Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Arash Najafi · Stand: Oktober 2026
Kurz beantwortet
Die Gelenkembolisation ist ein minimal-invasiver Eingriff, bei dem krankhafte, neu gebildete Blutgefässe an einem chronisch entzündeten Gelenk gezielt verschlossen werden. Am besten untersucht ist das Verfahren am Knie; auch bei Hüftarthrose und bei Arthrose an Daumen und Fingern kann es in Frage kommen. Ob eine Gelenkembolisation für Sie sinnvoll ist, prüfen wir im Beratungsgespräch anhand Ihrer Bildgebung.
Das Sprunggelenk, das beim Treppensteigen brennt. Die Hüfte, die morgens steif ist. Der Daumenansatz, der bei jedem Griff schmerzt (Rhizarthrose).
Arthrose macht nicht am Knie halt.
Überall dort, wo Gelenke durch Arthrose chronisch entzündet sind und pathologische neue Blutgefässe wachsen, kann eine Gelenkembolisation in Frage kommen – wie gut sie untersucht ist, hängt allerdings stark vom jeweiligen Gelenk ab.
Auf einen Blick
Welche Gelenke können embolisiert werden?
Arthrose abseits des Knies
Wie läuft die Gelenkembolisation ab?
Schritt für Schritt
Der Eingriff folgt demselben Prinzip wie die Knie- oder Schulterembolisation.
Für wen ist die Gelenkembolisation geeignet?
Und für wen nicht
- Chronische Arthrosen nach Ausschöpfung konservativer Massnahmen
- Nachgewiesene pathologische Neovaskularisierung im betroffenen Gelenk
- Patienten, die eine Operation vermeiden oder hinauszögern möchten
- Sehr fortgeschrittene Arthrose ohne Restknorpel
- Aktive (floride) systemische Entzündungserkrankung
- Gelenkinstabilität, die eine strukturelle Behandlung erfordert
Häufige Fragen zur Arthrose an weiteren Gelenken
FAQ
Die Gelenkembolisation wird zunehmend auch bei Hüftarthrose eingesetzt. Erste Studien zeigen eine deutliche Schmerzreduktion nach Embolisation der pathologischen Neugefässe rund um das Hüftgelenk. Die Embolisation ersetzt keine Hüftprothese bei fortgeschrittener Arthrose, kann aber bei mildem bis moderatem Stadium die Operation hinauszögern und Schmerzen reduzieren.
Fingerarthrose (Heberden- und Bouchard-Knoten, Rhizarthrose) wird meist nur symptomatisch behandelt. Die transarterielle Embolisation der betroffenen Fingergelenke ist ein neuer Ansatz, der in ersten Pilotstudien signifikante Schmerzreduktionen zeigt: ohne Operation, ohne Gelenkversteifung, ohne Prothese.
Bei sorgfältig ausgewählten Patienten hielt die Wirkung in Studien meist über Monate an, am Knie teils über mehrere Jahre; für Hüfte und Hand liegen bisher Beobachtungen über 1–2 Jahre vor. Bei besonders starker oder aktiver Entzündung kann – einige Wochen nach der ersten – eine zweite Embolisation erwogen werden. Die Embolisation kann bei Bedarf grundsätzlich wiederholt werden.
Die sogenannte pathologische Neovaskularisierung, also das unkontrollierte Einwachsen neuer Blutgefässe in entzündetes Gewebe, verläuft oft nicht allein. Diese Gefässe wachsen häufig zusammen mit feinen Nervenfasern ein (neurovascular ingrowth). Diese Nervenfasern können Schmerzsignale zum Gehirn weiterleiten, auch ohne dass gerade eine akute Verletzung vorliegt. Die Gelenkembolisation verschliesst gezielt diese krankhaften Gefässe – und soll so nach heutigem Verständnis auch die Reizung der begleitenden Schmerzfasern verringern.
Das zeigt die Bildgebung: Ein Duplex-Ultraschall mit Farbdoppler oder ein MRI mit Kontrastmittel kann die Neovaskularisierung im betroffenen Gewebe sichtbar machen. Im Beratungsgespräch bei der IRZ beurteilen wir gemeinsam mit Ihnen die Bildgebung und prüfen, ob eine Gelenkembolisation in Ihrer Situation sinnvoll ist.
Die Gelenkembolisation eignet sich für Patienten mit chronischen Gelenkschmerzen durch Arthrose oder Tendinopathie, die auf konservative Therapien (Physiotherapie, Medikamente, Infiltrationen) nicht ausreichend angesprochen haben und eine Operation vermeiden oder hinauszögern möchten. Nicht geeignet ist sie bei aktiver systemischer Entzündungserkrankung (z. B. rheumatoide Arthritis im Schub), bei sehr fortgeschrittener Arthrose ohne Restknorpel oder bei Gelenkinfektionen.
Nein. Die Gelenkembolisation verändert das Gelenk strukturell nicht. Sie nimmt eine eventuelle spätere Prothese oder Operation weder vorweg, noch verhindert sie diese. Sie kann jedoch wertvolle Zeit gewinnen und die Lebensqualität in der Zwischenzeit deutlich verbessern.
Wir empfehlen nach der Gelenkembolisation eine kurze Erholungsphase von 1–3 Tagen, in der Sie das behandelte Gelenk nicht überbelasten sollten. Leichte Aktivitäten und Alltagsbewegungen sind danach erlaubt und sogar erwünscht, da Bewegung die Regeneration fördert. Intensive sportliche Belastung sollte für 2–3 Wochen pausiert werden.
Nein. Die stärkste Datenlage besteht für das Kniegelenk (Gonarthrose), gefolgt von Schulter und Ellenbogen. Für Sprunggelenk, Hüfte und Fingergelenke gibt es zunehmend positive Fallserien und kleinere Studien, die Wirksamkeit und Sicherheit belegen. Wir besprechen die aktuelle Evidenzlage im Beratungsgespräch offen mit Ihnen.
Nach der Gelenkembolisation kann die behandelte Region in den ersten 24–48 Stunden etwas wärmer, leicht geschwollen oder druckempfindlicher sein als zuvor. Das ist eine normale Entzündungsreaktion auf die Embolisation und klingt rasch ab. Gelegentlich zeigt sich über dem Gelenk eine vorübergehende Hautverfärbung (leicht bläulich bis gelblich); auch dies ist harmlos und bildet sich zurück.
Bitte kontaktieren Sie uns umgehend bei:
- Starker, zunehmender Schwellung und Rötung am behandelten Gelenk
- Fieber über 38,0 °C
- Rötung oder Eiter an der Einstichstelle
Wissenschaftliche Referenzen
- Übersichtsarbeit Sajan A, Epelboym Y, Fernández Martínez A, et al. Transarterial Embolization for Musculoskeletal Pain Management: AJR Expert Panel Narrative Review. AJR Am J Roentgenol. 2025;224(2):e2431626. PubMed ↗
- Systematische Übersicht Kishore SA, Sheira D, Malin ML, et al. Transarterial Embolization for the Treatment of Chronic Musculoskeletal Pain: A Systematic Review of Indications, Safety, and Efficacy. ACR Open Rheumatol. 2022;4(3):209–217. PubMed ↗
- Fallserie Okuno Y, Korchi AM, Shinjo T, et al. Midterm Clinical Outcomes and MR Imaging Changes after Transcatheter Arterial Embolization as a Treatment for Mild to Moderate Radiographic Knee Osteoarthritis Resistant to Conservative Treatment. J Vasc Interv Radiol. 2017;28(7):995–1002. PubMed ↗
- Retrospektive Studie Fleckenstein FN, Maleitzke T, Oehme S, et al. Transarterial Embolization for the Treatment of Symptomatic Hip Osteoarthritis. Cardiovasc Intervent Radiol. 2026;49(7):1352–1361. PubMed ↗
- Prospektive Studie Cavalheiro F, Marinho Lopes P, Sousa F, et al. HipE Study – Hip Embolization for Pain Control in Hip Osteoarthritis and Greater Trochanteric Pain Syndrome: 12 Months Follow-Up. Cardiovasc Intervent Radiol. 2026;49(7):1295–1305. PubMed ↗
- Retrospektive Studie Lee SY, Lim WX, Wu KT, et al. Short-term clinical outcomes of transarterial embolization for symptomatic hand osteoarthritis refractory to conservative treatment. Diagn Interv Radiol. 2024;30(1):65–71. PubMed ↗
- Fallserie Inui S, Yoshizawa S, Shintaku T, et al. Intra-Arterial Infusion of Imipenem/Cilastatin Sodium through a Needle Inserted into the Radial Artery as a New Treatment for Refractory Trapeziometacarpal Osteoarthritis. J Vasc Interv Radiol. 2021;32(9):1341–1347. PubMed ↗
- Retrospektive Studie Liang KW, Wang B, Huang HH, et al. Effectiveness and Safety of Intra-arterial Imipenem/Cilastatin Sodium Infusion for Patients with Hand Osteoarthritis–Related Interphalangeal Joint Pain. J Vasc Interv Radiol. 2023;34(9):1485–1492.e1. PubMed ↗
- Metaanalyse van der Oest MJW, Duraku LS, Andrinopoulou ER, et al. The prevalence of radiographic thumb base osteoarthritis: a meta-analysis. Osteoarthritis Cartilage. 2021;29(6):785–792. PubMed ↗
Literatur geprüft im Oktober 2026
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Indikation
Chronische, symptomatische Arthrose von Hüfte (selektiv bei moderater Arthrose), Daumen- oder Fingergelenken nach Ausschöpfung konservativer Massnahmen, besonders wenn eine Operation vermieden oder hinausgezögert werden soll. Voraussetzung ist eine bildgebend nachgewiesene Neovaskularisierung; nicht geeignet sind sehr fortgeschrittene Arthrosen ohne Restknorpel.
Hilfreiche Unterlagen
Aktuelle Bildgebung des betroffenen Gelenks (Röntgen, MRI oder Ultraschall) und Vorbefunde; Angaben zu bisherigen konservativen Therapien.
So weisen Sie zu
Zuweisungsformular per E-Mail an irz@hirslanden.ch oder Anruf unter +41 44 387 25 84. Wir melden uns innert eines Werktages und senden Ihnen nach dem Eingriff einen Bericht.
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