Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026
Kurz beantwortet
Leberkrebs (hepatozelluläres Karzinom, HCC) behandelt die IRZ in Zürich lokal und präzise, ohne grosse Operation: Bei der perkutanen Ablation zerstört eine dünne Sonde das Tumorgewebe mit Hitze, Kälte oder Strom, bei der transarteriellen Radioembolisation (TARE) bestrahlen radioaktive Mikrosphären den Tumor von innen. Jede Therapieentscheidung fällt im interdisziplinären Tumorboard.
Leberkrebs – das klingt nach einem Urteil. Und doch hat die interventionelle Onkologie die Behandlung des hepatozellulären Karzinoms (HCC) in den letzten Jahren grundlegend verändert.
Mit bildgeführten Ablationsverfahren und der transarteriellen Radioembolisation lassen sich Tumoren heute präzise am Ort des Geschehens behandeln: ohne grosse Operation und mit minimalem Einfluss auf die restliche Leber.
Wir behandeln nicht alleine. Jede Therapieentscheidung bei HCC wird im interdisziplinären Tumorboard gemeinsam mit Hepatologen, Onkologen und Chirurgen getroffen.
Auf einen Blick
Was ist das hepatozelluläre Karzinom (HCC)?
Entstehung und Therapieplanung
Das hepatozelluläre Karzinom entsteht zu 80–90 % auf dem Boden einer vorbestehenden Lebererkrankung: einer Leberzirrhose (durch Hepatitis B, Hepatitis C, Alkohol oder eine stoffwechselbedingte Fettleberentzündung, kurz MASH, früher NASH) oder einer chronischen Hepatitis. Die gesamte Leber ist damit ein «Risikoorgan», das regelmässig überwacht werden muss.
Das BCLC-System (Barcelona Clinic Liver Cancer) ist international weit verbreitet für Stadieneinteilung, Prognose und Therapieplanung.
Welche interventionell-onkologischen Verfahren gibt es beim HCC?
Ablation und Radioembolisation
Was sagt die Wissenschaft?
Evidenzbasierte Ergebnisse
Die Ablation kleiner Leberkrebsherde wurde in einer grossen randomisierten Studie direkt mit der Operation verglichen; zur TARE bei einzelnen Herden liegt eine retrospektive Multicenterstudie vor. Die wichtigsten Ergebnisse:
70,4 %
Bei kleinem Leberkrebs (bis 3 cm, höchstens 3 Herde) lebten 5 Jahre nach einer Radiofrequenzablation 70,4 % der Patienten, nach einer Operation 74,6 % – ein statistisch nicht signifikanter Unterschied (SURF-Studie; Kawaguchi et al., 2025).
88,3 %
Bei einem einzelnen, nicht operablen Leberkrebsherd bis 8 cm und guter Leberfunktion sprach der Tumor bei 88,3 % der Patienten auf die TARE an (LEGACY-Studie, 162 Patienten; Salem et al., 2021).
86,6 %
Drei Jahre nach der TARE lebten in derselben Studie 86,6 % der Patienten; bei 21 % diente die TARE als Vorbereitung auf eine Lebertransplantation, bei 6,8 % auf eine Operation (Salem et al., 2021).
Die SURF-Studie (Kawaguchi et al., 2025) teilte an 49 Zentren in Japan 302 Patienten mit höchstens 3 Leberkrebsherden von maximal 3 cm per Zufall der Operation oder der Radiofrequenzablation zu; bei rund 65 % war der Tumor höchstens 2 cm gross. Nach 5 Jahren unterschieden sich weder das Überleben noch das rückfallfreie Überleben signifikant: Ohne Rückfall lebten 42,7 % nach der Ablation und 42,9 % nach der Operation. Schwere Nebenwirkungen traten nach der Operation bei 3,3 % der Patienten auf, nach der Ablation bei keinem. Die Studie konnte damit nicht zeigen, dass die Operation der Ablation bei kleinem Leberkrebs überlegen ist.
- Leitlinie: Gemäss der BCLC-Strategie bieten Resektion und Radiofrequenzablation bei Leberkrebs bis 2 cm den gleichen Überlebensvorteil; eine TARE kann bei einzelnen Herden bis 8 cm erwogen werden (Reig et al., 2022).
Wie läuft die Behandlung ab?
Vorbereitung, Eingriff und Nachsorge
- 4–6 Wochen: Erstes MRI, um allfällige Komplikationen auszuschliessen
- 3 Monate: MRI für das erste onkologische Ergebnis
- 6–24 Monate: MRI-Kontrollen nach 6, 9, 12, 18 und 24 Monaten
- Danach: Halbjährliche bis jährliche Kontrollen
Häufige Fragen zu Leberkrebs (HCC)
FAQ
Für Tumoren bis 3 cm (höchstens 3 Herde) zeigte eine grosse randomisierte Studie vergleichbare 5-Jahres-Überlebensraten. Die Ablation hat weniger Komplikationen, einen kürzeren Spitalaufenthalt und erhält mehr Lebergewebe – ein entscheidender Vorteil bei Zirrhose. Bei grösseren Tumoren (über 2–3 cm) wird die Resektion in der Regel bevorzugt, sofern die Leberfunktion es erlaubt. Eine Alternative kann bei Einzeltumoren bis etwa 8 cm die transarterielle Radioembolisation (TARE) sein.
Ja, unbedingt. Das HCC entsteht meist (in rund 80–90 % der Fälle) auf dem Boden einer chronischen Lebererkrankung, häufig einer Leberzirrhose – das bedeutet, die Leber als Ganzes ist erkrankt und kann auch später neue Tumorherde entwickeln. Regelmässige Bildgebung ist daher nicht optional, sondern entscheidend, um neue Herde frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können.
In der Regel erfolgt ein MRI 4–6 Wochen nach dem Eingriff (Ausschluss von Komplikationen), dann nach 3 Monaten (erstes Ansprechen) und anschliessend alle 3–6 Monate im ersten und zweiten Jahr. Ab dem dritten Jahr finden die Kontrollen meist halbjährlich bis jährlich statt, immer in Absprache mit dem betreuenden Hepatologen oder Onkologen.
Das hängt von Grösse, Anzahl und Lage der Tumoren sowie von der Leberfunktion ab. Kleine Tumoren (bis 2 cm, in ausgewählten Fällen bis 3 cm, ≤ 3 Herde, gute Leberfunktion): Ablation mit vergleichbarem Überleben wie nach einer Operation. Tumoren nahe grossen Gallengängen oder Gefässen: in ausgewählten Fällen IRE. Grössere Einzeltumoren oder mehrere Herde: Katheterverfahren wie TARE oder Chemoembolisation (TACE). Eine Kombination mehrerer Verfahren ist möglich. Die Entscheidung erfolgt immer im Tumorboard.
Ja – ein Vorteil der Ablation ist ihre Wiederholbarkeit. Neue Herde oder unvollständig abladierte Tumoren können in vielen Fällen gezielt erneut behandelt werden.
Ja. TARE wird erfolgreich als Bridging-Therapie eingesetzt, um den Tumor stabil zu halten, bis eine Spenderleber verfügbar ist. Zudem wird sie erfolgreich als Downstaging-Therapie eingesetzt, um einen Tumor so zu verkleinern, dass er wieder innerhalb der Transplantations- oder Resektabilitätskriterien liegt.
Nach einer Tumorablation (RFA, MWA, Cryoablation, IRE) sind leichte Schmerzen an der Einstichstelle, ein allgemeines Krankheitsgefühl und leichtes Fieber für 2–7 Tage normal (Post-Ablations-Syndrom). Je nach Organ können organspezifische Beschwerden auftreten. Nach einer TARE (Y-90) kann das Post-Embolisations-Syndrom (Erschöpfung, Übelkeit, leichtes Fieber, Oberbauchschmerzen) bis zu 2 Wochen anhalten.
Bitte kontaktieren Sie uns oder Ihr Betreuungsteam umgehend bei:
- Fieber über 38,5 °C, das nach 48 Stunden nicht sinkt
- Starken, zunehmenden Oberbauchschmerzen
- Gelbfärbung der Augen oder der Haut (Ikterus, Anzeichen einer Leberfunktionsstörung)
- Starker Schwäche, Verwirrtheit oder deutlicher Verschlechterung des Allgemeinzustands
- Zeichen einer Blutung: Blut im Stuhl, schwarzem Stuhl oder Erbrechen von Blut
Wissenschaftliche Referenzen
- Leitlinie European Association for the Study of the Liver. EASL Clinical Practice Guidelines: Management of hepatocellular carcinoma. J Hepatol. 2018;69(1):182–236. PubMed ↗
- Leitlinie Reig M, Forner A, Rimola J, et al. BCLC strategy for prognosis prediction and treatment recommendation: The 2022 update. J Hepatol. 2022;76(3):681–693. PubMed ↗
- Retrospektive Studie Salem R, Johnson GE, Kim E, et al. Yttrium-90 Radioembolization for the Treatment of Solitary, Unresectable HCC: The LEGACY Study. Hepatology. 2021;74(5):2342–2352. PubMed ↗
- Konsensuspapier Lencioni R, Llovet JM. Modified RECIST (mRECIST) assessment for hepatocellular carcinoma. Semin Liver Dis. 2010;30(1):52–60. PubMed ↗
- Randomisierte Studie Takayama T, Hasegawa K, Izumi N, et al. Surgery versus Radiofrequency Ablation for Small Hepatocellular Carcinoma: A Randomized Controlled Trial (SURF Trial). Liver Cancer. 2022;11(3):209–218. PubMed ↗
- Randomisierte Studie Kawaguchi Y, Hasegawa K, Kashiwabara K, et al. Surgery Versus Ablation for Hepatocellular Carcinoma: A Randomized Controlled Trial (SURF-RCT Trial) and a Nonrandomized Prospective Observational Trial (SURF-Cohort Trial). J Clin Oncol. 2025;43(23):2628–2638. PubMed ↗
Literatur geprüft im Oktober 2026
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Eingriff
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Kontrolltermine und ein Bericht an Ihre zuweisende Ärztin oder Ihren zuweisenden Arzt.
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Indikation
Hepatozelluläres Karzinom, bei dem eine lokale Therapie mit perkutaner Ablation oder TARE in Frage kommt, einschliesslich TARE als Bridging oder Downstaging vor einer Lebertransplantation. Der Therapieentscheid fällt im interdisziplinären Tumorboard.
Hilfreiche Unterlagen
Aktuelle MRI oder CT der Leber, Laborwerte zur Leberfunktion (Child-Pugh, MELD) sowie hepatologische und onkologische Vorbefunde.
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Zuweisungsformular per E-Mail an irz@hirslanden.ch oder Anruf unter +41 44 387 25 84. Wir melden uns innert eines Werktages und senden Ihnen nach dem Eingriff einen Bericht.
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