Hämorrhoiden: Schonende Alternative zur Operation – Embolisation (HAE) in Zürich

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026

Kurz beantwortet

Bei der Hämorrhoidenarterienembolisation (HAE) werden die Arterien, die die Hämorrhoiden mit Blut versorgen, über einen dünnen Katheter von der Leiste aus gezielt verschlossen. Die Hämorrhoidalpolster schrumpfen, und vor allem die Blutungsbeschwerden gehen zurück. Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung, ohne Einschnitt im Analbereich und ohne Operationssaal, ambulant oder kurzstationär.

Blutungen beim Stuhlgang. Ein Brennen und Jucken, das nicht aufhört. Ein Fremdkörpergefühl oder ein Prolaps, der den Alltag belastet. Hämorrhoiden sind weit verbreitet und oft ein Thema, über das man lieber nicht spricht. Klassische Behandlungen wie Gummibandligatur oder Verödung sind bei leichten Formen gut wirksam. Bei fortgeschrittenen oder wiederkehrenden Hämorrhoiden bleibt aber häufig nur die chirurgische Hämorrhoiden-Operation, mit dem bekannten, oft gefürchteten Erholungsschmerz.

Die Hämorrhoidenarterienembolisation (HAE) bietet eine Alternative: einen bildgesteuerten Kathetereingriff, der die Blutversorgung der Hämorrhoiden gezielt reduziert, ohne Einschnitt im Analbereich, ohne Operationssaal und ohne ausgedehnten Heilungsschmerz.

Auf einen Blick

Verfahren

Verschluss der Hämorrhoidalarterien über einen Katheter von der Leiste aus, ohne Eingriff am Analkanal

Betäubung

Örtliche Betäubung

Dauer

45–75 Minuten

Aufenthalt

Ambulant oder kurzstationär, nach kurzer Überwachungsphase

Erholung

Typischerweise 1–2 Tage; die meisten Patienten kehren am nächsten Tag zur Arbeit zurück

Voraussetzung

Proktologische Abklärung (mindestens Proktoskopie) zum Ausschluss anderer Ursachen

Was sind Hämorrhoiden?

Die vier Schweregrade

Hämorrhoiden sind keine «Krampfadern», sondern normale Gefässpolster im Analkanal, die zur Feinkontinenz beitragen. Sie werden zum medizinischen Problem, wenn sie sich vergrössern, prolabieren oder bluten. Man unterscheidet vier Grade:

  • Grad 1: Vergrösserung ohne Prolaps (Vorfall), nur Blutungen möglich
  • Grad 2: Prolaps beim Pressen, spontane Reposition (die Hämorrhoiden ziehen sich von selbst zurück)
  • Grad 3: Prolaps, manuelle Reposition notwendig (Zurückschieben von Hand)
  • Grad 4: Dauerhafter Prolaps, nicht reponierbar

Die HAE ist primär für Grad 2 und 3 geeignet, also für Hämorrhoiden, die prolabieren, aber noch reponierbar sind. Zudem werden durch die Embolisation vorwiegend die Blutungsbeschwerden reduziert, weniger der Prolaps selbst. Grad 4 erfordert sicherlich eine chirurgische Behandlung.

Wie funktioniert die Hämorrhoidenarterienembolisation (HAE)?

Der Eingriff Schritt für Schritt

Hämorrhoiden werden über die Hämorrhoidalarterien mit Blut versorgt (Äste der Arteria rectalis superior, weniger der A. rectalis media). Je mehr Blut in diese Gefässe fliesst, desto stärker schwellen die Hämorrhoidalpolster an und desto eher bluten und prolabieren sie. Die HAE verschliesst diese zuführenden Arterien gezielt von innen: über einen Katheter, ohne jeden Eingriff am Analkanal.

Vor dem Eingriff

Proktologische Abklärung (Rekto-/Proktoskopie oder Koloskopie) zum Ausschluss anderer Ursachen (Polypen, Karzinom). Nüchternheit erforderlich. Kein Einlauf nötig.

Zugang

Unter örtlicher Betäubung wird eine winzige Punktion in der Leistenarterie angelegt (ca. 1–2 mm, kein Schnitt). Ein dünner Katheter wird über die Leiste in die Beckengefässe navigiert.

Angiographie und Darstellung

Kontrastmittel wird injiziert und die Arteria rectalis superior mit ihren Ästen unter Röntgendurchleuchtung dargestellt. Die Gefässe, die die Hämorrhoidalpolster versorgen, werden identifiziert.

Superselektive Embolisation

Mit einem Mikrokatheter werden die Hämorrhoidalarterien gezielt mit kleinen Metallspiralen (Coils) oder Mikropartikeln verschlossen. Dabei werden nur die Hämorrhoidalgefässe embolisiert; die Blutversorgung des übrigen Rektums, des Schliessmuskelkomplexes und des Beckenbodens bleibt erhalten.

Kontrolle

Eine abschliessende Angiographie bestätigt den korrekten Verschluss der Zielgefässe.

Dauer

45–75 Minuten.

Nach dem Eingriff

Kurze Überwachungsphase. Keine starken Schmerzen im Analbereich. Kleine Kompression an der Einstichstelle in der Leiste. Rückkehr zu normalen Aktivitäten am nächsten Tag.

Nach dem Beratungsgespräch erhalten Sie ein detailliertes Patienteninformationsblatt.

Was passiert nach dem Eingriff mit den Hämorrhoiden?

Schrittweise Besserung

Durch den reduzierten arteriellen Zufluss schrumpfen die Hämorrhoidalpolster über die folgenden Wochen. Blutungen, das häufigste und belastendste Symptom, hören in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage bis Wochen auf. Auch der Prolaps nimmt leicht ab, und das Fremdkörpergefühl bessert sich. Der Körper baut das überschüssige Gewebe schrittweise ab.

Was sagt die Wissenschaft?

Evidenzbasierte Ergebnisse

Die wichtigsten Studienergebnisse im Überblick:

72 %

Nach 12 Monaten klinischer Erfolg bei 72 % der Patienten – bei einem Teil davon nach einer zweiten Embolisation (Tradi F et al., J Vasc Interv Radiol, 2018).

10–20 %

In Studien mit rund 12 Monaten Nachbeobachtung traten bei etwa 10–20 % der Patienten erneut Blutungen auf – seltener, wenn Coils mit Mikropartikeln kombiniert wurden. Bei einem Rückfall kann die HAE wiederholt werden.

  • Vidal V et al. (Cardiovasc Intervent Radiol, 2015): Erste Fallserie zur HAE («Emborrhoid»-Technik). Technische Erfolgsrate: 100 %. Klinischer Erfolg nach einem Monat bei 72 % der Patienten.
  • Tradi F et al. (J Vasc Interv Radiol, 2018): Blutungen, Schmerzen und Prolaps besserten sich deutlich; Komplikationen traten keine auf.
  • Die HAE beruht auf demselben Prinzip wie die transanale Doppler-gesteuerte Hämorrhoidalarterienligatur (THD/DGHAL) – der Drosselung des arteriellen Zuflusses –, jedoch ohne Eingriff im Analkanal. Direkte Vergleichsstudien zwischen beiden Verfahren gibt es bisher nicht.
  • Komplikationsrate: In den bisherigen Studien gering. Schwere Komplikationen wie Darmischämie oder Verletzungen des Schliessmuskels wurden nicht beobachtet; leichte, vorübergehende Beschwerden (z. B. Druckgefühl im Analbereich oder ein Bluterguss an der Einstichstelle) sind möglich.

HAE oder klassische Behandlung?

Die Verfahren im Vergleich

Die HAE ergänzt das bestehende Therapiespektrum sinnvoll, besonders für Patienten, bei denen andere Methoden versagt haben oder nicht möglich sind.

Behandlung Stadium Merkmale
Gummibandligatur Grad 1–2 Sehr wirksam für innere Hämorrhoiden. Analschmerzen möglich. Die HAE ist eine Alternative bei Patienten, die die Bandligatur nicht tolerieren.
THD/DGHAL Grad 2–3 Doppler-gesteuerte Hämorrhoidalarterienligatur von innen. Gleiches Wirkprinzip wie die HAE, erfordert aber einen Eingriff im Rektum, meist in Narkose.
Chirurgische Hämorrhoidektomie Grad 3–4 Definitive Therapie. Stark wirksam, aber bekannt für starke postoperative Analschmerzen und eine längere Erholung. Die HAE ist keine Alternative bei Grad 4.
HAE Grad 2–3 Kein Rektaleingriff, kein Operationssaal, kaum Analschmerzen. Ambulant oder kurzstationär. Weniger invasiv als alle chirurgischen Optionen.

Gummibandligatur

  • Stadium: Grad 1–2
  • Merkmale: Sehr wirksam für innere Hämorrhoiden. Analschmerzen möglich. Die HAE ist eine Alternative bei Patienten, die die Bandligatur nicht tolerieren.

THD/DGHAL

  • Stadium: Grad 2–3
  • Merkmale: Doppler-gesteuerte Hämorrhoidalarterienligatur von innen. Gleiches Wirkprinzip wie die HAE, erfordert aber einen Eingriff im Rektum, meist in Narkose.

Chirurgische Hämorrhoidektomie

  • Stadium: Grad 3–4
  • Merkmale: Definitive Therapie. Stark wirksam, aber bekannt für starke postoperative Analschmerzen und eine längere Erholung. Die HAE ist keine Alternative bei Grad 4.

HAE

  • Stadium: Grad 2–3
  • Merkmale: Kein Rektaleingriff, kein Operationssaal, kaum Analschmerzen. Ambulant oder kurzstationär. Weniger invasiv als alle chirurgischen Optionen.

Für wen ist die HAE geeignet?

Und für wen nicht

Geeignet
  • Hämorrhoiden Grad 2 und 3 mit Blutungen und/oder Prolaps
  • Hämorrhoiden, die auf Gummibandligatur oder medikamentöse Therapie nicht ausreichend ansprechen
  • Patienten, die einen Analeinschnitt und einen Operationssaal vermeiden möchten
  • Rezidiv-Hämorrhoiden nach vorheriger Behandlung
Nicht oder eingeschränkt geeignet
  • Hämorrhoiden Grad 4 (dauerhafter, nicht reponierbarer Prolaps): Hier ist die chirurgische Hämorrhoidektomie überlegen
  • Frische, thrombosierte Hämorrhoiden (Notfallbild, andere Therapie)
  • Andere Ursachen der rektalen Blutung nicht ausgeschlossen (Polypen, Karzinom: zunächst Koloskopie)
  • Schwere periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) der Beckengefässe

Häufige Fragen zur Hämorrhoidenarterienembolisation

FAQ

Die Hämorrhoidenarterienembolisation (HAE) ist ein besonders schmerzarmes Verfahren bei Hämorrhoiden Grad 2–3. Im Gegensatz zur chirurgischen Hämorrhoidektomie (Milligan-Morgan, Longo) oder zur Gummibandligatur erfordert die HAE keine Manipulation am empfindlichen Analkanal. Der Eingriff erfolgt über einen Zugang in der Leiste. In den bisherigen Studien berichteten die meisten Patienten über keine oder nur minimale Schmerzen nach dem Eingriff.

Ja. Die HAE erfordert typischerweise 1–2 Tage Erholung, verglichen mit 2–4 Wochen bei chirurgischen Verfahren. Der Eingriff erfolgt ambulant oder kurzstationär, und die meisten Patienten kehren am nächsten Tag zur Arbeit zurück. Die bisherigen Studien zeigen bei Blutungen Erfolgsraten von etwa 65–80 %.

Nein, und das ist einer der grössten Vorteile der HAE gegenüber chirurgischen Verfahren. Es gibt keinen Einschnitt im Analbereich. Die Behandlung erfolgt über einen Zugang in der Leiste (winzige Punktion) unter Lokalanästhesie. Analschmerzen – die bei Hämorrhoidenoperationen oft wochenlang anhalten – treten bei der HAE in der Regel nicht auf.

Blutungen lassen in den meisten Fällen innerhalb weniger Tage bis 2 Wochen deutlich nach. Der Prolaps und das Druckgefühl bessern sich über 4–8 Wochen, wenn die Hämorrhoidalpolster schrumpfen.

Primär für Grad 2 und 3, also für Hämorrhoiden, die beim Pressen prolabieren, sich aber noch zurückschieben lassen. Grad 4 (dauerhafter Prolaps) erfordert in der Regel eine chirurgische Hämorrhoidektomie.

Eine proktologische Vorabklärung (mindestens Proktoskopie) ist obligatorisch, um andere Ursachen von Blutungen oder Beschwerden auszuschliessen, insbesondere Darmpolypen oder ein Karzinom. Wir koordinieren dies gerne mit einem Gastroenterologen oder Proktologen.

Ja – bei einem Rückfall kann die Embolisation wiederholt werden. Auch eine spätere Operation bleibt weiterhin möglich.

Nein. Die Embolisation verschliesst ausschliesslich die Hämorrhoidalarterien (Äste der A. rectalis superior). Die Blutversorgung des restlichen Rektums, des Schliessmuskelkomplexes und des Beckenbodens bleibt erhalten. In den bisherigen Studien wurden keine Beeinträchtigungen der Darmfunktion oder der Kontinenz beobachtet.

Nach der Hämorrhoidenarterienembolisation können leichte Unterleibsbeschwerden und vorübergehend etwas häufigerer Stuhldrang für 1–2 Tage auftreten. Die Blutungen beim Stuhlgang sollten rasch abnehmen.

Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:

  • Starker Blutung aus dem Darm (nicht nur leichte Spuren)
  • Fieber über 38,5 °C kombiniert mit Bauchschmerzen
  • Zeichen einer Infektion an der Einstichstelle (Leiste)
Wissenschaftliche Referenzen
  1. Fallserie Vidal V, Sapoval M, Sielezneff Y, et al. Emborrhoid: A New Concept for the Treatment of Hemorrhoids with Arterial Embolization: The First 14 Cases. Cardiovasc Intervent Radiol. 2015;38(1):72–78. PubMed ↗
  2. Prospektive Studie Tradi F, Louis G, Giorgi R, et al. Embolization of the Superior Rectal Arteries for Hemorrhoidal Disease: Prospective Results in 25 Patients. J Vasc Interv Radiol. 2018;29(6):884–892.e1. PubMed ↗
  3. Fallserie Moussa N, Sielezneff I, Sapoval M, et al. Embolization of the superior rectal arteries for chronic bleeding due to haemorrhoidal disease. Colorectal Dis. 2017;19(2):194–199. PubMed ↗
  4. Metaanalyse Makris GC, Thulasidasan N, Malietzis G, et al. Catheter-Directed Hemorrhoidal Dearterialization Technique for the Management of Hemorrhoids: A Meta-Analysis of the Clinical Evidence. J Vasc Interv Radiol. 2021;32(8):1119–1127. PubMed ↗

Literatur geprüft im Oktober 2026

Ihr Weg zu uns

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Eingriff

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