Gallenstau: Ohne grosse Operation – Gallengangsdrainage (PTCD) in Zürich

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026

Kurz beantwortet

Bei der perkutanen transhepatischen Cholangiodrainage (PTCD) wird unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle ein dünner Katheter durch die Haut und die Leber in die blockierten Gallengänge gelegt. Er leitet die gestaute Galle nach aussen ab und entlastet so den Gallenstau, ohne grosse Operation. In einem zweiten Schritt kann ein interner Stent eingelegt und der Katheter entfernt werden.

Wenn die Galle nicht mehr abfliessen kann, reichert sich Bilirubin im Blut an: Die Haut färbt sich gelb, die Augen werden gelblich, der Urin dunkel, der Stuhl hell. Dieses Krankheitsbild, der Verschlussikterus, entsteht, wenn ein Gallengang von innen (Gallenstein, Narbe) oder von aussen (Tumor) blockiert ist. Hält der Gallenstau länger an, kann er die Leber dauerhaft schädigen und zu einer lebensgefährlichen Gallengangsinfektion (Cholangitis) führen.

Die perkutane transhepatische Cholangiodrainage (PTCD) schafft durch die Haut und die Leber einen direkten, bildgesteuerten Zugang zum blockierten Gallengangssystem.

Auf einen Blick

Verfahren

Bildgesteuerte Gallengangsdrainage durch die Haut und die Leber; in einem zweiten Schritt ggf. interner Stent

Betäubung

Dämmerschlaf (Analgosedation) oder Vollnarkose

Dauer

45–90 Minuten, je nach Komplexität

Aufenthalt

Stationärer Aufenthalt von 1–3 Tagen in der Regel sinnvoll

Nach dem Eingriff

Leichte Schmerzen an der Punktionsstelle für ein paar Tage normal

Zweiter Schritt

Meist nach 2–7 Tagen: interner Stent, danach kann der PTCD-Katheter entfernt werden

Was ist die PTCD?

Bildgesteuerte Gallengangsdrainage

Bei der PTCD wird unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle eine dünne Nadel durch die Haut (meist zwischen den unteren Rippen) und das Lebergewebe direkt in einen erweiterten Gallengang eingeführt. Über die Nadel wird zunächst Kontrastmittel injiziert (Cholangiographie), um das Gallengangssystem darzustellen und die Ursache der Blockade zu lokalisieren. Anschliessend wird ein Drainagekatheter platziert, der die Galle nach aussen ableitet.

Häufige Indikationen für eine PTCD

Tumorbedingter Verschluss

Maligner Gallengangsverschluss durch Pankreaskopfkarzinom, cholangiozelluläres Karzinom (CCC), Lebermetastasen oder Lymphknotenmetastasen

Engstelle nach Operation

Gutartiger Gallengangsverschluss nach Operation (Gallengangsnarbe nach Cholezystektomie, Lebertransplantation)

Gescheiterte ERCP

Gescheiterte endoskopische Therapie (ERCP nicht erfolgreich oder nicht möglich)

Akute Cholangitis

Gallengangsinfektion (akute Cholangitis) mit nicht drainiertem Obstruktionsstau

Vor Chemotherapie oder Operation

Vorbereitung auf eine Chemotherapie bei Gelbsucht oder – in ausgewählten Fällen (z. B. Cholangitis, verzögerte Operation) – auf eine Operation

Wie läuft eine PTCD ab?

Schritt für Schritt

Vor dem Eingriff

Zur Planung und Vorbereitung gehören:

  • Ultraschall und/oder CT/MRI (MRCP) der Leber und der Gallengänge
  • Laborwerte (Blutbild, Gerinnung, Leberwerte, Bilirubin)
  • Nüchternheit (mind. 4–6 Stunden)
  • Antibiotikaprophylaxe
  • Gerinnungskorrekturen bei Bedarf
Lagerung

Sie liegen auf dem Rücken oder leicht auf der Seite. Der rechte Rippenbogen wird desinfiziert und steril abgedeckt.

Cholangiographie: Darstellung der Gallengänge

Unter Ultraschallkontrolle wird ein erweiterter Gallengang punktiert. Kontrastmittel wird injiziert, und unter Röntgen-Durchleuchtung (Fluoroskopie) werden die Gallengänge in mehreren Ebenen dargestellt. Ursache und Ausmass der Blockade werden präzise lokalisiert.

Externe Drainage

Zunächst wird ein Drainagekatheter platziert, der die Galle nach aussen in einen Beutel ableitet (externe Drainage). Das entlastet sofort den Gallendruck und bessert den Ikterus.

Interne Drainage oder Stent (zweiter Schritt)

In einer zweiten Sitzung, meist nach 2–7 Tagen, wenn Ihr Zustand stabilisiert ist und die Gallengänge weniger entzündet sind, wird ein interner Stent (Metallstent oder Kunststoffstent) platziert. Ein Metallstent hält den Gallengang in der Regel über längere Zeit (oft viele Monate) offen; der PTCD-Katheter kann danach entfernt werden. Die Galle fliesst dann wieder auf natürlichem Weg in den Dünndarm ab.

Dauer

45–90 Minuten, je nach Komplexität.

Stationär oder ambulant?

Ein stationärer Aufenthalt von 1–3 Tagen ist bei einer PTCD in der Regel sinnvoll, insbesondere bei Cholangitis oder maligner Obstruktion.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt. Die PTCD wird immer im interdisziplinären Kontext mit Gastroenterologie, Chirurgie oder Onkologie geplant.

Für wen ist die PTCD geeignet?

Und für wen nicht

Geeignet
  • Maligner oder benigner Gallengangsverschluss mit Ikterus oder Cholangitis
  • Gescheiterte oder nicht mögliche endoskopische Drainage (ERCP)
  • Vorbereitung auf eine Chemotherapie bei Gelbsucht oder – in ausgewählten Fällen (z. B. Cholangitis, verzögerte Operation) – auf eine Operation
  • Akute Cholangitis als Notfallindikation
Nicht oder eingeschränkt geeignet
  • Nicht korrigierbare Gerinnungsstörungen
  • Massiver Aszites (erhöhtes Blutungsrisiko – relative Kontraindikation, ggf. Aszites-Drainage zuerst)

Häufige Fragen zur PTCD

FAQ

Der Unterschied liegt im Zugangsweg. Bei der ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie) wird der Gallengang von unten, über den Mund, den Magen und den Dünndarm, endoskopisch erreicht. Wenn die ERCP scheitert (z. B. nach Magenoperation, bei hohem Tumorsitz oder sehr enger Stenose), ist die PTCD ein bewährter nächster Schritt: Sie erreicht die Gallengänge von aussen durch die Haut und die Leber. Bei tumorbedingten Engstellen im unteren Gallengang kann an spezialisierten Zentren alternativ eine endosonographisch gesteuerte Drainage (EUS) erfolgen.

Ja, falls nötig. Wenn ein innerer Stent technisch nicht möglich ist, z. B. bei sehr komplexer Anatomie oder sehr weit fortgeschrittenem Tumor, kann der externe Katheter dauerhaft verbleiben. Kann ein innerer Stent erfolgreich platziert werden, wird der externe PTCD-Katheter entfernt. Wir schulen Sie und Ihre Angehörigen in der Handhabung des Katheters und des Auffangbeutels.

Generell ja – nach erfolgreicher Drainage sinkt der Bilirubin-Wert in der Regel schrittweise. Haut und Augen werden wieder klarer, Müdigkeit und Juckreiz nehmen ab. Es kann einige Wochen dauern, bis der Bilirubin-Wert vollständig normal ist.

Der Eingriff wird unter Dämmerschlaf (Analgosedation) oder Vollnarkose durchgeführt. Das Einstechen durch die Leber kann kurz ein Druckgefühl oder einen Ziehschmerz verursachen, der aber rasch abklingt. Nach dem Eingriff sind leichte Schmerzen im Bereich der Punktionsstelle für ein paar Tage normal.

Ja. Häufig ist die Gallengangsdrainage sogar Voraussetzung, damit eine Chemotherapie begonnen werden kann: Ein zu hoher Bilirubin-Wert verhindert den Einsatz vieler Chemotherapeutika. Die PTCD und die anschliessende Normalisierung der Leberwerte schaffen oft erst die Grundlage für die weitere onkologische Behandlung.

Eine leichte Rötung an der Einstichstelle und etwas blutiger Abfluss für 1–2 Tage sind normal.

Bitte kontaktieren Sie uns oder die Notfallstation umgehend bei:

  • Fieber über 38,0 °C mit Schüttelfrost (mögliche Cholangitis)
  • Starker Schmerzzunahme im rechten Oberbauch
  • Gelbfärbung, die trotz Drainage zunimmt
  • Rötung oder Eiter an der Kathetereinstichstelle
Wissenschaftliche Referenzen
  1. Übersichtsarbeit Covey AM, Brown KT. Percutaneous transhepatic biliary drainage. Tech Vasc Interv Radiol. 2008;11(1):14–20. PubMed ↗
  2. Übersichtsarbeit Chandrashekhara SH, Gamanagatti S, Singh A, et al. Current status of percutaneous transhepatic biliary drainage in palliation of malignant obstructive jaundice: a review. Indian J Palliat Care. 2016;22(4):378–387. PubMed ↗
  3. Übersichtsarbeit Winick AB, Waybill PN, Venbrux AC. Complications of percutaneous transhepatic biliary interventions. Tech Vasc Interv Radiol. 2001;4(3):200–206. PubMed ↗
  4. Leitlinie Saad WE, Wallace MJ, Wojak JC, et al. Quality improvement guidelines for percutaneous transhepatic cholangiography, biliary drainage, and percutaneous cholecystostomy. J Vasc Interv Radiol. 2010;21(6):789–795. PubMed ↗
  5. Leitlinie Dumonceau JM, Tringali A, Papanikolaou IS, et al. Endoscopic biliary stenting: indications, choice of stents, and results: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Clinical Guideline – Updated October 2017. Endoscopy. 2018;50(9):910–930. PubMed ↗

Literatur geprüft im Oktober 2026

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