Portale Hypertension: Den Pfortaderdruck senken – TIPS (Pfortader-Shunt) in Zürich

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026

Kurz beantwortet

Bei Leberzirrhose kann sich der Druck in der Pfortader gefährlich erhöhen (portale Hypertension); es bilden sich Krampfadern in Speiseröhre und Magen, die reissen und massiv bluten können. Der TIPS (transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt) ist ein Metallstent, der über die Halsvene durch die Leber zwischen Pfortader und Lebervene eingesetzt wird und den Pfortaderdruck sofort senkt.

Bei Leberzirrhose kann sich der Druck in der Pfortader (portale Hypertension) gefährlich erhöhen.

Der TIPS schafft eine direkte Verbindung zwischen Pfortader und Lebervene – und senkt damit den Druck.

Auf einen Blick

Verfahren

Metallstent (Shunt) durch die Leber zwischen Pfortader und Lebervene; Zugang über die Halsvene

Aufenthalt

Stationäre Überwachung

Nachkontrolle

Regelmässige Laborkontrollen (Ammoniak, Leberwerte) nach der Entlassung

Zusammenarbeit

Eingriff in enger Zusammenarbeit mit dem hepatologischen Team

Warum ist ein erhöhter Pfortaderdruck gefährlich?

Portale Hypertension

Steigt der Druck in der Pfortader, sucht das Blut Umgehungskreisläufe: Es bildet Krampfadern in Speiseröhre und Magen (Ösophagusvarizen), die reissen und massive Blutungen verursachen können.

Was ist der TIPS?

Ein Shunt durch die Leber

Der transjuguläre intrahepatische portosystemische Shunt (TIPS) ist ein Metallstent, der durch die Leber zwischen Pfortader und Lebervene implantiert wird. Der Zugang erfolgt über die Halsvene. Der TIPS senkt den Pfortaderdruck sofort und verringert so deutlich das Risiko (erneuter) Varizenblutungen; bei therapierefraktärem Aszites kann er die Flüssigkeitsansammlung im Bauch reduzieren.

Auch bei einem Blutgerinnsel in der Pfortader (Pfortaderthrombose) kann ein TIPS helfen. Öffnet sich die Pfortader unter blutverdünnenden Medikamenten nicht wieder oder treten Komplikationen wie Varizenblutungen auf, kann der TIPS den Blutfluss in der Pfortader meist wiederherstellen und zugleich den Druck senken. Bei Patienten auf der Warteliste für eine Lebertransplantation kann er zudem helfen, die Pfortader für die Transplantation wieder durchgängig zu machen. Ob ein TIPS in Frage kommt, entscheiden wir gemeinsam mit dem hepatologischen Team.

TIPS ist ein anspruchsvoller Eingriff, der in enger Zusammenarbeit mit dem hepatologischen Team durchgeführt wird. Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Was sagt die Wissenschaft?

Evidenzbasierte Ergebnisse

Für den TIPS bei Varizenblutungen liegen randomisierte Studien und Metaanalysen vor. Besonders gut belegt ist der frühe TIPS bei einer akuten Varizenblutung mit hohem Risiko:

97 %

Nach frühem TIPS blieben 97 % im ersten Jahr ohne erneute Blutung oder Therapieversagen, unter Standardtherapie 50 % (randomisierte Studie mit 63 Patientinnen und Patienten mit hohem Risiko; García-Pagán et al., 2010).

86 %

Nach einem Jahr lebten nach frühem TIPS 86 % der Patientinnen und Patienten, unter Standardtherapie 61 % (García-Pagán et al., 2010).

1'327

Patientinnen und Patienten aus 7 Studien: Eine Metaanalyse ihrer Einzeldaten bestätigte, dass ein früher TIPS bei hohem Risiko den Anteil derer erhöht, die das erste Jahr überleben (Nicoară-Farcău et al., 2021).

In der randomisierten Studie von García-Pagán et al. (2010, New England Journal of Medicine) wurden 63 Patientinnen und Patienten mit Leberzirrhose und akuter Varizenblutung mit hohem Risiko untersucht (Child-Pugh C oder Child-Pugh B mit anhaltender Blutung). Alle hatten zunächst Medikamente und eine endoskopische Behandlung erhalten. Danach bekamen sie per Los entweder innerhalb von 72 Stunden einen TIPS mit beschichtetem Stent oder die übliche Weiterbehandlung mit Medikamenten und endoskopischer Gummibandligatur, mit TIPS nur bei Bedarf als Rettungstherapie. Eine erneute Blutung oder ein Therapieversagen trat nach frühem TIPS bei 1 von 32 Patienten auf, unter Standardtherapie bei 14 von 31. Bei schweren Nebenwirkungen fand sich kein signifikanter Unterschied. Ob ein TIPS sinnvoll ist, entscheiden wir gemeinsam mit dem hepatologischen Team.

  • Der Überlebensvorteil zeigte sich in der Metaanalyse sowohl bei Child-Pugh C (unter 14 Punkten) als auch bei Child-Pugh B mit aktiver Blutung (Nicoară-Farcău et al., 2021).
  • Hepatische Enzephalopathie: In einer randomisierten, doppelblinden Studie mit 197 Patientinnen und Patienten verringerte das vorbeugend gegebene Antibiotikum Rifaximin das Risiko einer manifesten hepatischen Enzephalopathie nach TIPS (Bureau et al., 2021).

Häufige Fragen zum TIPS

FAQ

Für Patienten mit Leberzirrhose und (wiederholten) Varizenblutungen oder therapierefraktärem Aszites. Auch bei einer Pfortaderthrombose kann ein TIPS geeignet sein, etwa wenn sich die Pfortader unter blutverdünnenden Medikamenten nicht wieder öffnet, wenn Varizenblutungen auftreten oder wenn die Pfortader vor einer Lebertransplantation wieder durchgängig werden soll. In zwei randomisierten Studien bei Leberzirrhose mit Pfortaderthrombose kam es nach einem TIPS deutlich seltener zu erneuten Varizenblutungen als unter Gummibandligatur der Krampfadern und Betablocker, und die Pfortader war häufiger wieder offen. Bei einer akuten Varizenblutung mit hohem Risiko – etwa bei fortgeschrittener Zirrhose (Child-Pugh C) oder Child-Pugh B mit anhaltender Blutung – verbesserte ein früher TIPS innerhalb von 72 Stunden in einer randomisierten Studie sogar das Überleben. Bei sehr weit fortgeschrittener Leberinsuffizienz oder schwerer hepatischer Enzephalopathie ist ein TIPS dagegen meist nicht geeignet.

Das grösste Risiko ist die hepatische Enzephalopathie (Verwirrtheit, weil ein Teil des Blutes die Leber umgeht und Giftstoffe wie Ammoniak weniger abgebaut werden). Dieses Risiko lässt sich durch engmaschige Kontrollen und vorbeugende Medikamente verringern, aber nicht ganz ausschliessen. Weitere Risiken: Verengung oder Verschluss des Shunts (mit den heute verwendeten beschichteten Stents deutlich seltener als früher), Blutung, Infektion.

TIPS ist ein komplexerer Eingriff mit stationärer Überwachung. Nach der Entlassung ist eine regelmässige Laborkontrolle (Ammoniak, Leberwerte) wichtig, da TIPS das Risiko einer hepatischen Enzephalopathie erhöht.

Bitte kontaktieren Sie uns oder die Notfallstation umgehend bei:

  • Verwirrtheit, Desorientiertheit oder ungewöhnlichem Verhalten (Anzeichen einer hepatischen Enzephalopathie)
  • Blutungen aus dem Verdauungstrakt (Bluterbrechen, schwarzem Stuhl)
  • Fieber über 38,5 °C mit Schüttelfrost
  • Starker Bauchschwellung oder starken Bauchschmerzen
Wissenschaftliche Referenzen
  1. Leitlinie Boyer TD, Haskal ZJ; American Association for the Study of Liver Diseases. The role of transjugular intrahepatic portosystemic shunt (TIPS) in the management of portal hypertension: update 2009. Hepatology. 2010;51(1):306. PubMed ↗
  2. Randomisierte Studie García-Pagán JC, Caca K, Bureau C, et al. Early use of TIPS in patients with cirrhosis and variceal bleeding. N Engl J Med. 2010;362(25):2370–2379. PubMed ↗
  3. Randomisierte Studie Bureau C, Thabut D, Jezequel C, et al. The use of rifaximin in the prevention of overt hepatic encephalopathy after transjugular intrahepatic portosystemic shunt: a randomized controlled trial. Ann Intern Med. 2021;174(5):633–640. PubMed ↗
  4. Metaanalyse Nicoară-Farcău O, Han G, Rudler M, et al. Effects of Early Placement of Transjugular Portosystemic Shunts in Patients With High-Risk Acute Variceal Bleeding: a Meta-analysis of Individual Patient Data. Gastroenterology. 2021;160(1):193–205.e10. PubMed ↗
  5. Konsensuspapier de Franchis R, Bosch J, Garcia-Tsao G, et al.; Baveno VII Faculty. Baveno VII – Renewing consensus in portal hypertension. J Hepatol. 2022;76(4):959–974. PubMed ↗
  6. Leitlinie Northup PG, Garcia-Pagan JC, Garcia-Tsao G, et al. Vascular Liver Disorders, Portal Vein Thrombosis, and Procedural Bleeding in Patients With Liver Disease: 2020 Practice Guidance by the American Association for the Study of Liver Diseases. Hepatology. 2021;73(1):366–413. PubMed ↗
  7. Randomisierte Studie Luo X, Wang Z, Tsauo J, et al. Advanced Cirrhosis Combined with Portal Vein Thrombosis: A Randomized Trial of TIPS versus Endoscopic Band Ligation Plus Propranolol for the Prevention of Recurrent Esophageal Variceal Bleeding. Radiology. 2015;276(1):286–293. PubMed ↗
  8. Randomisierte Studie Lv Y, Qi X, He C, et al. Covered TIPS versus endoscopic band ligation plus propranolol for the prevention of variceal rebleeding in cirrhotic patients with portal vein thrombosis: a randomised controlled trial. Gut. 2018;67(12):2156–2168. PubMed ↗
  9. Metaanalyse Guo DF, Fan LW, Le Q, et al. Transjugular intrahepatic portosystemic shunt for the prevention of rebleeding in patients with cirrhosis and portal vein thrombosis: Systematic review and meta-analysis. Front Pharmacol. 2022;13:968988. PubMed ↗

Literatur geprüft im Oktober 2026

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