Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026
Kurz beantwortet
Bei der perkutanen transhepatischen Cholangiodrainage (PTCD) wird unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle ein dünner Katheter durch die Haut und die Leber in die blockierten Gallengänge gelegt. Er leitet die gestaute Galle nach aussen ab und entlastet so den Gallenstau, ohne grosse Operation. In einem zweiten Schritt kann ein interner Stent eingelegt und der Katheter entfernt werden.
Wenn die Galle nicht mehr abfliessen kann, reichert sich Bilirubin im Blut an: Die Haut färbt sich gelb, die Augen werden gelblich, der Urin dunkel, der Stuhl hell. Dieses Krankheitsbild, der Verschlussikterus, entsteht, wenn ein Gallengang von innen (Gallenstein, Narbe) oder von aussen (Tumor) blockiert ist. Hält der Gallenstau länger an, kann er die Leber dauerhaft schädigen und zu einer lebensgefährlichen Gallengangsinfektion (Cholangitis) führen.
Die perkutane transhepatische Cholangiodrainage (PTCD) schafft durch die Haut und die Leber einen direkten, bildgesteuerten Zugang zum blockierten Gallengangssystem.
Auf einen Blick
Was ist die PTCD?
Bildgesteuerte Gallengangsdrainage
Bei der PTCD wird unter Ultraschall- und Röntgenkontrolle eine dünne Nadel durch die Haut (meist zwischen den unteren Rippen) und das Lebergewebe direkt in einen erweiterten Gallengang eingeführt. Über die Nadel wird zunächst Kontrastmittel injiziert (Cholangiographie), um das Gallengangssystem darzustellen und die Ursache der Blockade zu lokalisieren. Anschliessend wird ein Drainagekatheter platziert, der die Galle nach aussen ableitet.
Häufige Indikationen für eine PTCD
Wie läuft eine PTCD ab?
Schritt für Schritt
Für wen ist die PTCD geeignet?
Und für wen nicht
- Maligner oder benigner Gallengangsverschluss mit Ikterus oder Cholangitis
- Gescheiterte oder nicht mögliche endoskopische Drainage (ERCP)
- Vorbereitung auf eine Chemotherapie bei Gelbsucht oder – in ausgewählten Fällen (z. B. Cholangitis, verzögerte Operation) – auf eine Operation
- Akute Cholangitis als Notfallindikation
- Nicht korrigierbare Gerinnungsstörungen
- Massiver Aszites (erhöhtes Blutungsrisiko – relative Kontraindikation, ggf. Aszites-Drainage zuerst)
Häufige Fragen zur PTCD
FAQ
Der Unterschied liegt im Zugangsweg. Bei der ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie) wird der Gallengang von unten, über den Mund, den Magen und den Dünndarm, endoskopisch erreicht. Wenn die ERCP scheitert (z. B. nach Magenoperation, bei hohem Tumorsitz oder sehr enger Stenose), ist die PTCD ein bewährter nächster Schritt: Sie erreicht die Gallengänge von aussen durch die Haut und die Leber. Bei tumorbedingten Engstellen im unteren Gallengang kann an spezialisierten Zentren alternativ eine endosonographisch gesteuerte Drainage (EUS) erfolgen.
Ja, falls nötig. Wenn ein innerer Stent technisch nicht möglich ist, z. B. bei sehr komplexer Anatomie oder sehr weit fortgeschrittenem Tumor, kann der externe Katheter dauerhaft verbleiben. Kann ein innerer Stent erfolgreich platziert werden, wird der externe PTCD-Katheter entfernt. Wir schulen Sie und Ihre Angehörigen in der Handhabung des Katheters und des Auffangbeutels.
Generell ja – nach erfolgreicher Drainage sinkt der Bilirubin-Wert in der Regel schrittweise. Haut und Augen werden wieder klarer, Müdigkeit und Juckreiz nehmen ab. Es kann einige Wochen dauern, bis der Bilirubin-Wert vollständig normal ist.
Der Eingriff wird unter Dämmerschlaf (Analgosedation) oder Vollnarkose durchgeführt. Das Einstechen durch die Leber kann kurz ein Druckgefühl oder einen Ziehschmerz verursachen, der aber rasch abklingt. Nach dem Eingriff sind leichte Schmerzen im Bereich der Punktionsstelle für ein paar Tage normal.
Ja. Häufig ist die Gallengangsdrainage sogar Voraussetzung, damit eine Chemotherapie begonnen werden kann: Ein zu hoher Bilirubin-Wert verhindert den Einsatz vieler Chemotherapeutika. Die PTCD und die anschliessende Normalisierung der Leberwerte schaffen oft erst die Grundlage für die weitere onkologische Behandlung.
Eine leichte Rötung an der Einstichstelle und etwas blutiger Abfluss für 1–2 Tage sind normal.
Bitte kontaktieren Sie uns oder die Notfallstation umgehend bei:
- Fieber über 38,0 °C mit Schüttelfrost (mögliche Cholangitis)
- Starker Schmerzzunahme im rechten Oberbauch
- Gelbfärbung, die trotz Drainage zunimmt
- Rötung oder Eiter an der Kathetereinstichstelle
Wissenschaftliche Referenzen
- Übersichtsarbeit Covey AM, Brown KT. Percutaneous transhepatic biliary drainage. Tech Vasc Interv Radiol. 2008;11(1):14–20. PubMed ↗
- Übersichtsarbeit Chandrashekhara SH, Gamanagatti S, Singh A, et al. Current status of percutaneous transhepatic biliary drainage in palliation of malignant obstructive jaundice: a review. Indian J Palliat Care. 2016;22(4):378–387. PubMed ↗
- Übersichtsarbeit Winick AB, Waybill PN, Venbrux AC. Complications of percutaneous transhepatic biliary interventions. Tech Vasc Interv Radiol. 2001;4(3):200–206. PubMed ↗
- Leitlinie Saad WE, Wallace MJ, Wojak JC, et al. Quality improvement guidelines for percutaneous transhepatic cholangiography, biliary drainage, and percutaneous cholecystostomy. J Vasc Interv Radiol. 2010;21(6):789–795. PubMed ↗
- Leitlinie Dumonceau JM, Tringali A, Papanikolaou IS, et al. Endoscopic biliary stenting: indications, choice of stents, and results: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Clinical Guideline – Updated October 2017. Endoscopy. 2018;50(9):910–930. PubMed ↗
Literatur geprüft im Oktober 2026
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Indikation
Maligner oder benigner Gallengangsverschluss mit Ikterus oder Cholangitis, insbesondere nach gescheiterter oder nicht möglicher ERCP; akute Cholangitis als Notfallindikation.
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Aktuelle Bildgebung (Ultraschall, CT oder MRI/MRCP), Laborwerte (Blutbild, Gerinnung, Leberwerte, Bilirubin) sowie Berichte bisheriger endoskopischer Eingriffe (ERCP).
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