Tennis- und Golferellenbogen: Ohne Operation behandeln – Ellenbogenembolisation in Zürich

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026

Kurz beantwortet

Tennisellenbogen (laterale Epicondylitis) und Golferellenbogen (mediale Epicondylitis) sind Überlastungsschäden der Sehnenansätze am äusseren bzw. inneren Ellenbogen. Bei der Ellenbogenembolisation werden über einen dünnen Katheter gezielt krankhaft neu gebildete Blutgefässe am Sehnenansatz verschlossen, unter örtlicher Betäubung und ohne Vollnarkose. Sie kommt in Frage, wenn die Beschwerden trotz konservativer Therapie nicht abheilen.

Schmerzen beim Händeschütteln. Beim Heben des Kaffeebechers. Beim Tippen. Der Tennisellenbogen – obwohl er seinen Namen vom Sport hat – trifft vor allem Menschen, die nicht Tennis spielen: Handwerker, Büroangestellte, Eltern. Und er ist hartnäckig: Viele Betroffene leiden monate- oder jahrelang, trotz Physiotherapie, Ultraschall, Stosswellentherapie und Kortison.

Für genau diese Patienten bietet die Ellenbogenembolisation eine neue Option.

Auf einen Blick

Verfahren

Ellenbogenembolisation über einen dünnen Katheter, Zugang über die Leiste oder das Handgelenk

Betäubung

Lokalanästhesie, keine Allgemeinnarkose

Dauer

30–50 Minuten

Aufenthalt

Ambulant oder kurzstationär

Erholung

Arm 2–3 Tage schonen, dann schrittweise Alltagsbelastung; Physiotherapie (exzentrisches Training) ab Woche 3

Was ist eine Epicondylitis?

Tennisellenbogen und Golferellenbogen

Laterale Epicondylitis (Tennisellenbogen)

Entzündung und Degeneration der Sehnenansätze der Unterarmstrecker am äusseren Ellenbogen (Epicondylus lateralis). Häufigste Form.

Mediale Epicondylitis (Golferellenbogen)

Gleicher Mechanismus, aber am inneren Ellenbogen (Epicondylus medialis); betroffen sind die Unterarmbeuger.

In beiden Fällen entsteht durch Überbelastung eine Mikrotraumatisierung des Sehnengewebes, die zu einer chronischen Sehnendegeneration (Tendinose) mit Reizzustand führt. In diesem veränderten Sehnengewebe bilden sich pathologische neue Blutgefässe, häufig mit einwachsenden Nervenfasern, die den Schmerz unterhalten können.

Wie funktioniert die Ellenbogenembolisation?

Gezielt am Sehnenansatz

Die Embolisation verschliesst gezielt die neu gebildeten, krankhaften Gefässe am Sehnenansatz. Die Entzündungsaktivität und die begleitende Schmerzwahrnehmung nehmen ab. Das Verfahren wird unter Röntgenkontrolle und unter örtlicher Betäubung durchgeführt.

Ablauf Schritt für Schritt

Diagnosebestätigung

Duplex-Ultraschall mit Farbdoppler des Sehnenansatzes. Die pathologische Neovaskularisierung zeigt sich als intensive Farbsignale im tendinösen Insertionsbereich – ein wichtiger Hinweis, dass eine Embolisation in Frage kommt.

Vorbereitung

Nüchternheit. Lokalanästhesie. Ambulant oder kurzstationär. Keine Allgemeinnarkose.

Zugang

Kleine Punktion in der Leisten- oder Handgelenksarterie. Der Katheter wird unter Röntgendurchleuchtung zu den kleinen Arterien am Ellenbogen navigiert, die den erkrankten Sehnenansatz versorgen.

Diagnostische Angiographie

Die Kontrastmittelinjektion zeigt die pathologischen Neugefässe als «Blush» am Epicondylus – präzise überlagernd mit der schmerzhaften Stelle aus der klinischen Untersuchung.

Superselektive Embolisation

Mit einem Mikrokatheter werden die zuführenden Arterienäste der erkrankten Sehneninsertion aufgesucht. Mikropartikel werden selektiv injiziert.

Sicherheitscheck

Die Abschlussangiographie bestätigt den selektiven Verschluss der Zielgefässe. A. radialis, A. ulnaris und die Hauptarterien des Arms bleiben vollständig offen.

Dauer

30–50 Minuten.

Nach dem Eingriff

Den Arm 2–3 Tage schonen, dann schrittweise Alltagsbelastung. Ergänzende Physiotherapie (exzentrisches Training) wird ab Woche 3 empfohlen.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Was sagt die Wissenschaft?

Evidenzbasierte Ergebnisse

Die wichtigsten Studienergebnisse im Überblick:

85,7 %

Bei 12 von 14 Eingriffen (85,7 %) besserten sich die Beschwerden deutlich (Lee JH et al., Cardiovasc Intervent Radiol, 2022).

7,6 → 0,9

Der Schmerz sank auf einer Skala von 0–10 im Mittel von 7,6 auf 0,9 Punkte nach 6 Monaten (Lee JH et al., 2022).

50,8 → 2,7

Der Beschwerde-Score (QuickDASH, 0–100) sank im Mittel von 50,8 auf 5,3 Punkte nach 6 Monaten und 2,7 Punkte nach 2 Jahren (Iwamoto W et al., 2017).

  • Iwamoto W et al. (J Shoulder Elbow Surg, 2017): Krankhafte Gefässe waren bei allen Patienten nachweisbar, schwere Komplikationen traten nicht auf.
  • Bildgebende Verlaufskontrollen: Im MRI zeigte sich 2 Jahre nach der Embolisation eine Besserung der Sehnenveränderungen, ohne Schäden an Knochen, Knorpel oder Muskulatur (Iwamoto et al., 2017). Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht abschliessend geklärt.

Für wen ist die Ellenbogenembolisation geeignet?

Und für wen nicht

Geeignet
  • Tennisellenbogen oder Golferellenbogen mit Beschwerden seit über 6 Monaten, der trotz mindestens 3 Monaten konservativer Therapie nicht abgeheilt ist
  • Nachgewiesene Neovaskularisierung im Sehnengewebe
Nicht oder eingeschränkt geeignet
  • Beschwerden seit weniger als 6 Monaten: zuerst konservativ behandeln
  • Vollständige Sehnenruptur (operative Therapie notwendig)

Häufige Fragen zum Tennis- und Golferellenbogen

FAQ

Eine Operation (offenes oder arthroskopisches Débridement) kommt erst nach 6–12 Monaten erfolgloser konservativer Therapie in Frage. Die Embolisation bietet eine Zwischenoption: Es bessern sich Schmerzen und Funktion bei den meisten Patienten deutlich und anhaltend. Der Eingriff ist oftmals ambulant, dauert 30–50 Minuten und erfordert nur eine kurze Schonung von 2–3 Tagen.

Kortison wirkt kurzfristig, ist aber nach einem Jahr mit schlechteren Ergebnissen und häufigeren Rückfällen verbunden. PRP zeigt gemischte Evidenz. Die Embolisation zielt auf eine mögliche Ursache – pathologische Neugefässe – und zeigte in kleinen Fallserien eine anhaltende Wirkung.

Bei sorgfältig ausgewählten Patienten hielten die Ergebnisse in Studien meist Monate bis Jahre an. Bei unzureichender Wirkung kann eine zweite Embolisation erwogen werden. Die Embolisation kann bei Bedarf grundsätzlich wiederholt werden.

Die sogenannte pathologische Neovaskularisierung – das unkontrollierte Einwachsen neuer Blutgefässe in entzündetes Gewebe – verläuft oft nicht allein. Diese Gefässe wachsen häufig zusammen mit feinen Nervenfasern ein (neurovascular ingrowth). Diese Nervenfasern können Schmerzsignale zum Gehirn weiterleiten, auch ohne dass gerade eine akute Verletzung vorliegt. Die Gelenkembolisation verschliesst gezielt diese krankhaften Gefässe – und soll so auch die Reizung der begleitenden Schmerznerven verringern.

Das zeigt die Bildgebung: Ein Duplex-Ultraschall mit Farbdoppler oder ein MRI mit Kontrastmittel kann die Neovaskularisierung im betroffenen Gewebe sichtbar machen. Im Beratungsgespräch bei der IRZ beurteilen wir gemeinsam mit Ihnen die Bildgebung und prüfen, ob eine Gelenkembolisation in Ihrer Situation sinnvoll ist.

Die Ellenbogenembolisation eignet sich bei einem Tennis- oder Golferellenbogen, der trotz konservativer Therapie (z. B. Physiotherapie, Infiltrationen, Stosswellentherapie) nicht abgeheilt ist, besonders wenn eine Operation vermieden oder hinausgezögert werden soll. Nicht geeignet ist sie bei frischen Beschwerden, die zuerst konservativ behandelt werden, bei einer vollständigen Sehnenruptur, bei aktiver systemischer Entzündungserkrankung (z. B. rheumatoide Arthritis im Schub) oder bei einer Infektion.

Nein. Eine spätere Operation am Sehnenansatz (z. B. ein Débridement) bleibt nach der Embolisation weiterhin möglich.

Wir empfehlen nach der Gelenkembolisation eine kurze Erholungsphase von 2–3 Tagen, in der Sie das behandelte Gelenk nicht überbelasten sollten. Leichte Aktivitäten und Alltagsbewegungen sind danach erlaubt und sogar erwünscht, da Bewegung die Regeneration fördert. Intensive sportliche Belastung sollte für 2–3 Wochen pausiert werden.

Häufig genügt eine einzige Embolisationssitzung. Wenn nach 6–12 Wochen keine ausreichende Verbesserung eingetreten ist, kann eine zweite Sitzung erwogen werden. Die Embolisation kann bei Bedarf wiederholt werden.

Ja – in hartnäckigen Fällen wird eine Dekortikation oder ein Débridement am Epicondylus durchgeführt. Die Embolisation ist jedoch eine schonendere Option, die vor einer Operation erwogen werden kann, wenn krankhafte Neugefässe nachweisbar sind. Wir besprechen gerne gemeinsam mit Ihrem Orthopäden, welche Option für Sie sinnvoller ist.

Nach der Ellenbogenembolisation sind leichte Reaktionen am behandelten Ellenbogen normal und harmlos.

Normal und zu erwarten:

  • Die behandelte Region kann in den ersten 24–48 Stunden etwas wärmer, leicht geschwollen oder druckempfindlicher sein als zuvor – eine normale Entzündungsreaktion auf die Embolisation, die rasch abklingt
  • Gelegentlich eine vorübergehende, leicht bläuliche bis gelbliche Hautverfärbung über dem Gelenk; auch sie ist harmlos und bildet sich zurück

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

  • Zunehmenden Schmerzen und Schwellung am Ellenbogen nach 48 Stunden
  • Fieber über 38,0 °C
  • Taubheitsgefühl im Unterarm oder in der Hand
  • Rötung oder Eiter an der Einstichstelle
Wissenschaftliche Referenzen
  1. Prospektive Studie Iwamoto W, Okuno Y, Matsumura N, et al. Transcatheter arterial embolization of abnormal vessels as a treatment for lateral epicondylitis refractory to conservative treatment: a pilot study with a 2-year follow-up. J Shoulder Elbow Surg. 2017;26(8):1335–1341. PubMed ↗
  2. Retrospektive Studie Lee JH, Kim DH, Lee SH, et al. Short-term results of transcatheter arterial embolization for chronic medial epicondylitis refractory to conservative treatment: a single-center retrospective cohort study. Cardiovasc Intervent Radiol. 2022;45(2):197–204. PubMed ↗
  3. Systematische Übersicht Aly M, Fashina C, Hagiga A, et al. Transcatheter arterial embolisation for the relief of shoulder and elbow chronic joint pain refractory to conventional treatment: systematic review. J Med Imaging Radiat Oncol. 2023;67(7):756–768. PubMed ↗
  4. Metaanalyse Epelboym Y, Glaser CM, Zhou L, et al. Transcatheter arterial tendinopathy embolization as a treatment for painful and refractory tendinopathy: a systematic review and meta-analysis. Skeletal Radiol. 2024;53(11):2429–2435. PubMed ↗
  5. Randomisierte Studie Coombes BK, Bisset L, Brooks P, et al. Effect of corticosteroid injection, physiotherapy, or both on clinical outcomes in patients with unilateral lateral epicondylalgia: a randomized controlled trial. JAMA. 2013;309(5):461–469. PubMed ↗

Literatur geprüft im Oktober 2026

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