Schulterarthrose und Tendinopathie: Ohne Operation behandeln – Schulterembolisation in Zürich

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026

Kurz beantwortet

Bei chronischen Schulterschmerzen durch Arthrose oder eine Tendinopathie der Rotatorenmanschette können sich in Gelenkinnenhaut, Schleimbeutel und Sehnen krankhaft neue Blutgefässe bilden. Die Schulterembolisation verschliesst diese Gefässe gezielt über einen dünnen Katheter, unter örtlicher Betäubung, ambulant oder kurzstationär. Sie ist eine minimal-invasive Option, wenn konservative Massnahmen ausgeschöpft sind.

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers – und genau deshalb auch eines der verletzlichsten. Wenn Arthrose, eine entzündete Rotatorenmanschette oder Kalkablagerungen die Schulter in ihrer Bewegung einschränken und chronische Schmerzen verursachen, leidet darunter nicht nur der Arm: Oft sind Schlaf, Arbeit und selbst einfachste Alltagsbewegungen betroffen.

Die Schulterembolisation bietet eine minimal-invasive Option für Betroffene, die sich keine weitere Operation wünschen oder bei denen konservative Massnahmen ausgeschöpft sind.

Auf einen Blick

Verfahren

Schulterembolisation über einen dünnen Katheter, Zugang über die Leiste oder das Handgelenk

Betäubung

Örtliche Betäubung

Dauer

45–75 Minuten

Aufenthalt

Ambulant oder kurzstationär

Erholung

1–3 Tage Schonung, dann leichte Bewegungsübungen; keine Ruhigstellung der Schulter nötig

Welche Schultererkrankungen können behandelt werden?

Arthrose, Kalkschulter und Tendinopathie

Rotatorenmanschetten-Tendinopathie

Chronische Entzündung und Degeneration der Schultersehnen (Supra-, Infraspinatus, Subscapularis), oft mit pathologischer Neovaskularisierung verbunden.

Kalkschulter (Tendinosis calcarea)

Kalkablagerungen in den Sehnen der Rotatorenmanschette, die akute oder chronische Schmerzen und Entzündungen verursachen.

Schulterarthrose (Omarthrose)

Knorpelverschleiss im Schultergelenk mit chronischen Schmerzen, Steifigkeit und eingeschränkter Beweglichkeit. Zur Embolisation bei Omarthrose gibt es bisher nur wenige Daten; wir prüfen die Eignung im Einzelfall.

Wie funktioniert die Schulterembolisation?

Gezielt gegen die Entzündung

Bei chronischen Schultererkrankungen entstehen in den betroffenen Strukturen – Gelenkinnenhaut, Schleimbeutel, Sehnen – neu gebildete Blutgefässe, die häufig gemeinsam mit Nervenfasern einwachsen und die Entzündung und Schmerzen unterhalten können. Die Schulterembolisation verschliesst diese pathologischen Gefässe gezielt und unterbricht damit den Entzündungskreislauf.

Ablauf Schritt für Schritt

Vorbereitung

MRI oder Ultraschall der Schulter. Duplex-Ultraschall mit Farbdoppler zum Nachweis der Neovaskularisierung (sichtbar als intensive Farbsignale in Sehne oder Gelenkinnenhaut). Nüchternheit für mindestens 6 Stunden vor dem Eingriff. Blutverdünner werden in Absprache pausiert.

Zugang

Unter örtlicher Betäubung wird eine winzige Punktion in der Leisten- oder Handgelenksarterie angelegt. Ein dünner Katheter wird unter Röntgendurchleuchtung in die Schulterarterien navigiert.

Diagnostische Angiographie

Kontrastmittel wird injiziert. Die krankhaft neu gebildeten Gefässe zeigen sich als dichte Anfärbung («Blush») genau an den symptomatischen Bereichen – oft korrelierend mit den Druckpunkten aus der klinischen Untersuchung.

Superselektive Katheterisierung

Mit einem Mikrokatheter werden die erkrankten Gefässäste einzeln aufgesucht. Die wichtigsten Zielbereiche an der Schulter: die A. circumflexa humeri anterior und posterior (Gelenk), die A. suprascapularis (Rotatorenmanschette) und Äste der A. thoracoacromialis (Schleimbeutel, Sehnenansätze).

Embolisation

Mikropartikel (100–300 Mikrometer) werden selektiv injiziert und verschliessen die pathologischen Gefässe. Gesunde Hauptarterien und die Arterien, die den Knochen versorgen, bleiben offen.

Abschlusskontrolle

Eine abschliessende Angiographie bestätigt den Verschluss der Zielgefässe und die intakte Versorgung des Schultergelenks.

Dauer

45–75 Minuten. Ambulant oder kurzstationär.

Nach dem Eingriff

1–3 Tage Schonung, dann leichte Bewegungsübungen. Eine Ruhigstellung der Schulter ist nicht notwendig – Bewegung fördert die Regeneration.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Was sagt die Wissenschaft?

Evidenzbasierte Ergebnisse

Die wichtigsten Studienergebnisse im Überblick:

  • Okuno Y et al. (J Vasc Interv Radiol, 2013): Erste publizierte Serie zur Embolisation bei Ellenbogen- und Schultertendinopathien. Schmerzreduktion nach 1 Jahr: > 70 % der Patienten berichteten über eine signifikante oder vollständige Schmerzlinderung.
  • Kim GH et al. (J Vasc Interv Radiol, 2022; systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 14 Beobachtungsstudien mit 346 Patienten): Die Embolisation bei chronischen entzündlichen Gelenkschmerzen senkte die Schmerzen bis 12 Monate nach dem Eingriff deutlich; an der Schulter war die Schmerzreduktion nach 3 und 6 Monaten sogar grösser als am Knie.
  • Hwang JH et al. (J Vasc Interv Radiol, 2018): In der Gefässdarstellung zeigten sich bei 67 % der behandelten Schultern bzw. Ellenbogen deutlich krankhafte Neugefässe; diese Patienten sprachen häufiger auf die Embolisation an (90 %) als Patienten ohne deutliche Gefässanfärbung (60 %).
  • Kalkschulter: Zur Embolisation bei Kalkschulter (Tendinosis calcarea) gibt es bisher nur sehr wenige Daten (Einzelfälle in kleinen Fallserien). Die Kalkdepots selbst werden durch die Embolisation nicht aufgelöst.

Für wen ist die Schulterembolisation geeignet?

Und für wen nicht

Geeignet
  • Chronische Schulterschmerzen durch Arthrose oder Tendinopathie nach Ausschöpfung konservativer Therapien
  • Kalkschulter mit persistierender Entzündungskomponente
  • Patienten, die eine Operation vermeiden möchten
Nicht oder eingeschränkt geeignet
  • Komplette Rotatorenmanschetten-Ruptur (strukturelle Operation erforderlich)
  • Akute Kalkschulter-Attacke
  • Systemische Entzündungserkrankung im Schub

Häufige Fragen zur Schulterembolisation

FAQ

Bei Kalkschulter (Tendinosis calcarea) sind die gängigen Optionen Physiotherapie, Stosswellentherapie und die arthroskopische Kalkentfernung. Die Schulterembolisation richtet sich an Patienten mit chronischer Tendinopathie und Schmerzen, die auf konservative Therapie nicht ansprechen. Sie ist weniger invasiv als eine Arthroskopie und kann oftmals ambulant durchgeführt werden.

Bei sorgfältig ausgewählten Patienten hielten die Ergebnisse in Studien meist Monate bis Jahre an. Bei unzureichender Wirkung kann eine zweite Embolisation erwogen werden. Die Embolisation kann bei Bedarf grundsätzlich wiederholt werden.

Die sogenannte pathologische Neovaskularisierung – das unkontrollierte Einwachsen neuer Blutgefässe in entzündetes Gewebe – verläuft oft nicht allein. Diese Gefässe wachsen häufig zusammen mit feinen Nervenfasern ein (neurovascular ingrowth). Diese Nervenfasern können Schmerzsignale zum Gehirn weiterleiten, auch ohne dass gerade eine akute Verletzung vorliegt. Die Gelenkembolisation verschliesst gezielt diese krankhaften Gefässe – und soll so auch die Reizung der begleitenden Schmerznerven verringern.

Das zeigt die Bildgebung: Ein Duplex-Ultraschall mit Farbdoppler oder ein MRI mit Kontrastmittel kann die Neovaskularisierung im betroffenen Gewebe sichtbar machen. Im Beratungsgespräch bei der IRZ beurteilen wir gemeinsam mit Ihnen die Bildgebung und prüfen, ob eine Gelenkembolisation in Ihrer Situation sinnvoll ist.

Die Gelenkembolisation eignet sich für Patienten mit chronischen Gelenkschmerzen durch Arthrose oder Tendinopathie, die auf konservative Therapien (Physiotherapie, Medikamente, Infiltrationen) nicht ausreichend angesprochen haben und eine Operation vermeiden oder hinauszögern möchten. Nicht geeignet ist sie bei aktiver systemischer Entzündungserkrankung (z. B. rheumatoide Arthritis im Schub), bei sehr fortgeschrittener Arthrose ohne Restknorpel oder bei Gelenkinfektionen.

Nein. Die Gelenkembolisation verändert das Gelenk strukturell nicht. Sie nimmt eine eventuelle spätere Prothese oder Operation weder vorweg, noch verhindert sie diese. Sie kann jedoch wertvolle Zeit gewinnen und die Lebensqualität in der Zwischenzeit deutlich verbessern.

Wir empfehlen nach der Gelenkembolisation eine kurze Erholungsphase von 1–3 Tagen, in der Sie das behandelte Gelenk nicht überbelasten sollten. Leichte, sanfte Bewegungsübungen ab dem zweiten Tag nach dem Eingriff fördern die Durchblutung und die Geweberegeneration. Eine vollständige Ruhigstellung ist nicht empfohlen. Intensive sportliche Belastung sollte für 2–3 Wochen pausiert werden.

Möglicherweise – zur Kalkschulter gibt es bisher nur sehr wenige Erfahrungen, deshalb prüfen wir die Eignung im Einzelfall. Die Embolisation entfernt die Kalkablagerungen nicht. Bei sehr grossen oder persistierenden Kalkdepots kann zusätzlich eine Kalkpunktion und -spülung sinnvoll sein.

Die Akromioplastik ist ein chirurgischer Eingriff, der den subakromialen Raum erweitert und gegebenenfalls entzündetes Gewebe entfernt. Die Embolisation ist minimal-invasiv und wirkt auf die pathologische Neovaskularisierung. Beide Verfahren haben ihre Berechtigung – die Embolisation ist weniger invasiv und kann eine Option sein, wenn konservative Massnahmen ausgeschöpft sind und keine strukturelle Ursache eine Operation verlangt.

Nach der Gelenkembolisation sind leichte Reaktionen am behandelten Gelenk normal und harmlos.

Normal und zu erwarten:

  • Die behandelte Region kann in den ersten 24–48 Stunden etwas wärmer, leicht geschwollen oder druckempfindlicher sein als zuvor – eine normale Entzündungsreaktion auf die Embolisation, die rasch abklingt
  • Gelegentlich eine vorübergehende, leicht bläuliche bis gelbliche Hautverfärbung über dem Gelenk; auch sie ist harmlos und bildet sich zurück

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

  • Zunehmenden Schmerzen und Wärme in der Schulter (statt Besserung nach 48 Stunden)
  • Fieber über 38,0 °C
  • Hautveränderungen über der Schulter (Rötung, Bläschen, offene Stellen)
  • Rötung oder Eiter an der Einstichstelle
Wissenschaftliche Referenzen
  1. Fallserie Okuno Y, Matsumura N, Oguro S. Transcatheter arterial embolization using imipenem/cilastatin sodium for tendinopathy and enthesopathy refractory to nonsurgical management. J Vasc Interv Radiol. 2013;24(6):787–792. PubMed ↗
  2. Metaanalyse Kim GH, Shin JH, Nam IC, et al. Transcatheter arterial embolization for benign chronic inflammatory joint pain: a systematic review and meta-analysis. J Vasc Interv Radiol. 2022;33(5):538–545.e3. PubMed ↗
  3. Fallserie Hwang JH, Park SW, Kim KH, et al. Early results of transcatheter arterial embolization for relief of chronic shoulder or elbow pain associated with tendinopathy refractory to conservative treatment. J Vasc Interv Radiol. 2018;29(4):510–517. PubMed ↗
  4. Systematische Übersicht Aly M, Fashina C, Hagiga A, et al. Transcatheter arterial embolisation for the relief of shoulder and elbow chronic joint pain refractory to conventional treatment: systematic review. J Med Imaging Radiat Oncol. 2023;67(7):756–768. PubMed ↗

Literatur geprüft im Oktober 2026

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