare Schmerzlinderung meist innerhalb weniger Tage; hält meist Wochen bis Monate an

Was ist der Zöliakalplexus?

Das Nervengeflecht des Oberbauchs

Der Zöliakalplexus ist ein Nervengeflecht, das vor der Aorta liegt und Schmerzimpulse aus Magen, Leber, Gallenblase, Bauchspeicheldrüse und anderen Oberbauchorganen zum Gehirn weiterleitet.

Durch Injektion von Lokalanästhetikum und/oder einem neurolytischen Agens (Alkohol) an diesen Plexus wird die Schmerzleitung aus dem Oberbauch unterbrochen – mit Alkohol meist für Wochen bis Monate, mit Lokalanästhetikum allein nur vorübergehend.

Wie läuft die Zöliakalplexusblockade ab?

Schritt für Schritt

Ambulant oder stationär

Der Eingriff erfolgt ambulant oder mit einer kurzen Hospitalisation.

CT-gesteuerte Nadelführung

Der Eingriff erfolgt in örtlicher Betäubung und Dämmerschlaf (Analgosedation). Unter CT-Führung wird eine feine Nadel perkutan, meist von der Rückenseite, direkt an den Zöliakalplexus vor der Aorta geführt.

Injektion

Das schmerzblockierende Mittel wird injiziert.

Dauer

20–40 Minuten.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Welche Wirkung hat die Blockade?

Schmerzlinderung und oft weniger Opioide

Meist innerhalb weniger Tage spürbare Schmerzlinderung. Der Opioidbedarf kann oft reduziert werden, was opioidbedingte Nebenwirkungen wie Benommenheit und Verstopfung verringern kann.

Was sagt die Wissenschaft?

Evidenzbasierte Ergebnisse

Die Zöliakalplexusblockade ist vor allem bei Bauchspeicheldrüsenkrebs untersucht, auch in randomisierten Studien und Metaanalysen. Sie ergänzt die medikamentöse Schmerztherapie:

90 %

Rund 90 % der Patienten berichteten in den ersten 2 Wochen nach einer neurolytischen Blockade (meist mit Alkohol) über eine gute bis sehr gute Schmerzlinderung (Metaanalyse von 24 Studien, überwiegend rückblickend ausgewertet; Eisenberg et al., 1995).

14 %

In einer doppelblinden randomisierten Studie hatten in den ersten 6 Wochen nur 14 % der Patienten mit Blockade mittelstarke bis starke Schmerzen (5 oder mehr von 10 Punkten), gegenüber 40 % unter Schmerzmitteln allein (Wong et al., 2004).

2 %

Komplikationen traten bei 2 % auf. Häufig, aber vorübergehend waren Schmerzen an der Einstichstelle, Durchfall und ein Blutdruckabfall (Eisenberg et al., 1995).

In einer doppelblinden randomisierten Studie der Mayo Clinic (Wong et al., 2004) erhielten 100 Patienten mit nicht operablem Bauchspeicheldrüsenkrebs entweder eine neurolytische Blockade oder eine optimierte Schmerzmedikation allein; zusätzliche Opioide waren in beiden Gruppen möglich. Mit Blockade gingen die Schmerzen bereits in der ersten Woche stärker zurück und blieben auch im weiteren Verlauf tiefer. Die Lebensqualität besserte sich in beiden Gruppen ähnlich, die Überlebenszeit unterschied sich nicht. Die Blockade ist damit eine Ergänzung zur Schmerzmedikation, kein Ersatz.

  • Arcidiacono PG et al. (Cochrane-Review, 2011; 6 randomisierte Studien, 358 Patienten, Blockade durch die Haut): Nach 4 Wochen waren die Schmerzen etwas geringer und der Opioidverbrauch signifikant niedriger als unter Schmerzmitteln allein. Die Autoren betonen, dass die Blockade weniger Nebenwirkungen verursacht als Opioide.
  • Okita M et al. (Pain Pract, 2022; Metaanalyse, 10 randomisierte Studien, 646 Patienten, auch endoskopisch durchgeführte Blockaden): Nach 4 Wochen waren die Schmerzen mit Blockade signifikant geringer als mit Medikamenten allein. Die Autoren empfehlen die Blockade als Option, wenn Medikamente allein die Schmerzen nicht ausreichend lindern, auch wenn die Wirkung zeitlich begrenzt sein kann; schwere Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Häufige Fragen zur Zöliakalplexusblockade

FAQ

Die meisten Patienten (in einer Metaanalyse rund 90 %) spüren innerhalb der ersten Tage eine deutliche Schmerzlinderung. Die Wirkung hält meist Wochen bis Monate an.

Ja. Wenn die Wirkung nachlässt, kann die Blockade wiederholt werden. Bei einer neurolytischen Blockade (mit Alkohol) hält die Wirkung länger an, bei reiner Lokalanästhesie ist sie naturgemäss kürzer.

Das ist das Ziel. In einer Auswertung randomisierter Studien war der Opioidbedarf nach Zöliakalplexusblockade insgesamt geringer als unter Schmerzmitteln allein – was Nebenwirkungen wie Benommenheit, Übelkeit und Verstopfung verringern kann.

Unmittelbar nach der Blockade können Schmerzen an der Einstichstelle oder im Rücken, ein vorübergehender Blutdruckabfall (Orthostase), ein Wärmegefühl im Oberbauch und Durchfall für 1–2 Tage auftreten. Das sind bekannte und normale Reaktionen auf die Blockade des Zöliakalplexus.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

  • Starkem Schwindel, Ohnmacht oder sehr niedrigem Blutdruck
  • Neu aufgetretener Schwäche der Beine oder Taubheitsgefühl (sehr selten; Anzeichen einer Rückenmarksbeteiligung)
  • Fieber über 38,5 °C
Wissenschaftliche Referenzen
  1. Metaanalyse Eisenberg E, Carr DB, Chalmers TC. Neurolytic celiac plexus block for treatment of cancer pain: a meta-analysis. Anesth Analg. 1995;80(2):290–295. DOI ↗
  2. Randomisierte Studie Wong GY, Schroeder DR, Carns PE, et al. Effect of neurolytic celiac plexus block on pain relief, quality of life, and survival in patients with unresectable pancreatic cancer: a randomized controlled trial. JAMA. 2004;291(9):1092–1099. PubMed ↗
  3. Systematische Übersicht Arcidiacono PG, Calori G, Carrara S, et al. Celiac plexus block for pancreatic cancer pain in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2011;(3):CD007519. PubMed ↗
  4. Metaanalyse Okita M, Otani K, Gibo N, et al. Systematic review and meta-analysis of celiac plexus neurolysis for abdominal pain associated with unresectable pancreatic cancer. Pain Pract. 2022;22(7):652–661. PubMed ↗

Literatur geprüft im Oktober 2026

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