Osteoporotischer Wirbelbruch: Wirbel stabilisieren – Vertebroplastie in Zürich

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026

Kurz beantwortet

Bei einem osteoporotischen Wirbelbruch bricht ein durch Osteoporose geschwächter Wirbelkörper ein; das kann schon ohne grosse Gewalteinwirkung geschehen. Bei der Vertebroplastie wird der Wirbel unter Röntgenkontrolle über eine Nadel mit Knochenzement stabilisiert. Viele Patienten berichten bereits am Tag nach dem Eingriff über eine deutliche Schmerzreduktion.

Ein Sturz, ein falsches Heben, manchmal sogar eine ungeschickte Bewegung – und plötzlich dieser stechende, atemraubende Schmerz im Rücken. Ein osteoporotischer Wirbelbruch kann ohne grosse Gewalteinwirkung entstehen, weil der durch Osteoporose geschwächte Knochen die Last des Körpergewichts nicht mehr trägt. Die Folge: starke Schmerzen, eingeschränkte Mobilität und im Verlauf eine zunehmende Verkrümmung der Wirbelsäule.

Die Vertebroplastie bietet eine gezielte, minimal-invasive Behandlung – mit einer Schmerzlinderung, die oft bereits am Tag nach dem Eingriff einsetzt.

Auf einen Blick

Verfahren

Vertebroplastie: Knochenzement über eine Nadel unter Röntgenkontrolle

Betäubung

Leichte Sedierung oder Vollnarkose, je nach Wunsch und klinischem Kontext

Dauer

30–60 Minuten

Aufenthalt

Ambulant oder kurze Hospitalisation; Überwachung für wenige Stunden

Erholung

Volle Belastung direkt möglich; 3–5 Tage allgemeine Schonung, kurze Spaziergänge ab dem nächsten Tag

Was ist ein osteoporotischer Wirbelbruch?

Ursachen und Folgen

Osteoporose schwächt die Knochen, indem sie ihre innere Struktur ausdünnt. Wirbelkörper – besonders im Bereich der Brustwirbelsäule und der oberen Lendenwirbelsäule – können dadurch unter normaler Belastung einbrechen (sogenannte Kompressions- oder Sinterungsfraktur). Der Wirbel verliert an Höhe und kann sich keilförmig verformen, was zu einer Rundrücken-Haltung (Kyphose) führt.

Neben osteoporotischen Frakturen können auch Knochenmetastasen, Myelomherde oder sonstige tumorbedingte Schwächungen Wirbelbrüche verursachen. Auch diese können mit demselben Verfahren stabilisiert werden.

Vertebroplastie oder Kyphoplastie: Was ist der Unterschied?

Zwei Verfahren im Vergleich

Kriterium Kyphoplastie Vertebroplastie
Vorgehen Durch eine Hohlnadel wird ein kleiner Ballon in den gebrochenen Wirbelkörper eingeführt und vorsichtig aufgeblasen. Er schafft einen Hohlraum, der anschliessend mit Knochenzement (Polymethylmethacrylat, PMMA) aufgefüllt wird. Ohne Ballon wird Knochenzement direkt in den gebrochenen Wirbelkörper injiziert.
Aufrichtung des Wirbels Teilweise, durch den Ballon Nur sekundär durch den Zement
Ziel Schmerzlinderung und – soweit möglich – Wiederherstellung der Wirbelkörperhöhe Stabilisierung und Schmerzlinderung

Vorgehen

  • Kyphoplastie: Durch eine Hohlnadel wird ein kleiner Ballon in den gebrochenen Wirbelkörper eingeführt und vorsichtig aufgeblasen. Er schafft einen Hohlraum, der anschliessend mit Knochenzement (Polymethylmethacrylat, PMMA) aufgefüllt wird.
  • Vertebroplastie: Ohne Ballon wird Knochenzement direkt in den gebrochenen Wirbelkörper injiziert.

Aufrichtung des Wirbels

  • Kyphoplastie: Teilweise, durch den Ballon
  • Vertebroplastie: Nur sekundär durch den Zement

Ziel

  • Kyphoplastie: Schmerzlinderung und – soweit möglich – Wiederherstellung der Wirbelkörperhöhe
  • Vertebroplastie: Stabilisierung und Schmerzlinderung

Welches Verfahren geeignet ist, hängt vom Alter der Fraktur, dem Ausmass der Kyphose und dem Allgemeinzustand ab. Beide Eingriffe erzielen sehr gute Schmerzergebnisse. An der IRZ führen wir die Vertebroplastie durch.

Wie läuft die Vertebroplastie ab?

Schritt für Schritt

Vor dem Eingriff

MRI der Wirbelsäule zur Diagnose und Beurteilung der Frische der Fraktur (der Eingriff kommt vor allem bei frischen, noch nicht verheilten Frakturen in Frage). Sie müssen nüchtern sein (mindestens 6 Stunden), denn der Eingriff kann unter leichter Sedierung oder unter Vollnarkose durchgeführt werden, je nach Wunsch und klinischem Kontext. Blutverdünner werden in Absprache pausiert.

Der Eingriff

In Bauchlage wird unter Röntgenkontrolle eine Nadel durch die Haut in den Wirbelkörper eingeführt. Über die Nadel wird Knochenzement direkt in den gebrochenen Wirbelkörper injiziert. Der Zement härtet innerhalb von Minuten aus.

Dauer

30–60 Minuten.

Nach dem Eingriff

Es folgt eine Überwachungsphase von wenigen Stunden. Volle Gewichtsbelastung ist direkt danach möglich. Wir empfehlen jedoch 3–5 Tage allgemeine körperliche Schonung für eine optimale Heilung. Leichte Mobilisierung und kurze Spaziergänge sind ab dem nächsten Tag ausdrücklich erwünscht.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt mit allen spezifischen Anweisungen.

Für wen ist die Vertebroplastie geeignet?

Und für wen nicht

Geeignet
  • Frische osteoporotische Wirbelkompressionsfraktur mit starken Schmerzen (das MRI bestätigt Frischemerkmale)
  • Unzureichende Schmerzlinderung durch Bettruhe und Schmerzmittel
  • Wirbelkörperfrakturen durch Knochenmetastasen oder Plasmozytom
Nicht oder eingeschränkt geeignet
  • Alte, konsolidierte Frakturen (älter als 3–6 Monate, das MRI zeigt keine Frischemerkmale mehr)
  • Frakturen mit schwerer neurologischer Beteiligung (Querschnittslähmung – chirurgische Dekompression bevorzugt)
  • Aktive Infektion im Behandlungsbereich (Spondylodiszitis)

Häufige Fragen zu Wirbelbruch und Vertebroplastie

FAQ

Eine konservative Therapie (Schmerzmedikamente, Mieder, Physiotherapie) reicht bei vielen Wirbelbrüchen aus. Bei starken, anhaltenden Schmerzen nach 2 Wochen und fehlender Besserung ist die Vertebroplastie eine bewährte Option: Knochenzement stabilisiert den gebrochenen Wirbelkörper und lindert den Schmerz oft bereits am Tag nach dem Eingriff.

Bei osteoporotischen Wirbelbrüchen – der häufigsten Ursache – ist eine Spondylodese in der Regel nicht indiziert. Die Vertebroplastie ist minimal-invasiv (Nadel statt Schnitt), dauert 30–60 Minuten und stabilisiert den Wirbel von innen. Eine Spondylodese kommt nur bei instabilen Frakturen oder neurologischen Defiziten in Betracht.

Nein. Wir injizieren Knochenzement nur in den gebrochenen Wirbelkörper selbst – kein Gelenk wird versteift, keine benachbarten Wirbel werden verbunden. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule bleibt vollständig erhalten.

Direkt nach dem Eingriff. Es gibt keine Belastungseinschränkung durch den Zement, der innerhalb von Minuten aushärtet. Wir empfehlen dennoch 3–5 Tage allgemeine körperliche Schonung, damit der behandelte Bereich zur Ruhe kommen kann. Leichte Bewegung und kurze Spaziergänge sind ab dem Folgetag ausdrücklich erwünscht – zu langes Liegen sollte vermieden werden.

Nein. Der Zement stabilisiert ausschliesslich den behandelten Wirbelkörper lokal. Wenn ein angrenzender Wirbelkörper nach dem Eingriff brechen sollte, dann deshalb, weil auch er durch die Osteoporose geschwächt ist und dieser Bruch früher oder später ohnehin eingetreten wäre. Die Zement-Injektion verursacht diesen Bruch nicht.

Viele Patienten berichten bereits am Tag nach dem Eingriff oder innerhalb der ersten 48 Stunden über eine deutliche Schmerzreduktion. Die maximale Wirkung ist nach einigen Tagen erreicht, wenn das umliegende Gewebe vollständig verheilt ist.

Nein. Wichtiger ist, dass Sie Ihre Osteoporose konsequent behandeln lassen (Vitamin D, Calcium, gegebenenfalls spezifische Osteoporose-Medikamente), um weitere Frakturen zu verhindern.

Mehrere Wirbelkörper können – wenn klinisch indiziert – in derselben Sitzung behandelt werden. Wir beurteilen gemeinsam mit Ihnen die Bildgebung und priorisieren die Frakturen, die am ehesten Ihre Beschwerden verursachen.

Nach der Vertebroplastie sind leichte lokale Rückenschmerzen an der Behandlungsstelle für einige Tage normal. Viele Patienten berichten innerhalb von 24–48 Stunden über deutliche Schmerzlinderung.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

  • Neu aufgetretener Lähmung der Beine oder Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle (sehr selten, z. B. durch austretenden Zement – sofortiger Notfall)
  • Starken Atembeschwerden oder Brustschmerzen (sehr selten: Zement, der über die Venen in die Lunge gelangt – sofortiger Notfall)
  • Fieber über 38,5 °C kombiniert mit stark zunehmenden Rückenschmerzen (Infektionszeichen)
  • Starker Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle
Wissenschaftliche Referenzen
  1. Randomisierte Studie Boonen S, Van Meirhaeghe J, Bastian L, et al. Balloon kyphoplasty for the treatment of acute vertebral compression fractures: 2-year results from a randomized trial. J Bone Miner Res. 2011;26(7):1627–1637. PubMed ↗
  2. Randomisierte Studie Wardlaw D, Cummings SR, Van Meirhaeghe J, et al. Efficacy and safety of balloon kyphoplasty compared with non-surgical care for vertebral compression fracture (FREE): a randomised controlled trial. Lancet. 2009;373(9668):1016–1024. PubMed ↗
  3. Systematische Übersicht Buchbinder R, Johnston RV, Rischin KJ, et al. Percutaneous vertebroplasty for osteoporotic vertebral compression fracture. Cochrane Database Syst Rev. 2018;11(11):CD006349. DOI ↗
  4. Randomisierte Studie Dohm MP, Black CM, Dacre A, et al. A randomized trial comparing balloon kyphoplasty and vertebroplasty for vertebral compression fractures due to osteoporosis. AJNR Am J Neuroradiol. 2014;35(12):2227–2236. PubMed ↗
  5. Randomisierte Studie Klazen CAH, Lohle PNM, de Vries J, et al. Vertebroplasty versus conservative treatment in acute osteoporotic vertebral compression fractures (Vertos II): an open-label randomised trial. Lancet. 2010;376(9746):1085–1092. PubMed ↗

Literatur geprüft im Oktober 2026

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