Bauchwandendometriose: Cryoablation als Alternative zur Operation

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026

Kurz beantwortet

Bei der Bauchwandendometriose findet sich Endometriosegewebe in der Bauchwand, am häufigsten in oder nahe einer Narbe, etwa nach einem Kaiserschnitt, und verursacht zyklusabhängige Schmerzen. Bei der Cryoablation wird der Herd unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle mit einer dünnen Sonde gezielt vereist, in Lokalanästhesie und ohne die Narbe erneut operativ aufzuschneiden. Der zyklusabhängige Schmerz verschwindet in den meisten Fällen vollständig.

Ein Schmerz in einer alten Kaiserschnittnarbe oder einer anderen Bauchwandnarbe, der mit der Menstruation zunimmt und an einem bestimmten Punkt immer stärker wird. Manchmal ist dort auch ein tastbarer Knoten. Das klingt ungewöhnlich, ist aber eine anerkannte, wenn auch häufig spät diagnostizierte Erkrankung.

Sie lässt sich heute behandeln, ohne dass die Narbe erneut operativ aufgeschnitten werden muss.

Auf einen Blick

Verfahren

Cryoablation: gezielte Vereisung des Herds mit einer dünnen Sonde unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle

Betäubung

Lokalanästhesie

Dauer

30–45 Minuten, je nach Grösse des Herds

Aufenthalt

Ambulant oder mit 1–2 Übernachtungen

Verlauf

Der Herd wird nach 4–6 Wochen weicher und ist nach 3–6 Monaten abgebaut

Nachkontrolle

Regelmässige klinische Kontrolle und Ultraschall

Was ist Bauchwandendometriose?

Zeichen erkennen

Bauchwandendometriose bezeichnet das Auftreten von Endometriosegewebe in der Bauchwand, am häufigsten in oder nahe einer vorbestehenden Narbe, oft nach einem Kaiserschnitt oder einer Bauchspiegelung. Das fehlgeleitete Gewebe reagiert wie innerhalb der Gebärmutter auf den Zyklus: Es schwillt an, blutet und verursacht Schmerzen, die zyklusabhängig zu- und abnehmen.

Typische Zeichen der Bauchwandendometriose:

Zyklusabhängiger Schmerz an einer Bauchwandnarbe

Tastbarer, manchmal sichtbarer Knoten in oder unter der Narbe

Schmerzzunahme in der Woche vor und während der Menstruation

Verfärbung oder Schwellung der Narbe während der Periode

Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung, Ultraschall und MRI. Eine bildgesteuerte Biopsie zur histologischen Bestätigung ist vor der Behandlung in der Regel sinnvoll.

Cryoablation: Behandlung durch gezielte Vereisung

Schritt für Schritt

Die Cryoablation ist die minimal-invasive Methode der Wahl bei Bauchwandendometriose. Unter Ultraschallkontrolle wird eine dünne Cryosonde (Gefriersonde) direkt in den Endometrioseherd eingeführt. Dort wird das Gewebe auf unter −120 °C abgekühlt und dadurch gezielt zerstört.

Vor dem Eingriff

MRI und gegebenenfalls Ultraschall zur Lokalisation. Eine histologische Sicherung (Biopsie) wird empfohlen. Sie sollten nüchtern erscheinen (mind. 6 Stunden kein Essen, 2 Stunden kein Wasser). Blutverdünner in Rücksprache pausieren.

Lagerung

Sie liegen auf dem Rücken. Die Bauchwand wird mit Ultraschall genau kartiert, die Ausdehnung des Endometrioseherds dreidimensional gemessen und dokumentiert.

Lokalanästhesie

Haut, Unterhautgewebe und die Faszie über dem Herd werden betäubt. Kälte wirkt zudem selbst schmerzlindernd.

Hydro- oder Pneumodissektion: Schutz der Nachbarorgane

Liegt der Herd nahe an Darm, Blase oder grossen Gefässen, wird Kochsalzlösung oder CO₂ zwischen den Herd und die benachbarte Struktur injiziert. Dieses Polster schützt das umliegende Gewebe vor dem Eisball.

Sondenplatzierung

Unter kontinuierlicher Ultraschall- oder CT-Kontrolle wird die Cryosonde durch eine minimale Hautöffnung (< 3 mm) in die Mitte des Endometrioseherds eingeführt. Bei grossen Herden (> 3 cm) werden 2–4 Sonden parallel platziert, um den gesamten Herd zu erfassen.

Gefrierzyklus 1 (10 Minuten)

Der Eisball wächst kontrolliert um den Herd. Im Ultraschall ist er als echoreiche Zone direkt sichtbar. Der Arzt steuert das Wachstum aktiv und bestätigt, dass der Herd vollständig und mit Sicherheitsrand erfasst ist.

Aktives Auftauen (8 Minuten)

Das aufgetaute Gewebe ist für den zweiten Zyklus deutlich empfindlicher.

Gefrierzyklus 2 (10 Minuten)

Ein zweites Gefrieren sorgt für eine maximale und dauerhafte Zerstörung des Endometriosegewebes.

Sondenentfernung und Abschluss

Die Sonde wird entfernt und die kleine Hautöffnung mit einem Pflaster versorgt. Eine Naht ist nicht nötig.

Dauer

30–45 Minuten, je nach Grösse des Herds. Ambulant oder mit 1–2 Übernachtungen.

Nach dem Eingriff

Der Herd wird in den folgenden Tagen hart (reaktive Entzündung und Schwellung). Das ist normal. Über 4–6 Wochen beginnt er zu erweichen und zu schrumpfen; vollständig abgebaut ist er nach 3–6 Monaten.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt mit allen Anweisungen für die Zeit vor und nach dem Eingriff.

Was passiert nach dem Eingriff mit dem Gewebe?

Abbau durch den Körper

Die Kälte zerstört das Endometriosegewebe durch Eiskristallbildung in den Zellen. Der Körper reagiert darauf mit einer lokalen Entzündungsreaktion und baut das abgestorbene Gewebe schrittweise ab. Nach einigen Monaten bleibt eine inaktive Narbenplatte zurück, die deutlich kleiner ist als der ursprüngliche Herd. Der zyklusabhängige Schmerz verschwindet in den meisten Fällen vollständig.

Was sagt die Wissenschaft?

Evidenzbasierte Ergebnisse

Ein systematischer Review mit Metaanalyse (Kaça do Carmo LH et al., Br J Radiol, 2025; 4 Studien, 126 Patientinnen) zur perkutanen Cryoablation der Bauchwandendometriose zeigt:

93 %

der Patientinnen waren mit der Behandlung zufrieden.

79 %

der Patientinnen hatten in der Nachbeobachtung keine typischen Schmerzen mehr; im Mittel sank die Schmerzstärke um rund 6 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10.

8–13 %

der Patientinnen zeigten in der MRI-Nachkontrolle (meist bis 12 Monate) verbliebenes Endometriosegewebe; dann ist eine erneute Cryoablation möglich.

  • Barat M et al. (Diagn Interv Imaging, 2024; Übersichtsarbeit): Die Cryoablation erreichte in einer Vergleichsstudie eine ähnliche lokale Kontrolle wie die Operation. Sie ist ambulant oder mit kurzem Spitalaufenthalt in örtlicher Betäubung möglich und vermeidet operationstypische Risiken wie Komplikationen durch Kunststoffnetze und Narbenhernien.
  • Razakamanantsoa L et al. (J Minim Invasive Gynecol, 2024; systematischer Review): Bei korrekt ausgewählten Patientinnen ist die perkutane bildgesteuerte Ablation eine valide, sichere Alternative zur Chirurgie.
  • Komplikationsrate: gering. In der Metaanalyse traten bei rund 5 % der Patientinnen Nebenwirkungen auf, meist eine vorübergehende Schwellung; eine schwerere Komplikation (starke Schmerzen nach dem Eingriff) wurde nur bei 1 von 126 Patientinnen berichtet.

Für wen ist die Cryoablation geeignet?

Und für wen nicht

Geeignet
  • Frauen mit histologisch gesicherter Bauchwandendometriose
  • Einzelne oder wenige, gut lokalisierte Herde
  • Frauen, die eine erneute Operation an der Narbe vermeiden möchten
Nicht oder eingeschränkt geeignet
  • Herde, die im Bauchraum selbst liegen und von Darmstrukturen umgeben sind
  • Malignitätsverdacht
  • Keine histologische Sicherung möglich

Häufige Fragen zur Bauchwandendometriose

FAQ

Nein. Die chirurgische Exzision war bisher der Standard, birgt aber Risiken wie eine Narbenhernie und eine erneute Narbenbildung. Das ist besonders problematisch, weil Bauchwandendometriose häufig in Operationsnarben entsteht. Die perkutane Cryoablation ist eine minimal-invasive Alternative: Unter Bildgebung wird der Herd gezielt vereist, ohne Schnitt und mit weniger Komplikationen als bei einer Operation.

Unmittelbar nach dem Eingriff verhärtet sich der behandelte Knoten typischerweise und kann für einige Tage bis wenige Wochen leichte Schmerzen verursachen. Nach etwa 4–6 Wochen wird der Knoten weicher, und der Schrumpfungsprozess setzt ein. Die zyklusabhängigen Schmerzen, die vor der Behandlung bestanden, verschwinden bei den meisten Patientinnen mit dem Abbau des Gewebes.

Das Gewebe stirbt durch die extreme Kälte ab. Der Körper erkennt das abgestorbene Gewebe und baut es über eine Entzündungsreaktion schrittweise ab. Nach einigen Monaten bleibt eine kleine, vollständig inaktive Narbenplatte übrig, die in der Regel nicht mehr schmerzt.

Die Therapie ist noch verhältnismässig jung, und bisher verfügen nur wenige Zentren über die notwendige Expertise und Infrastruktur. Spezialistinnen und Spezialisten in diesem Bereich haben häufig seit Jahren Erfahrung mit der Behandlung anderer Erkrankungen der Bauchwand (z. B. Tumorablationen) und haben die Technik auf die Endometriose übertragen. Bei Gynäkologinnen und Gynäkologen ist diese Möglichkeit noch nicht überall bekannt. Wir sehen es auch als unsere Aufgabe, hier aufzuklären.

In der Regel genügt eine einzige Sitzung. Bei grossen oder mehreren Herden kann eine zweite Cryoablation nach einigen Wochen bis Monaten sinnvoll sein.

Eine histologische Sicherung der Diagnose vor der Behandlung ist empfehlenswert. Auch die Biopsie ist ein bildgesteuerter, minimal-invasiver Eingriff. Sie kann ambulant und manchmal in derselben Sitzung wie die Cryoablation durchgeführt werden.

Wenn der Herd vollständig behandelt wurde, ist das Rückfallrisiko gering. Eine regelmässige Nachsorge mit klinischer Kontrolle und Ultraschall ist dennoch empfohlen, um ein mögliches Wiederauftreten frühzeitig zu erkennen.

Nach der Cryoablation wird der behandelte Bereich in den ersten Tagen vorübergehend härter und kann leicht schmerzen. Das ist die erwartete Reaktion des Gewebes auf die Kältebehandlung; die Verhärtung nimmt über Wochen ab.

Normal und zu erwarten:

  • Leichte Schwellung, Rötung und Druckgefühl an der behandelten Stelle für 1–5 Tage
  • Verhärtung des Gewebes für einige Wochen (der Körper baut das abgestorbene Gewebe ab)

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

  • Zunehmender Rötung, Wärme oder Schwellung an der Einstichstelle, besonders wenn sich Eiter bildet
  • Fieber über 38,5 °C
  • Starken, zunehmenden Schmerzen in den Tagen nach dem Eingriff (statt abnehmender Schmerzen)
Wissenschaftliche Referenzen
  1. Metaanalyse Kaça do Carmo LH, Ceolin de Faria SB, da Cruz Fagundes M, et al. Percutaneous cryoablation therapy for abdominal wall endometriosis: a systematic review and meta-analysis. Br J Radiol. 2025;98(1167):345–353. PubMed ↗
  2. Übersichtsarbeit Barat M, Dohan A, Kohi M, et al. Treatment of adenomyosis, abdominal wall endometriosis and uterine leiomyoma with interventional radiology: a review of current evidences. Diagn Interv Imaging. 2024;105(3):87–96. PubMed ↗
  3. Systematische Übersicht Razakamanantsoa L, Bodard S, Najdawi M, et al. Surgical and percutaneous image-guided therapies of abdominal wall endometriosis: a systematic review of current evidence. J Minim Invasive Gynecol. 2024;31(9):726–737.e2. PubMed ↗

Literatur geprüft im Oktober 2026

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Eingriff

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Nachsorge

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