Vergrösserte Prostata (BPH): Ohne Operation behandeln – PAE und Cryoablation in Zürich

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026

Kurz beantwortet

Die Prostataarterienembolisation (PAE), auch Prostataembolisation genannt, behandelt die vergrösserte Prostata (BPH) ohne Operation: Über einen dünnen Katheter wird die Blutversorgung der vergrösserten Prostataanteile gezielt unterbrochen. Das Gewebe schrumpft, und der Druck auf die Harnröhre nimmt ab. Der Eingriff erfolgt ohne Vollnarkose; seine Wirksamkeit ist durch grosse internationale Studien belegt.

Dreimal pro Nacht aufstehen. Ein schwacher Harnstrahl, der endlos braucht. Das Gefühl, nie wirklich fertig zu sein. Die vergrösserte Prostata ist eine der häufigsten Erkrankungen älterer Männer. Und doch wird sie oft viel zu lange ertragen, weil die bekannten Behandlungen entweder Medikamente mit unangenehmen Nebenwirkungen sind oder eine Operation, die Risiken für die Sexualfunktion birgt.

Die Prostataarterienembolisation (PAE) bietet einen dritten Weg: keine Operation, keine Vollnarkose, kein Katheter für Wochen – und eine Wirksamkeit, die durch grosse internationale Studien belegt ist.

Weniger bekannt ist die Cryoablation der Prostata, die international auf immer mehr Interesse stösst.

Auf einen Blick

Verfahren

Prostataarterienembolisation (PAE) über einen dünnen Katheter, Zugang am Handgelenk oder in der Leiste

Betäubung

Örtliche Betäubung und leichte Sedierung, keine Vollnarkose

Dauer

1,5–2 Stunden

Aufenthalt

Ambulant möglich; viele Patienten bleiben eine Nacht

Erholung

Die meisten Patienten sind nach 3–7 Tagen wieder arbeitsfähig

Wirkung

Erste Besserung meist nach 4–6 Wochen, optimales Ergebnis nach 3–6 Monaten

Was ist die benigne Prostatahyperplasie (BPH)?

Symptome erkennen

Die BPH – die gutartige Vergrösserung der Prostata – ist feingeweblich bei etwa 50 % der Männer über 60 und bei 80 % und mehr der Männer über 80 nachweisbar; Beschwerden hat davon nur ein Teil. Die Prostata wächst, umschliesst die Harnröhre und engt sie ein. Die Folge: Das Wasserlassen wird beschwerlich.

Typische Beschwerden:

Häufiger, plötzlicher Harndrang, auch nachts (Nykturie)

Schwacher, zögernder oder unterbrochener Harnstrahl

Das Gefühl, die Blase nie vollständig leeren zu können

Tröpfeln nach dem Wasserlassen

In schweren Fällen: vollständiger Harnverhalt (Notfall)

Wie funktioniert die Prostataarterienembolisation (PAE)?

Prinzip und Ablauf

Die PAE unterbricht gezielt die Blutversorgung der vergrösserten Prostataanteile. Ohne Blutversorgung schrumpft das Gewebe auf natürliche Weise, und mit ihm der Druck auf die Harnröhre.

Ablauf Schritt für Schritt

Vor dem Eingriff

Eine urologische Vorabklärung (IPSS-Score, Harnflussrate, PSA, Restharnmessung, ggf. MRI der Prostata) wird empfohlen und liegt in den meisten Fällen bereits vor. Sie sollten nüchtern erscheinen (mindestens 6 Stunden vor dem Eingriff).

Der Eingriff

Unter örtlicher Betäubung und leichter Sedierung wird über eine kleine Punktion am Handgelenk oder in der Leiste ein dünner Katheter in die Prostataschlagadern (Prostataarterien) eingeführt. Unter Röntgenkontrolle (Angiographie) werden winzige Mikropartikel oder medizinischer Leim injiziert, die den Blutfluss zur vergrösserten Prostata gezielt unterbrechen.

Dauer

1,5–2 Stunden.

Ambulant oder stationär?

Die PAE ist ambulant möglich. Viele Patienten bleiben jedoch eine Nacht, da die Beschwerden in der ersten Nacht nach dem Eingriff am grössten sind. Bei schwererem Harnverhalt oder bei sehr grosser Prostata ist dies häufiger sinnvoll.

Nach dem Eingriff

Leichte Unterleibsbeschwerden und eventuell kurzfristig leichtes Brennen beim Wasserlassen für einige Tage. Die meisten Patienten sind nach 3–7 Tagen wieder arbeitsfähig.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt mit allen spezifischen Anweisungen.

Cryoablation der Prostata

Gezielte Vereisung von Prostatagewebe

Bei ausgewählten Patienten – etwa wenn die PAE nicht ausreichend wirkt oder technisch nicht möglich ist – kann ergänzend eine Cryoablation (gezielte Vereisung von Prostatagewebe auf unter −120 °C, unter bildgebender Kontrolle) erwogen werden; für die gutartige Prostatavergrösserung liegen dazu bisher nur erste kleine Studien vor. Beim lokal begrenzten Prostatakarzinom wird die Cryoablation als fokale Therapie eingesetzt. Wir besprechen im individuellen Beratungsgespräch, welche Methode für Ihre Situation die sinnvollste ist.

Was sagt die Wissenschaft?

Evidenzbasierte Ergebnisse

Die wichtigsten Studienergebnisse im Überblick:

23 → 7

In einer Studie der Universität Miami mit 1'075 Patienten (Bhatia et al., JVIR 2025) sank der IPSS-Symptom-Score von median 23 vor dem Eingriff auf 7 nach 1–3 Monaten: eine dramatische Verbesserung.

94 %

94 % der Patienten, die vor dem Eingriff einen Dauerkatheter trugen, waren nach 3 Monaten katheterfrei (gleiche Studie).

65,5 %

65,5 % der Patienten benötigten nach einem Jahr keine Prostatamedikamente mehr (gleiche Studie).

  • Der PARTEM-Trial (Sapoval et al., Lancet Reg Health Eur 2023): Bei Patienten, denen ein Alphablocker allein nicht ausreichend half, ist die PAE der kombinierten Medikamententherapie überlegen und zeigte zusätzliche Vorteile für die Sexualfunktion.
  • Leitlinie der American Urological Association (AUA): Die PAE ist seit 2023 in den aktualisierten Leitlinien als anerkannte Therapieoption aufgeführt.

Für wen ist die PAE geeignet?

Und für wen nicht

Geeignet
  • Männer mit mittel- bis schwergradigen BPH-Symptomen (IPSS > 12)
  • Patienten, bei denen Medikamente nicht wirken, nicht vertragen werden oder abgelehnt werden
  • Patienten, die eine Operation ablehnen oder ein erhöhtes Operationsrisiko haben
  • Auch bei sehr grossen Prostatavolumina (> 100 g) anwendbar
Nicht oder eingeschränkt geeignet
  • Prostatakarzinom (hier andere Therapieplanung; Cryoablation und IRE werden gesondert besprochen)
  • Gefässanatomie, die eine Katheternavigation zu den Prostataarterien nicht zulässt (selten)
  • Nicht beherrschbare Kontrastmittelallergie

Häufige Fragen zur vergrösserten Prostata und zur PAE

FAQ

Ja. Die Prostataarterienembolisation (PAE) erzielt in Studien ähnliche Verbesserungen der Symptome (IPSS) wie die TURP – jedoch ohne Vollnarkose, ohne Katheter nach dem Eingriff (in den meisten Fällen), mit weniger Komplikationen, einem deutlich geringeren Risiko für Ejakulationsstörungen und ohne relevantes Inkontinenzrisiko. Die PAE eignet sich zudem gut für grosse Prostatavolumina (> 80 ml) und für Patienten mit hohem Operationsrisiko.

HoLEP ist ein etabliertes chirurgisches Verfahren, das unabhängig von der Prostatagrösse eingesetzt werden kann, und zeigt eine stärkere Verbesserung des maximalen Harnflusses (Qmax). Die PAE erreichte in einer ersten Vergleichsstudie ähnliche Verbesserungen bei Symptomscores (IPSS) und Lebensqualität, hat aber ein günstigeres Nebenwirkungsprofil: seltener Ejakulationsstörungen, kein relevantes Inkontinenzrisiko, oftmals kein Spitalaufenthalt. Für Patienten, die Wert auf den Erhalt der Sexualfunktion legen oder eine Narkose vermeiden möchten, ist die PAE eine starke Option.

Nicht unbedingt. Medikamente (Alphablocker, 5-Alpha-Reduktase-Hemmer) lindern die Symptome, beseitigen aber nicht die Ursache. Der PARTEM-Trial zeigte bei Patienten, denen ein Alphablocker allein nicht ausreichend half, dass die PAE der kombinierten medikamentösen Therapie überlegen ist. In einer grossen Studie benötigten nach PAE über 65 % der Patienten nach einem Jahr keine Prostatamedikamente mehr.

Meist nach 4–6 Wochen: Dann treten die ersten spürbaren Verbesserungen auf, etwa weniger Harndrang und ein besserer Harnstrahl. Die Prostata schrumpft graduell; das optimale Ergebnis wird nach 3–6 Monaten erreicht, wenn das Prostatagewebe vollständig auf den Eingriff reagiert hat.

In der Regel nicht – in mehreren grossen Studien hat die PAE die Erektionsfähigkeit nicht verschlechtert. Eine verminderte Samenmenge beim Samenerguss ist möglich, eine retrograde Ejakulation ist selten. Im Vergleich zur klassischen transurethralen Resektion der Prostata (TURP), nach der die Mehrheit der Männer eine Ejakulationsstörung (meist eine retrograde Ejakulation) hat, ist die PAE deutlich schonender für die Sexualfunktion. Selten sind Erektionsstörungen nach unbeabsichtigter Embolisation von Penisarterien beschrieben; eine sorgfältige Gefässdarstellung während des Eingriffs hilft, dies zu vermeiden.

Wenn ein Patient initial von der PAE profitiert hat, also eine Verbesserung spürte, der Effekt aber nach Monaten oder Jahren nachlässt, kann die Embolisation gut wiederholt werden. Bei Patienten, die bereits initial nicht auf die PAE ansprechen (sogenannte Non-Responder), bringt eine Wiederholung in der Regel wenig. In diesem Fall besprechen wir gemeinsam mit Ihrer Urologin oder Ihrem Urologen alternative Therapien.

Ja. Die PAE ist auch bei grossen Prostatavolumina (> 100 g) wirksam und sicher. In der Studie von Bhatia et al. (2025) mit 1'075 Patienten lag das mediane Prostatavolumen bei 107 g; die PAE zeigte auch in dieser Gruppe signifikante, anhaltende Verbesserungen.

In der Regel nicht. Patienten ohne Harnverhalt vor der PAE können direkt nach dem Eingriff normal Wasser lassen. Wenn Sie vor dem Eingriff bereits einen Dauerkatheter tragen (Harnverhalt), wird meist nach 2–3 Wochen ein erster Auslassversuch gemacht, wenn die Prostata zu schrumpfen begonnen hat; die Mehrheit der Patienten ist nach spätestens 3 Monaten katheterfrei.

Die PAE unterbricht die Blutversorgung der vergrösserten Prostata über den Katheter: Das Gewebe stirbt durch Sauerstoffmangel ab und schrumpft. Die Cryoablation hingegen zerstört das Gewebe direkt durch gezielte Vereisung auf unter −120 °C. Beide Verfahren sind minimal-invasiv; für die gutartige Prostatavergrösserung ist die PAE jedoch deutlich besser untersucht. Welches für Sie geeignet ist, besprechen wir anhand Ihrer Anatomie und Ihres Krankheitsbildes.

Ja, eine urologische Vorabklärung (inklusive Harnflussrate, Restharnmessung, PSA und ggf. MRI der Prostata) wird empfohlen. In den meisten Fällen liegt diese Abklärung bereits vor. Wir arbeiten eng mit Urologinnen und Urologen zusammen und koordinieren uns gerne direkt mit Ihrem Behandlungsteam.

Ja. Nach dem Eingriff verschreiben wir Ihnen Schmerz- und Entzündungshemmer für einige Tage sowie ein Antibiotikum als Prophylaxe. Alphablocker (Prostatamedikamente) werden je nach Verlauf schrittweise ausgeschlichen; in einer grossen Studie benötigten 65 % der Patienten nach einem Jahr keine Prostatamedikamente mehr.

In den ersten Tagen nach der PAE kann das sogenannte Post-PAE-Syndrom auftreten: Unterbauchschmerzen, häufigeres Wasserlassen, eventuell Brennen und leichtes Fieber. Das ist normal und Teil der Heilungsreaktion der Prostata.

Normal und zu erwarten:

  • Schmerzen im Unterbauch und in der Beckengegend für 2–5 Tage
  • Vorübergehend häufigeres oder erschwertes Wasserlassen (kann sich initial kurz verschlechtern)
  • Leichtes Fieber bis 38,5 °C in den ersten 24–48 Stunden
  • Leichte Blutspuren im Urin oder Stuhl für einige Tage (normal)

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

  • Vollständigem Harnverhalt (Sie können überhaupt nicht mehr Wasser lassen) – sofort melden
  • Fieber über 38,5 °C, das nach 48 Stunden nicht sinkt
  • Starken, unkontrollierbaren Blutungen im Urin (nicht nur leichte Spuren)
  • Starker Schwellung oder Eiter an der Einstichstelle (Leiste oder Handgelenk)
  • Plötzlichen starken Schmerzen im Hodensack (selten, aber sofort melden)
Wissenschaftliche Referenzen
  1. Retrospektive Studie Bhatia S, Bhatia A, Richardson AJ, et al. Prostatic Artery Embolization: Mid- to Long-Term Outcomes in 1,075 Patients. J Vasc Interv Radiol. 2025;36(3):456–466. PubMed ↗
  2. Randomisierte Studie Sapoval M, Thiounn N, Descazeaud A, et al. Prostatic artery embolisation versus medical treatment in patients with benign prostatic hyperplasia (PARTEM): a randomised, multicentre, open-label, phase 3, superiority trial. Lancet Reg Health Eur. 2023;31:100672. PubMed ↗
  3. Prospektive Studie Sapoval MR, Bhatia S, Déan C, et al. Two-Year Outcomes of Prostatic Artery Embolization for Symptomatic Benign Prostatic Hyperplasia: An International, Multicenter, Prospective Study. Cardiovasc Intervent Radiol. 2024;47(11):1515–1524. PubMed ↗
  4. Leitlinie Sandhu JS, Bixler BR, Dahm P, et al. Management of Lower Urinary Tract Symptoms Attributed to Benign Prostatic Hyperplasia (BPH): AUA Guideline Amendment 2023. J Urol. 2024;211(1):11–19. PubMed ↗
  5. Konsensuspapier McWilliams JP, Bilhim TA, Carnevale FC, et al. Society of Interventional Radiology Multisociety Consensus Position Statement on Prostatic Artery Embolization for Treatment of Lower Urinary Tract Symptoms Attributed to Benign Prostatic Hyperplasia. J Vasc Interv Radiol. 2019;30(5):627–637.e1. PubMed ↗
  6. Retrospektive Studie Costa NV, Torres D, Pisco J, et al. Repeat Prostatic Artery Embolization for Patients with Benign Prostatic Hyperplasia. J Vasc Interv Radiol. 2020;31(8):1272–1280. PubMed ↗
  7. Prospektive Studie Bhatia S, Bhatia A, Richardson A, et al. Prospective, non-randomized, controlled investigation of prostate artery embolization compared to holmium laser enucleation of prostate for the treatment of symptomatic benign prostatic hyperplasia with prostate volume 80–250 cc: the HOPE trial outcome at 1 year. World J Urol. 2026;44(1):87. PubMed ↗
  8. Übersichtsarbeit Berry SJ, Coffey DS, Walsh PC, Ewing LL. The development of human benign prostatic hyperplasia with age. J Urol. 1984;132(3):474–479. PubMed ↗

Literatur geprüft im Oktober 2026

Ihr Weg zu uns

In vier Schritten

Anfrage

Online, per Telefon oder über Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Wir melden uns innert eines Werktages.

Abklärung & Beratung

Wir sichten Ihre Befunde und Bilder und besprechen mit Ihnen, welche Behandlung passt.

Eingriff

Ambulant am INURAD oder stationär an der Klinik Hirslanden – je nach Eingriff.

Nachsorge

Kontrolltermine und ein Bericht an Ihre zuweisende Ärztin oder Ihren zuweisenden Arzt.

Möchten Sie wissen, ob dieser Eingriff für Sie geeignet ist?

Wir beraten Sie persönlich, diskret und unverbindlich. Vereinbaren Sie jetzt Ihr Beratungsgespräch.

+41 44 387 25 84 · irz@hirslanden.ch

Für zuweisende Ärztinnen und Ärzte

Hier behandeln wir Sie

Standorte & Öffnungszeiten

INURAD

Sprechstunde & ambulante Eingriffe

Hohlstrasse 532
8048 Zürich

Mo–Fr 07:30–20:00

Klinik Hirslanden

Stationäre Eingriffe

Witellikerstrasse 40
8032 Zürich

Mo–Fr 08:30–16:00

Verwandte Behandlungen

Das könnte Sie auch interessieren

Prostatakarzinom

Fokale Therapie bei lokal begrenztem Prostatakrebs: Cryoablation und IRE

Erektile Dysfunktion

Vaskulär bedingte Erektionsstörung: Angioplastie und Venenverschluss per Katheter

Varikozele

Varikozele ohne Operation behandeln: Embolisation, ambulant und ohne Schnitt