Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026
Kurz beantwortet
Bei der fokalen Therapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms wird nur der Tumor behandelt, nicht die gesamte Prostata. Die IRZ in Zürich setzt dafür die Cryoablation ein, bei der feine Sonden das Tumorgewebe mit Temperaturen unter −120 °C zerstören, sowie die irreversible Elektroporation (IRE, NanoKnife) mit elektrischen Feldern. Ziel ist es, den Krebs zu bekämpfen und Kontinenz und Potenz so weit wie möglich zu erhalten.
Eine Prostatakrebsdiagnose bedeutet nicht automatisch eine radikale Prostatektomie mit den bekannten Risiken für Inkontinenz und Erektionsstörungen.
Für ausgewählte Patienten mit lokal begrenztem Prostatakarzinom bietet die fokale Therapie eine präzise, minimal-invasive Alternative: die Cryoablation oder IRE nur des Tumors, nicht der ganzen Prostata.
Auf einen Blick
Was ist fokale Therapie?
Nur der Tumor wird behandelt
Fokale Therapie bedeutet: Nur der Tumor wird behandelt, nicht die gesamte Prostata. Ziel ist es, den Krebs zu bekämpfen und gleichzeitig die für die Lebensqualität entscheidenden Funktionen (Kontinenz, Potenz) so weit wie möglich zu erhalten. Voraussetzung sind ein sorgfältig durchgeführtes multiparametrisches MRI der Prostata und eine Zielbiopsie zur genauen Lokalisierung.
Welche Verfahren kommen zum Einsatz?
Cryoablation und IRE
Wie läuft die fokale Therapie ab?
Vorbereitung, Eingriff und Nachsorge
Was sagt die Wissenschaft?
Evidenzbasierte Ergebnisse
Die fokale Therapie ist in zahlreichen prospektiven Studien untersucht; die Ergebnisse reichen bisher überwiegend über die ersten 2 Jahre nach der Behandlung. Die wichtigsten Ergebnisse:
81 %
Zwei Jahre nach einer fokalen Therapie waren 81 % der Männer frei von einem per Biopsie nachgewiesenen Rückfall eines klinisch relevanten Prostatakarzinoms (Metaanalyse von 50 prospektiven Studien mit 4'615 Patienten; Ślusarczyk et al., 2025).
82 %
82 % der Männer kamen in den ersten 5 Jahren nach der fokalen Therapie ohne radikale Operation, Bestrahlung oder systemische Therapie aus (gleiche Metaanalyse).
3 %
Der Anteil der Männer, die wegen Inkontinenz Vorlagen brauchten, nahm nach der fokalen Therapie im Durchschnitt um 3 % zu; eine neue Erektionsstörung trat bei 11 % auf (gleiche Metaanalyse).
Die PRESERVE-Studie (George et al., 2026) ist eine prospektive Zulassungsstudie zur IRE (NanoKnife) an der Prostata aus den USA, ohne Vergleichsgruppe. Behandelt wurden 121 Männer mit Prostatakarzinom intermediären Risikos (ISUP-Grad 2 oder 3). Zwölf Monate danach fand sich in der Kontrollbiopsie im behandelten Bereich bei 71 % kein Tumor mehr; nach dem international vereinbarten Konsens-Kriterium (Delphi) war die Biopsie bei 84 % negativ. 84 % der Männer mit vorher guter Sexualfunktion hatten weiterhin für Geschlechtsverkehr ausreichende Erektionen; bei 12 % traten Nebenwirkungen des Schweregrads 3 oder höher auf.
- Rückfälle: In einer weiteren Metaanalyse fand sich in Kontrollbiopsien innerhalb von 2 Jahren nach fokaler Therapie bei 22,2 % erneut ein klinisch relevanter Krebs, bei 8,9 % im behandelten Bereich und bei 12,3 % in anderen Teilen der Prostata; zwischen Cryoablation, IRE und weiteren etablierten Verfahren zeigten sich keine Unterschiede (Tay et al., 2025).
- Cryoablation: In einer kleinen Phase-II-Studie mit Kontrollbiopsie bei allen Patienten waren Harn- und Sexualfunktion nach fokaler Cryoablation vorübergehend schlechter und nach 3 Monaten wieder erholt; nach 12 Monaten fand sich bei 78,6 % kein klinisch relevanter Krebs (Tan et al., 2023).
Häufige Fragen zur fokalen Therapie bei Prostatakrebs
FAQ
Ja – die fokale Therapie. Bei lokalisiertem Prostatakarzinom mit niedrigem bis intermediärem Risiko können Verfahren wie die Cryoablation oder die irreversible Elektroporation (IRE/NanoKnife) gezielt den Tumorherd zerstören, ohne die gesamte Prostata zu entfernen. Der Vorteil: nach bisherigen Studien ein deutlich geringeres Risiko für Inkontinenz und Erektionsstörungen als nach einer radikalen Operation. Dafür kann im behandelten oder übrigen Prostatagewebe erneut Krebs auftreten, sodass eine engmaschige Nachsorge und teilweise eine erneute Behandlung nötig sind.
Active Surveillance (aktive Überwachung) ist bei Niedrigrisiko-Karzinomen der Standard. Allerdings zeigen Langzeitstudien, dass nach 10–15 Jahren rund ein Drittel bis die Hälfte der Patienten doch eine aktive Behandlung erhalten hat. Die fokale Therapie bietet einen Mittelweg: gezielte Behandlung des Tumorherdes mit deutlich weniger Nebenwirkungen als eine Ganzdrüsenbehandlung – und ein klares therapeutisches Signal für Patienten, die mit dem Konzept «Krebs beobachten» nicht leben möchten.
Für Patienten mit lokal begrenztem, einseitigem (unilateralem) Prostatakarzinom, meist mit niedrigem bis intermediärem Risiko nach ISUP-Grad, das im MRI klar lokalisierbar ist und keine Fernmetastasen aufweist. Eine Abklärung im Tumorboard und eine urologische Mitbeurteilung sind erforderlich.
Das ist das Ziel der fokalen Therapie. Da nur der Tumorherd und nicht die gesamte Prostata behandelt wird, werden die Nervenbündel für die Potenz und die Mechanismen für die Kontinenz in vielen Fällen geschont. Die Ergebnisse hängen jedoch von der genauen Tumorlage ab.
Bei Lokalrezidiv nach fokaler Therapie bleiben die anderen Therapieoptionen in der Regel möglich: erneute fokale Ablation, radikale Prostatektomie, Strahlentherapie oder Systemtherapie. Die fokale Therapie «verbrennt» somit meist keine Brücken.
Nach einer fokalen Cryoablation der Prostata sind vorübergehende Schwellungen, erschwertes Wasserlassen und leichtes Brennen für einige Tage normal. Ein Katheter wird meist für 1–2 Wochen belassen.
Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:
- Vollständigem Harnverhalt (kein Urin möglich, obwohl der Katheter gezogen wurde)
- Fieber über 38,5 °C
- Starker Blutung im Urin (nicht nur leichte Spuren)
- Zeichen einer Verletzung des Enddarms (z. B. Luft oder Stuhl im Urin) oder einer Inkontinenz (sehr selten)
Wissenschaftliche Referenzen
- Systematische Übersicht Valerio M, Ahmed HU, Emberton M, et al. The Role of Focal Therapy in the Management of Localised Prostate Cancer: A Systematic Review. Eur Urol. 2014;66(4):732–751. PubMed ↗
- Übersichtsarbeit Lepor H, Gold S, Wysock J. Focal Ablation of Prostate Cancer. Rev Urol. 2018;20(4):145–157. PubMed ↗
- Fallserie van den Bos W, Scheltema MJ, Siriwardana AR, et al. Focal irreversible electroporation as primary treatment for localized prostate cancer. BJU Int. 2018;121(5):716–724. PubMed ↗
- Metaanalyse Ślusarczyk A, Gurwin A, Barnaś A, et al. Outcomes of focal therapy for localized prostate cancer: a systematic review and meta-analysis of prospective studies. Eur Urol Oncol. 2025;8(6):1653–1672. PubMed ↗
- Prospektive Studie George AK, Miocinovic R, Patel AR, et al. Irreversible electroporation for prostate tissue ablation in patients with intermediate-risk prostate cancer: results from the PRESERVE trial. Eur Urol. 2026;89(1):57–68. PubMed ↗
- Metaanalyse Tay KJ, Fong KY, Stabile A, et al. Established focal therapy – HIFU, IRE, or cryotherapy – where are we now? A systematic review and meta-analysis. Prostate Cancer Prostatic Dis. 2025;28(3):693–706. PubMed ↗
- Prospektive Studie Tan YG, Law YM, Ngo NT, et al. Patient-reported functional outcomes and oncological control after primary focal cryotherapy for clinically significant prostate cancer: a phase II mandatory biopsy-monitored study. Prostate. 2023;83(8):781–791. PubMed ↗
Literatur geprüft im Oktober 2026
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Indikation
Lokal begrenztes, einseitiges Prostatakarzinom, meist mit niedrigem bis intermediärem Risiko (ISUP), im MRI klar lokalisierbar und ohne Fernmetastasen; Abklärung im Tumorboard mit urologischer Mitbeurteilung.
Hilfreiche Unterlagen
Multiparametrisches MRI der Prostata, Histologie der Zielbiopsie, aktueller PSA-Wert sowie urologische Vorbefunde.
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