Adenomyose: Schonende Alternativen zur Hysterektomie in Zürich

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026

Kurz beantwortet

Bei der Adenomyose wächst Gebärmutterschleimhaut in die Muskelwand der Gebärmutter ein. Die IRZ in Zürich behandelt sie mit zwei gebärmuttererhaltenden Verfahren: der Uterusarterienembolisation (UAE), die über einen Katheter die Blutversorgung des kranken Gewebes unterbricht, und dem MR-geführten HIFU, der das Gewebe ohne Nadel und ohne Schnitt von aussen erhitzt. Beide lindern Schmerzen und Blutungen, ohne dass die Gebärmutter entfernt wird.

Extreme Regelschmerzen, so stark, dass Schmerzmittel kaum helfen. Blutungen, die wochenlang dauern und so stark sind, dass der Alltag kaum zu bewältigen ist. Ein aufgeblähtes, hartes und schmerzhaftes Gefühl in der Gebärmutter, Monat für Monat. Und doch wird die Adenomyose häufig erst spät erkannt.

Es gibt heute wirksame Behandlungen, die die Gebärmutter erhalten – ohne grosses Skalpell und ohne Vollnarkose.

Auf einen Blick

Verfahren

Uterusarterienembolisation (UAE) über einen Katheter oder MR-geführter HIFU von aussen

Betäubung

UAE unter örtlicher Betäubung und Dämmerschlaf (Analgosedation); HIFU ohne Nadel und ohne Schnitt

Dauer

UAE: 60–90 Minuten

Aufenthalt

Ambulant oder mit einer Übernachtung

Erholung

Arbeitsfähig meist nach 7–10 Tagen

Nachkontrolle

Klinische Kontrolle und MRI nach 3 und 6 Monaten

Was ist Adenomyose?

Symptome erkennen

Adenomyose ist eine Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) in die Muskelwand der Gebärmutter (Myometrium) einwächst. Dieses fehlgeleitete Gewebe reagiert jeden Monat auf die Hormonschwankungen des Zyklus: Es entzündet sich, blutet und verursacht Beschwerden.

Typische Symptome der Adenomyose:

Extreme Dysmenorrhoe (Regelschmerzen), oft bereits Tage vor der Periode beginnend

Menorrhagie (sehr starke und/oder verlängerte Blutungen)

Eine vergrösserte, aufgequollene Gebärmutter

Chronischer Unterbauchschmerz

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)

Zuverlässig diagnostiziert wird die Adenomyose mit einem MRI der Gebärmutter. Der Ultraschall kann erste Hinweise geben, ist aber weniger spezifisch.

Behandlungsoptionen der Interventionellen Radiologie

Gebärmuttererhaltende Alternativen

Lange galt die Hysterektomie (Gebärmutterentfernung) als einzige dauerhafte Lösung. Heute bietet die Interventionelle Radiologie wirksame, gebärmuttererhaltende Alternativen:

Uterusarterienembolisation (UAE)

Die UAE, bekannt aus der Myombehandlung, ist auch bei Adenomyose wirksam: Sie unterbricht die Blutversorgung des adenomyotischen Gewebes, was die Entzündungsaktivität und die Beschwerden reduziert. In Übersichtsarbeiten besserten sich die Beschwerden bei rund 60–80 % der Patientinnen; besonders gut sprechen Frauen an, die zusätzlich Myome haben. Der Ablauf ist identisch mit der Myomembolisation: ambulant oder mit einer Übernachtung, unter örtlicher Betäubung und Dämmerschlaf, 60–90 Minuten.

HIFU – hochintensiver fokussierter Ultraschall

HIFU (High-Intensity Focused Ultrasound) ist eine besonders schonende Methode der Interventionellen Radiologie: Gebündelte Ultraschallwellen erhitzen das kranke Gewebe auf über 60 °C und zerstören es thermisch, ohne Nadel und ohne Schnitt, komplett von aussen durch die Bauchdecke. Die Behandlung erfolgt in einem speziellen MRI-Gerät, das die Behandlung gleichzeitig steuert und überwacht (MR-geführter HIFU). HIFU eignet sich besonders für fokale Adenomyosen ohne begleitende Myome.

Vorbereitung und Nachsorge (wie bei der Myomembolisation)

Vor dem Eingriff

MRI der Gebärmutter zur Bestätigung der Diagnose und zur Therapieplanung. Blutverdünner in Absprache pausieren. Nüchtern erscheinen (mind. 6 Stunden).

Nach dem Eingriff

Post-Embolisations-Syndrom für 2–7 Tage (Krämpfe, eventuell leichtes Fieber). Arbeitsfähig meist nach 7–10 Tagen. Nachsorge-Kontrollen nach 3 und 6 Monaten.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt mit allen spezifischen Anweisungen für Ihren Eingriff.

Was sagt die Wissenschaft?

Evidenzbasierte Ergebnisse

Die Uterusarterienembolisation (UAE) bei Adenomyose ist in zahlreichen Beobachtungsstudien untersucht; inzwischen gibt es auch erste Vergleichsstudien mit einer Hormontherapie und mit der Gebärmutterentfernung. Die wichtigsten Ergebnisse:

76 %

In einer systematischen Übersichtsarbeit über 22 Studien besserten sich starke Blutungen, Regelschmerzen und Druckbeschwerden nach einer UAE kurz- bis mittelfristig bei 1'301 von 1'701 Frauen deutlich (Ini et al., 2026).

90 %

In einer kleinen randomisierten Studie (60 Frauen, ein Zentrum) waren starke Regelblutungen 6 Monate nach der UAE bei 90 % vollständig abgeklungen, unter dem Hormonpräparat Dienogest bei 56,7 % (Refaat et al., 2026).

73 %

73 % der Frauen waren ein Jahr nach der UAE mit der Behandlung zufrieden, nach einer Gebärmutterentfernung 95 % (QUESTA-Studie; Trommelen et al., 2025).

Die niederländische QUESTA-Studie (Trommelen et al., 2025) hat die UAE bei Adenomyose prospektiv mit der Gebärmutterentfernung verglichen. 101 Frauen, für die eine Hysterektomie in Frage kam, wählten selbst zwischen den beiden Eingriffen; die ursprünglich geplante randomisierte Studie wurde in eine prospektive Kohortenstudie umgewandelt. Nach einem Jahr hatte sich die Lebensqualität nach beiden Eingriffen deutlich verbessert und lag auf vergleichbarem Niveau. Die Autoren sehen die UAE als valide Alternative für Frauen, die ihre Gebärmutter erhalten möchten; für Frauen, die eine endgültige Lösung suchen, bleibt die Hysterektomie die Behandlung der Wahl.

  • Liu L et al. (Int J Hyperthermia, 2021; Metaanalyse zu HIFU und anderen Wärmebehandlungen, 38 Studien, 15'908 Frauen): Nach einer HIFU-Behandlung besserten sich die Regelschmerzen bei 84 % der Frauen, und das Volumen der Adenomyose nahm im Mittel um 45 % ab; zu einem Rückfall kam es bei 10 %, eine weitere Behandlung brauchten 4 %. Mit längerer Nachbeobachtung werden Rückfälle häufiger: In einer neueren Metaanalyse (Hu L et al., Front Med, 2026; 27 Studien) hatten nach 5 Jahren 45 % erneute Beschwerden oder ein erneutes Wachstum in der Bildgebung; eine weitere Behandlung brauchten bis dahin 8 %.
  • Die meisten Daten zur UAE stammen aus Beobachtungsstudien; grössere randomisierte Studien fehlen noch (Ini et al., 2026).

Für wen ist die Behandlung geeignet?

Und für wen nicht

Geeignet
  • Frauen mit symptomatischer Adenomyose (bestätigt per MRI)
  • Frauen, die ihre Gebärmutter erhalten möchten
  • Frauen mit oder ohne begleitende Myome
  • Frauen mit Kinderwunsch (individuell besprechen)
Nicht oder eingeschränkt geeignet
  • Malignitätsverdacht der Gebärmutter
  • Aktive Beckeninfektion
  • Schwere Gerinnungsstörungen

Häufige Fragen zur Adenomyose

FAQ

Ja. Die Hysterektomie galt lange als einzige dauerhafte Lösung. Heute bieten die Uterusarterienembolisation (UAE) und der hochintensive fokussierte Ultraschall (HIFU) gebärmuttererhaltende Alternativen. Beide Verfahren reduzieren das adenomyotische Gewebe und lindern Schmerzen und Blutungen, ohne dass die Gebärmutter entfernt wird.

Hormonelle Therapien (Pille, Mirena-Spirale, GnRH-Analoga) können Beschwerden lindern, behandeln aber nicht die Ursache. Sie müssen zudem dauerhaft angewendet werden und haben Nebenwirkungen. Die UAE zielt direkt auf das adenomyotische Gewebe und kann eine lang anhaltende Linderung bewirken, ohne dass dauerhaft Hormone eingenommen werden müssen. Häufig werden Hormontherapien als erste Behandlung und die UAE als zweite Option eingesetzt, wenn die Hormontherapie nicht ausreichend wirkt.

Eine vollständige Heilung ohne Hysterektomie ist nicht immer möglich, denn die Adenomyose ist oft über grosse Teile der Gebärmutterwand verteilt. Das realistische und häufig erreichte Ziel ist jedoch eine deutliche, nachhaltige Reduktion der Beschwerden: schwächere Blutungen, weniger Schmerzen, mehr Lebensqualität. Viele Patientinnen berichten über eine erhebliche Verbesserung, die über mehrere Jahre anhält; bei einem Teil kehren die Beschwerden jedoch zurück.

Das hängt von der Art und dem Ausmass der Adenomyose ab und davon, ob gleichzeitig Myome vorliegen. Bei Patientinnen mit starken Blutungen und Myomen bevorzugen wir häufig die UAE. Bei fokaler Adenomyose ohne Myome kann HIFU eine sehr gute Option sein. Die Entscheidung treffen wir gemeinsam nach Auswertung des MRI und im Beratungsgespräch.

Beide Settings sind möglich. Die UAE kann ambulant durchgeführt werden. Viele Patientinnen schätzen jedoch die stationäre Übernachtung, weil in der ersten Nacht Fachpersonal für allfällige Schmerzen verfügbar ist. Wir passen das Setting Ihren Bedürfnissen an.

Die Partikel bleiben dauerhaft an Ort und Stelle in den Gebärmutterarterien. Sie werden teilweise abgebaut, wandern jedoch nicht. Sie sind vollständig biokompatibel und verursachen keine Beschwerden.

Nach UAE und HIFU sind Schwangerschaften beschrieben. Wie sich die Eingriffe bei Adenomyose auf die Fruchtbarkeit auswirken, ist jedoch noch nicht ausreichend untersucht. Ob und welches Verfahren für Ihre Situation geeignet ist, besprechen wir ausführlich und gemeinsam mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen.

Bei der Adenomyose wächst die Schleimhaut in die Gebärmutterwand hinein. Bei der Endometriose wächst ähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter, etwa auf den Eierstöcken, dem Bauchfell oder dem Darm. Beide Erkrankungen können gleichzeitig bestehen und sind häufig mit chronischen Beckenschmerzen verbunden.

Wir führen nach 3 und 6 Monaten eine klinische Kontrolle und MRI-Untersuchungen durch. Das MRI zeigt, wie stark das adenomyotische Gewebe auf die Behandlung angesprochen hat, und ermöglicht eine frühzeitige Anpassung der Therapie.

Die Nachsorge nach einer UAE bei Adenomyose entspricht jener nach einer Myomembolisation: Krämpfe und leichtes Fieber in den ersten Tagen sind normal und zu erwarten.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

  • Fieber über 38,5 °C, das länger als 48 Stunden anhält
  • Nicht beherrschbaren Schmerzen trotz Schmerzmedikamenten
  • Übelriechendem oder ungewöhnlichem vaginalem Ausfluss
  • Starken Blutungen
  • Lokalen Zeichen einer Infektion an der Einstichstelle (Rötung, Schwellung, Eiter)
Wissenschaftliche Referenzen
  1. Übersichtsarbeit Barat M, Dohan A, Kohi M, et al. Treatment of adenomyosis, abdominal wall endometriosis and uterine leiomyoma with interventional radiology: a review of current evidences. Diagn Interv Imaging. 2024;105(3):87–96. PubMed ↗
  2. Übersichtsarbeit Mailli L, Patel S, Das R, et al. Uterine artery embolisation: fertility, adenomyosis and size – what is the evidence? CVIR Endovasc. 2023;6(1):8. PubMed ↗
  3. Übersichtsarbeit Tanaka ME, Keefe N, Caridi TM, et al. Interventional radiology in obstetrics and gynecology: updates in women's health. Radiographics. 2023;43(3):e220039. PubMed ↗
  4. Metaanalyse de Bruijn AM, Smink M, Lohle PNM, et al. Uterine artery embolization for the treatment of adenomyosis: a systematic review and meta-analysis. J Vasc Interv Radiol. 2017;28(12):1629–1642.e1. PubMed ↗
  5. Systematische Übersicht Ini C, Timpanaro C, Foti PV, et al. Uterine artery embolization for the treatment of symptomatic adenomyosis: a systematic review. CVIR Endovasc. 2026;9(1):87. PubMed ↗
  6. Randomisierte Studie Refaat R, Ammar EAM, Basha MAA, et al. Uterine artery embolization versus dienogest for symptomatic adenomyosis: a randomized controlled trial of short-term efficacy. Eur J Radiol. 2026;196:112712. PubMed ↗
  7. Prospektive Studie Trommelen LM, Semmler A, de Bruijn AM, et al. Quality of life 1 year after uterine artery embolization vs hysterectomy for symptomatic adenomyosis (QUESTA study). Acta Obstet Gynecol Scand. 2025;104(8):1558–1574. PubMed ↗
  8. Metaanalyse Hu L, Shi D, Yang M, et al. Long-term efficacy and reintervention of focused ultrasound ablation surgery monotherapy for adenomyosis: a systematic review and meta-analysis. Front Med (Lausanne). 2026;13:1855726. PubMed ↗
  9. Metaanalyse Liu L, Wang T, Lei B. Image-guided thermal ablation in the management of symptomatic adenomyosis: a systematic review and meta-analysis. Int J Hyperthermia. 2021;38(1):948–962. DOI ↗

Literatur geprüft im Oktober 2026

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