Lungentumoren: Lungenkrebs und Lungenmetastasen behandeln – perkutane Ablation in Zürich

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026

Kurz beantwortet

Bei Lungentumoren behandelt die IRZ in Zürich einzelne Herde mit der perkutanen Ablation: Unter CT-Kontrolle wird eine dünne Sonde durch die Haut in den Tumor eingeführt, die das Gewebe mit Hitze (Radiofrequenz- oder Mikrowellenablation) oder Kälte (Cryoablation) zerstört. Infrage kommen vor allem Patienten mit Lungenkrebs im Frühstadium, die nicht operiert werden können, und Patienten mit wenigen Lungenmetastasen.

Wenn Lungenkrebs in einem frühen Stadium entdeckt wird, aber der Patient nicht operiert werden kann – wegen eingeschränkter Lungenfunktion, hohen Alters oder anderer Erkrankungen –, ist neben der stereotaktischen Strahlentherapie (SBRT) die perkutane Tumorablation eine Alternative für ausgewählte Patienten.

Befallen Metastasen anderer Primärtumoren die Lunge, kann die gezielte Ablation einzelner Herde die Gesamttherapie wirksam ergänzen.

Auf einen Blick

Verfahren

CT-gesteuerte perkutane Ablation: Radiofrequenz- (RFA), Mikrowellen- (MWA) oder Cryoablation

Vorbereitung

CT des Brustkorbs, gegebenenfalls Lungenfunktionsprüfung; nüchtern (6 Stunden)

Aufenthalt

Kurze Hospitalisation, meist 1–2 Tage

Nach dem Eingriff

Leichte Brustschmerzen und Husten für 1–3 Tage sind normal

Für wen ist die Lungenablation geeignet?

Lungenkrebs im Frühstadium und Lungenmetastasen

  • Nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC) im Frühstadium (T1N0M0 / Stadium IA), durch eine Biopsie gesichert, wenn eine Operation nicht möglich ist oder abgelehnt wird
  • Oligometastatische Lungenmetastasen (1–3 Herde), besonders bei kolorektalem Karzinom, Nierenzellkarzinom, Sarkom oder anderen Tumoren
  • Ergänzung zur Systemtherapie bei einem dominanten Lungenherd

Welche Ablationsverfahren werden eingesetzt?

Hitze oder Kälte

Radiofrequenzablation (RFA) und Mikrowellenablation (MWA)

CT-gesteuerte Zerstörung des Tumorgewebes durch Hitze über eine perkutane Elektrode. Die MWA ist schneller und weniger anfällig für den «Heat-Sink-Effekt» (Wärmeabfluss über benachbarte Blutgefässe) bei gefässnahen Tumoren.

Cryoablation

Besonders geeignet für Tumoren in der Nähe des Brustfells (Pleura) oder wenn die Schmerzen möglichst gering gehalten werden sollen.

Was sagt die Wissenschaft?

Evidenzbasierte Ergebnisse

Für die Ablation von Lungenmetastasen gibt es prospektive Multicenterstudien und grosse Serien mit Langzeitdaten. Randomisierte Vergleiche mit Operation oder Bestrahlung fehlen bisher; die Studien zur Radiofrequenz-, Mikrowellen- und Cryoablation zeigen aber übereinstimmend, dass behandelte Metastasen meist über Jahre kontrolliert bleiben:

89 %

Vier Jahre nach einer Radiofrequenzablation von Lungenmetastasen lag die lokale Wirksamkeit (kein erneutes Wachstum an der behandelten Stelle) bei 89 % (566 Patienten mit 1'037 Metastasen von im Median 15 mm, am häufigsten von Darmkrebs; de Baère et al., 2015).

81,5 %

Bei Lungenmetastasen von Darmkrebs lag die lokale Tumorkontrolle 3 Jahre nach einer Mikrowellenablation bei 81,5 % (225 Patienten mit 720 Metastasen von im Mittel 0,9 cm; Cooke et al., 2025).

87,9 %

Drei Jahre nach einer Cryoablation waren 87,9 % der Lungenmetastasen an der behandelten Stelle kontrolliert, nach 5 Jahren 79,2 % (prospektive Multicenterstudie ECLIPSE, 40 Patienten mit 60 Metastasen; de Baère et al., 2021).

Speziell zu Lungenmetastasen von Darmkrebs (kolorektales Karzinom) liefert eine prospektive Multicenterstudie aus Japan Langzeitdaten (Hasegawa et al., 2020): 70 Patienten mit höchstens 5 Lungenmetastasen von maximal 3 cm, die auch operativ hätten entfernt werden können, wurden mit einer Radiofrequenzablation behandelt; die Metastasen massen im Mittel 1,0 cm. Nach 3 Jahren lebten 84 % der Patienten – die Studie war von 55 % ausgegangen –, nach 5 Jahren 69 %. Ein Rückfall an der behandelten Stelle trat bei 6 der 70 Patienten (9 %) auf; nach einer erneuten Ablation lag die Rückfallrate nach 3 und 5 Jahren bei 2 %.

  • Nach einer stereotaktischen Bestrahlung (SBRT) waren Lungenmetastasen von Darmkrebs nach 3 Jahren in Metaanalysen zu 60–64 % kontrolliert (Cao et al., 2019; Jeong et al., 2024), nach einer Ablation in grossen Studien zu rund 80–90 % (Cooke et al., 2025; Hasegawa et al., 2020). Die Zahlen stammen aus verschiedenen Studien mit unterschiedlichen Patienten; randomisierte Vergleiche fehlen bisher.
  • Nguyenhuy M et al. (Cardiovasc Intervent Radiol, 2022): In einer Metaanalyse von 24 Studien waren eingriffsbedingte Todesfälle selten (0 % in der Gesamtauswertung), ebenso schwere Komplikationen ausser einem Pneumothorax (1 %). Ein Pneumothorax trat bei 44 % der Eingriffe auf; nur bei der Hälfte davon war eine Drainage nötig.

Wie läuft die Lungenablation ab?

Vorbereitung, Aufenthalt und mögliche Komplikationen

Vor dem Eingriff

CT des Brustkorbs (CT-Thorax), gegebenenfalls eine Lungenfunktionsprüfung. Sie sollten nüchtern erscheinen (6 Stunden).

Aufenthalt

Kurze Hospitalisation, meist 1–2 Tage.

Mögliche Komplikationen

Pneumothorax (Luft im Brustraum) ist die häufigste Komplikation; kleinere Pneumothoraces bilden sich meist ohne weiteren Eingriff zurück, bei grösserem oder symptomatischem Pneumothorax wird kurzzeitig eine Thoraxdrainage eingelegt.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Häufige Fragen zur Ablation von Lungentumoren

FAQ

Studien, die Ablation und Operation direkt vergleichen, fehlen bisher. Für ausgewählte Patienten mit kleinen Frühstadium-Tumoren, die nicht operiert werden können, ist die Ablation eine wirksame Option. Die Ablation ist lungenerhaltend: Die Lungenfunktion blieb in Studien in der Regel stabil.

Ein Pneumothorax entsteht, wenn beim Einstechen der Nadel Luft in den Pleuraraum gelangt und die Lunge zusammendrückt. Er ist die häufigste Komplikation der Lungenablation. Oft ist er klein und bildet sich spontan zurück; bei grösserem Pneumothorax wird kurzzeitig eine dünne Drainage gelegt – in einer grossen Studie war dies in rund einem Viertel der Fälle nötig. Das ist ein kleiner, gut beherrschbarer Zusatzeingriff. Nach einer chirurgischen Operation wird standardmässig eine Drainage eingelegt.

In der Regel bis zu 3–4 Herde pro Sitzung, abhängig von Grösse, Lage und Lungenfunktion. Bei mehr Herden besprechen wir im Tumorboard, ob mehrere Sitzungen oder eine andere Strategie sinnvoller sind.

Nach der Lungenablation sind leichte Brustschmerzen und Husten für 1–3 Tage normal. Ein kleiner Pneumothorax (Luft im Pleuraraum) kann auftreten und bildet sich meist spontan zurück.

Bitte kontaktieren Sie uns oder die Notfallstation umgehend bei:

  • Zunehmender Atemnot oder starken Brustschmerzen (Anzeichen eines grossen Pneumothorax – sofortiger Notfall)
  • Husten mit Blutbeimengung (mehr als leichte Blutspuren)
  • Fieber über 38,5 °C
  • Starker Verschlechterung des Allgemeinzustands
Wissenschaftliche Referenzen
  1. Retrospektive Studie de Baère T, Aupérin A, Deschamps F, et al. Radiofrequency ablation is a valid treatment option for lung metastases: experience in 566 patients with 1037 metastases. Ann Oncol. 2015;26(5):987–991. PubMed ↗
  2. Prospektive Studie Lencioni R, Crocetti L, Cioni R, et al. Response to radiofrequency ablation of pulmonary tumours: a prospective, intention-to-treat, multicentre clinical trial (the RAPTURE study). Lancet Oncol. 2008;9(7):621–628. PubMed ↗
  3. Retrospektive Studie Palussière J, Lagarde P, Aupérin A, et al. Percutaneous lung thermal ablation of non-surgical clinical N0 non-small cell lung cancer: results of eight years' experience in 87 patients from two centers. Cardiovasc Intervent Radiol. 2015;38(1):160–166. PubMed ↗
  4. Prospektive Studie Dupuy DE, Fernando HC, Hillman SL, et al. Radiofrequency ablation of stage IA non-small cell lung cancer in medically inoperable patients: Results from the American College of Surgeons Oncology Group Z4033 (Alliance) trial. Cancer. 2015;121(19):3491–3498. PubMed ↗
  5. Prospektive Studie Palussière J, Chomy F, Savina M, et al. Radiofrequency ablation of stage IA non-small cell lung cancer in patients ineligible for surgery: results of a prospective multicenter phase II trial. J Cardiothorac Surg. 2018;13(1):91. PubMed ↗
  6. Prospektive Studie Hasegawa T, Takaki H, Kodama H, et al. Three-year Survival Rate after Radiofrequency Ablation for Surgically Resectable Colorectal Lung Metastases: A Prospective Multicenter Study. Radiology. 2020;294(3):686–695. PubMed ↗
  7. Retrospektive Studie Cooke TM, Sofocleous CT, Petre EN, et al. Microwave Ablation of Colorectal Pulmonary Metastases Offers Excellent Local Tumor Control and Can Prolong Time Off Chemotherapy. Cardiovasc Intervent Radiol. 2025;48(6):769–776. PubMed ↗
  8. Prospektive Studie de Baère T, Woodrum D, Tselikas L, et al. The ECLIPSE Study: Efficacy of Cryoablation on Metastatic Lung Tumors With a 5-Year Follow-Up. J Thorac Oncol. 2021;16(11):1840–1849. PubMed ↗
  9. Metaanalyse Nguyenhuy M, Xu Y, Maingard J, et al. A Systematic Review and Meta-analysis of Patient Survival and Disease Recurrence Following Percutaneous Ablation of Pulmonary Metastasis. Cardiovasc Intervent Radiol. 2022;45(8):1102–1113. PubMed ↗
  10. Metaanalyse Jeong JU, Rim CH, Yoo GS, et al. The Clinical Efficacy of Colorectal Cancer Patients with Pulmonary Oligometastases by Sterotactic Body Ablative Radiotherapy: A Meta-Analysis. Cancer Res Treat. 2024;56(3):809–824. PubMed ↗
  11. Metaanalyse Cao C, Wang D, Tian DH, et al. A systematic review and meta-analysis of stereotactic body radiation therapy for colorectal pulmonary metastases. J Thorac Dis. 2019;11(12):5187–5198. PubMed ↗

Literatur geprüft im Oktober 2026

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