Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026
Kurz beantwortet
Bei einer vaskulär bedingten Erektionsstörung liegt die Ursache in den Gefässen: Verengte Arterien lassen zu wenig Blut in die Schwellkörper des Penis fliessen, oder undichte Venen leiten es zu schnell ab (venöses Leck). Die IRZ in Zürich weitet verengte Arterien mit einer Ballonangioplastie auf und verschliesst undichte Venen gezielt per Katheter, oftmals ambulant und unter örtlicher Betäubung.
Die erektile Dysfunktion (Erektionsstörung) betrifft Millionen von Männern weltweit und ist ein Thema, über das noch immer viel zu selten offen gesprochen wird. In vielen Fällen steckt dahinter eine körperliche Ursache, die behandelt werden kann. Insbesondere wenn Medikamente wie PDE5-Hemmer (Sildenafil, Tadalafil) nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden, lohnt es sich, nach einer vaskulären Ursache zu suchen.
Wenn das Problem in den Gefässen liegt, also bei zu engen Penisgefässen oder undichten Venen, kann die Interventionelle Radiologie gezielt helfen.
Auf einen Blick
Was ist eine vaskuläre erektile Dysfunktion?
Zwei mögliche Ursachen
Eine Erektion entsteht, wenn ausreichend Blut in die Schwellkörper des Penis fliesst und dort gehalten wird. Funktioniert dieses System nicht, gibt es zwei mögliche Ursachen:
Welche Behandlungen bietet die Interventionelle Radiologie?
Arterien aufdehnen, undichte Venen verschliessen
Arteriogene ED: Angioplastie der Penisgefässe
Bei nachgewiesener arterieller Minderdurchblutung können die verengten Arterien durch eine Ballonangioplastie aufgedehnt werden, ähnlich wie bei einer Herzkatheterdehnung. Unter Bildkontrolle wird ein Katheter durch die Leiste bis zu den Penisgefässen geführt; ein kleiner Ballon weitet die Engstelle auf, oftmals wird ein Stent eingesetzt. Ziel ist eine bessere Durchblutung der Schwellkörper.
Venöses Leck: kathetergesteuerter Venenverschluss
Beim venösen Leck wird das Blut aus den Schwellkörpern zu schnell abgeleitet. Durch einen gezielten, kathetergesteuerten Verschluss der undichten Venen kann dieser vorzeitige Abfluss vermindert werden. Das Ziel: länger anhaltende Erektionen.
Wie läuft die Behandlung ab?
Von der Abklärung bis zur Nachsorge
Für wen ist die Behandlung geeignet?
Und für wen nicht
- Männer mit gesicherter vaskulärer Ursache der ED (arteriell oder venös)
- Männer, bei denen PDE5-Hemmer nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden
- Nach Ausschluss psychogener, hormoneller und neurologischer Ursachen
- Erektile Dysfunktion psychogener oder neurologischer Ursache
- Hormonelle Ursachen (Testosteronmangel: zuerst behandeln)
- Schwere Begleiterkrankungen, die einen Kathetereingriff ausschliessen
Häufige Fragen zur vaskulären Erektionsstörung
FAQ
Ja. Bei einem Teil der Männer, die nicht auf PDE5-Hemmer (Sildenafil, Tadalafil) ansprechen, lassen sich Engstellen der Becken- oder Penisarterien nachweisen. In diesen Fällen kann eine endovaskuläre Revaskularisation (Ballondilatation, Stent) die Erektionsfähigkeit deutlich verbessern – ohne Penisprothese.
Nein. Zwischen Medikamenten und Penisprothese gibt es die endovaskuläre Therapie: Angioplastie der Pudendalarterien und/oder venöse Embolisation bei venösem Leck. Aktuelle Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse bei sorgfältig ausgewählten Patienten mit vaskulär bedingter ED. Die Penisprothese bleibt eine Option, aber nicht die einzige.
Durch einen spezifischen Duplex-Ultraschall der Penisgefässe unter Erektion (nach Injektion eines gefässerweiternden Medikaments, z. B. Alprostadil, in den Schwellkörper). Dabei wird die Durchblutung der Schwellkörperarterien gemessen (Peak Systolic Velocity) und beurteilt, ob das Blut zu schnell abfliesst (venöses Leck). Diese Abklärung führen wir in enger Kooperation mit der Urologie durch.
Die bisherigen Studien zeigen eine gute initiale Erfolgsrate. Im Verlauf nehmen die Ergebnisse bei einem Teil der Patienten wieder ab. Solche «Rezidive» sind bei vaskulären Erkrankungen nicht ungewöhnlich, da die zugrunde liegenden Gefässveränderungen fortschreiten können. Eine Wiederholung des Eingriffs oder ergänzende Medikamente können in diesen Fällen diskutiert werden.
Das hängt von einer sorgfältigen Abklärung ab. Kandidaten sind Männer mit nachgewiesener vaskulärer ED (arteriell oder venös), bei denen andere Ursachen (Psyche, Hormone, Nerven) ausgeschlossen wurden. Die Abklärung dauert in der Regel eine Sprechstunde plus Ultraschall.
Ja, die interventionelle Behandlung kann parallel zu PDE5-Hemmern oder nach deren Versagen eingesetzt werden. Die Medikamente wirken über einen anderen Mechanismus und schliessen den Eingriff nicht aus.
Bei arterieller ED werden die verengten Penisgefässe durch eine Ballonangioplastie aufgedehnt, damit mehr Blut einfliessen kann. Bei venöser ED werden die undichten Venen durch einen kathetergesteuerten Verschluss abgedichtet, damit das Blut länger in den Schwellkörpern verbleibt. Beide Eingriffe sind minimal-invasiv, aber technisch unterschiedlich.
Wie bei allen minimal-invasiven Katheterverfahren sind lokale Komplikationen (Bluterguss an der Einstichstelle) möglich, aber selten. Schwerwiegende Komplikationen sind selten (in einer Übersichtsarbeit bei etwa 1–2,5 % der Behandelten). Wir erläutern alle relevanten Risiken ausführlich im Aufklärungsgespräch.
Nach der Angioplastie oder dem venösen Verschluss ist ein leichter Druck an der Einstichstelle (Leiste bzw. Penis) für 1–2 Tage normal. Wichtig ist körperliche Schonung für 24–48 Stunden.
Normal und zu erwarten:
- Leichter Druckschmerz an der Einstichstelle (Leiste bzw. Penis) für 1–2 Tage
- Kleiner Bluterguss an der Einstichstelle
Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:
- Starker, rasch zunehmender Schwellung im Leistenbereich (mögliches Hämatom)
- Plötzlichen starken Schmerzen im Becken oder in den Beinen
- Fieber, Rötung oder Eiter an der Einstichstelle
Wissenschaftliche Referenzen
- Übersichtsarbeit Spiliopoulos S, Shaida N, Katsanos K, Krokidis M. The Role of Interventional Radiology in the Diagnosis and Management of Male Impotence. Cardiovasc Intervent Radiol. 2013;36(5):1204–1212. PubMed ↗
- Metaanalyse Doppalapudi SK, Wajswol E, Shukla PA, et al. Endovascular Therapy for Vasculogenic Erectile Dysfunction: A Systematic Review and Meta-Analysis of Arterial and Venous Therapies. J Vasc Interv Radiol. 2019;30(8):1251–1258.e2. PubMed ↗
- Prospektive Studie Wang TD, Lee WJ, Yang SC, et al. Safety and six-month durability of angioplasty for isolated penile artery stenoses in patients with erectile dysfunction: a first-in-man study. EuroIntervention. 2014;10(1):147–156. PubMed ↗
- Übersichtsarbeit Dean RC, Lue TF. Physiology of Penile Erection and Pathophysiology of Erectile Dysfunction. Urol Clin North Am. 2005;32(4):379–395. PubMed ↗
- Fallserie Diehm N, Hirschle D, Kalka C, et al. Venous Leak Embolization Results in Clinical Improvement of Patients with Mixed Arterio-Venous Erectile Dysfunction Not Responding to Arterial Revascularization Alone. Cardiovasc Intervent Radiol. 2025;48(2):184–193. DOI ↗
Literatur geprüft im Oktober 2026
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Indikation
Erektile Dysfunktion mit Verdacht auf oder Nachweis einer vaskulären Ursache (arteriell oder venös), besonders wenn PDE5-Hemmer nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden; psychogene, hormonelle und neurologische Ursachen sollten abgeklärt sein.
Hilfreiche Unterlagen
Urologische Vorbefunde inklusive Hormonstatus (Testosteron); falls vorhanden ein Duplex-Ultraschall der Penisgefässe.
So weisen Sie zu
Zuweisungsformular per E-Mail an irz@hirslanden.ch oder Anruf unter +41 44 387 25 84. Wir melden uns innert eines Werktages und senden Ihnen nach dem Eingriff einen Bericht.
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