Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026
Kurz beantwortet
Bei der Hämorrhoidenarterienembolisation (HAE) werden die Arterien, die die Hämorrhoiden mit Blut versorgen, über einen dünnen Katheter von der Leiste aus gezielt verschlossen. Die Hämorrhoidalpolster schrumpfen, und vor allem die Blutungsbeschwerden gehen zurück. Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung, ohne Einschnitt im Analbereich und ohne Operationssaal, ambulant oder kurzstationär.
Blutungen beim Stuhlgang. Ein Brennen und Jucken, das nicht aufhört. Ein Fremdkörpergefühl oder ein Prolaps, der den Alltag belastet. Hämorrhoiden sind weit verbreitet und oft ein Thema, über das man lieber nicht spricht. Klassische Behandlungen wie Gummibandligatur oder Verödung sind bei leichten Formen gut wirksam. Bei fortgeschrittenen oder wiederkehrenden Hämorrhoiden bleibt aber häufig nur die chirurgische Hämorrhoiden-Operation, mit dem bekannten, oft gefürchteten Erholungsschmerz.
Die Hämorrhoidenarterienembolisation (HAE) bietet eine Alternative: einen bildgesteuerten Kathetereingriff, der die Blutversorgung der Hämorrhoiden gezielt reduziert, ohne Einschnitt im Analbereich, ohne Operationssaal und ohne ausgedehnten Heilungsschmerz.
Auf einen Blick
Was sind Hämorrhoiden?
Die vier Schweregrade
Hämorrhoiden sind keine «Krampfadern», sondern normale Gefässpolster im Analkanal, die zur Feinkontinenz beitragen. Sie werden zum medizinischen Problem, wenn sie sich vergrössern, prolabieren oder bluten. Man unterscheidet vier Grade:
- Grad 1: Vergrösserung ohne Prolaps (Vorfall), nur Blutungen möglich
- Grad 2: Prolaps beim Pressen, spontane Reposition (die Hämorrhoiden ziehen sich von selbst zurück)
- Grad 3: Prolaps, manuelle Reposition notwendig (Zurückschieben von Hand)
- Grad 4: Dauerhafter Prolaps, nicht reponierbar
Die HAE ist primär für Grad 2 und 3 geeignet, also für Hämorrhoiden, die prolabieren, aber noch reponierbar sind. Zudem werden durch die Embolisation vorwiegend die Blutungsbeschwerden reduziert, weniger der Prolaps selbst. Grad 4 erfordert sicherlich eine chirurgische Behandlung.
Wie funktioniert die Hämorrhoidenarterienembolisation (HAE)?
Der Eingriff Schritt für Schritt
Hämorrhoiden werden über die Hämorrhoidalarterien mit Blut versorgt (Äste der Arteria rectalis superior, weniger der A. rectalis media). Je mehr Blut in diese Gefässe fliesst, desto stärker schwellen die Hämorrhoidalpolster an und desto eher bluten und prolabieren sie. Die HAE verschliesst diese zuführenden Arterien gezielt von innen: über einen Katheter, ohne jeden Eingriff am Analkanal.
Was passiert nach dem Eingriff mit den Hämorrhoiden?
Schrittweise Besserung
Durch den reduzierten arteriellen Zufluss schrumpfen die Hämorrhoidalpolster über die folgenden Wochen. Blutungen, das häufigste und belastendste Symptom, hören in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage bis Wochen auf. Auch der Prolaps nimmt leicht ab, und das Fremdkörpergefühl bessert sich. Der Körper baut das überschüssige Gewebe schrittweise ab.
Was sagt die Wissenschaft?
Evidenzbasierte Ergebnisse
Die wichtigsten Studienergebnisse im Überblick:
72 %
Nach 12 Monaten klinischer Erfolg bei 72 % der Patienten – bei einem Teil davon nach einer zweiten Embolisation (Tradi F et al., J Vasc Interv Radiol, 2018).
10–20 %
In Studien mit rund 12 Monaten Nachbeobachtung traten bei etwa 10–20 % der Patienten erneut Blutungen auf – seltener, wenn Coils mit Mikropartikeln kombiniert wurden. Bei einem Rückfall kann die HAE wiederholt werden.
- Vidal V et al. (Cardiovasc Intervent Radiol, 2015): Erste Fallserie zur HAE («Emborrhoid»-Technik). Technische Erfolgsrate: 100 %. Klinischer Erfolg nach einem Monat bei 72 % der Patienten.
- Tradi F et al. (J Vasc Interv Radiol, 2018): Blutungen, Schmerzen und Prolaps besserten sich deutlich; Komplikationen traten keine auf.
- Die HAE beruht auf demselben Prinzip wie die transanale Doppler-gesteuerte Hämorrhoidalarterienligatur (THD/DGHAL) – der Drosselung des arteriellen Zuflusses –, jedoch ohne Eingriff im Analkanal. Direkte Vergleichsstudien zwischen beiden Verfahren gibt es bisher nicht.
- Komplikationsrate: In den bisherigen Studien gering. Schwere Komplikationen wie Darmischämie oder Verletzungen des Schliessmuskels wurden nicht beobachtet; leichte, vorübergehende Beschwerden (z. B. Druckgefühl im Analbereich oder ein Bluterguss an der Einstichstelle) sind möglich.
HAE oder klassische Behandlung?
Die Verfahren im Vergleich
Die HAE ergänzt das bestehende Therapiespektrum sinnvoll, besonders für Patienten, bei denen andere Methoden versagt haben oder nicht möglich sind.
Für wen ist die HAE geeignet?
Und für wen nicht
- Hämorrhoiden Grad 2 und 3 mit Blutungen und/oder Prolaps
- Hämorrhoiden, die auf Gummibandligatur oder medikamentöse Therapie nicht ausreichend ansprechen
- Patienten, die einen Analeinschnitt und einen Operationssaal vermeiden möchten
- Rezidiv-Hämorrhoiden nach vorheriger Behandlung
- Hämorrhoiden Grad 4 (dauerhafter, nicht reponierbarer Prolaps): Hier ist die chirurgische Hämorrhoidektomie überlegen
- Frische, thrombosierte Hämorrhoiden (Notfallbild, andere Therapie)
- Andere Ursachen der rektalen Blutung nicht ausgeschlossen (Polypen, Karzinom: zunächst Koloskopie)
- Schwere periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) der Beckengefässe
Häufige Fragen zur Hämorrhoidenarterienembolisation
FAQ
Die Hämorrhoidenarterienembolisation (HAE) ist ein besonders schmerzarmes Verfahren bei Hämorrhoiden Grad 2–3. Im Gegensatz zur chirurgischen Hämorrhoidektomie (Milligan-Morgan, Longo) oder zur Gummibandligatur erfordert die HAE keine Manipulation am empfindlichen Analkanal. Der Eingriff erfolgt über einen Zugang in der Leiste. In den bisherigen Studien berichteten die meisten Patienten über keine oder nur minimale Schmerzen nach dem Eingriff.
Ja. Die HAE erfordert typischerweise 1–2 Tage Erholung, verglichen mit 2–4 Wochen bei chirurgischen Verfahren. Der Eingriff erfolgt ambulant oder kurzstationär, und die meisten Patienten kehren am nächsten Tag zur Arbeit zurück. Die bisherigen Studien zeigen bei Blutungen Erfolgsraten von etwa 65–80 %.
Nein, und das ist einer der grössten Vorteile der HAE gegenüber chirurgischen Verfahren. Es gibt keinen Einschnitt im Analbereich. Die Behandlung erfolgt über einen Zugang in der Leiste (winzige Punktion) unter Lokalanästhesie. Analschmerzen – die bei Hämorrhoidenoperationen oft wochenlang anhalten – treten bei der HAE in der Regel nicht auf.
Blutungen lassen in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage bis 2 Wochen deutlich nach. Der Prolaps und das Druckgefühl bessern sich über 4–8 Wochen, wenn die Hämorrhoidalpolster schrumpfen.
Primär für Grad 2 und 3, also für Hämorrhoiden, die beim Pressen prolabieren, sich aber noch zurückschieben lassen. Grad 4 (dauerhafter Prolaps) erfordert in der Regel eine chirurgische Hämorrhoidektomie.
Eine proktologische Vorabklärung (mindestens Proktoskopie) ist obligatorisch, um andere Ursachen von Blutungen oder Beschwerden auszuschliessen, insbesondere Darmpolypen oder ein Karzinom. Wir koordinieren dies gerne mit einem Gastroenterologen oder Proktologen.
Ja – bei einem Rückfall kann die Embolisation wiederholt werden. Auch eine spätere Operation bleibt weiterhin möglich.
Nein. Die Embolisation verschliesst ausschliesslich die Hämorrhoidalarterien (Äste der A. rectalis superior). Die Blutversorgung des restlichen Rektums, des Schliessmuskelkomplexes und des Beckenbodens bleibt erhalten. In den bisherigen Studien wurden keine Beeinträchtigungen der Darmfunktion oder der Kontinenz beobachtet.
Nach der Hämorrhoidenarterienembolisation können leichte Unterleibsbeschwerden und vorübergehend etwas häufigerer Stuhldrang für 1–2 Tage auftreten. Die Blutungen beim Stuhlgang sollten rasch abnehmen.
Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:
- Starker Blutung aus dem Darm (nicht nur leichte Spuren)
- Fieber über 38,5 °C kombiniert mit Bauchschmerzen
- Zeichen einer Infektion an der Einstichstelle (Leiste)
Wissenschaftliche Referenzen
- Fallserie Vidal V, Sapoval M, Sielezneff Y, et al. Emborrhoid: A New Concept for the Treatment of Hemorrhoids with Arterial Embolization: The First 14 Cases. Cardiovasc Intervent Radiol. 2015;38(1):72–78. PubMed ↗
- Prospektive Studie Tradi F, Louis G, Giorgi R, et al. Embolization of the Superior Rectal Arteries for Hemorrhoidal Disease: Prospective Results in 25 Patients. J Vasc Interv Radiol. 2018;29(6):884–892.e1. PubMed ↗
- Fallserie Moussa N, Sielezneff I, Sapoval M, et al. Embolization of the superior rectal arteries for chronic bleeding due to haemorrhoidal disease. Colorectal Dis. 2017;19(2):194–199. PubMed ↗
- Metaanalyse Makris GC, Thulasidasan N, Malietzis G, et al. Catheter-Directed Hemorrhoidal Dearterialization Technique for the Management of Hemorrhoids: A Meta-Analysis of the Clinical Evidence. J Vasc Interv Radiol. 2021;32(8):1119–1127. PubMed ↗
Literatur geprüft im Oktober 2026
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Kontrolltermine und ein Bericht an Ihre zuweisende Ärztin oder Ihren zuweisenden Arzt.
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Indikation
Hämorrhoiden Grad 2–3 mit Blutungen und/oder Prolaps, ungenügendes Ansprechen auf Gummibandligatur oder medikamentöse Therapie sowie Rezidive nach vorheriger Behandlung.
Hilfreiche Unterlagen
Proktologischer Befund (mindestens Proktoskopie) oder Koloskopiebefund zum Ausschluss anderer Blutungsursachen sowie relevante Vorbefunde.
So weisen Sie zu
Zuweisungsformular per E-Mail an irz@hirslanden.ch oder Anruf unter +41 44 387 25 84. Wir melden uns innert eines Werktages und senden Ihnen nach dem Eingriff einen Bericht.
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